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Marburg Landkreis über dem Bundesschnitt
Marburg Landkreis über dem Bundesschnitt
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00:19 12.08.2018
In Deutschland gibt es große Einkommensunterschiede. Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall bleiben die Gehälter im Osten klar hinter denen im Westen zurück.  Quelle: Arno Burgi
Marburg

Zwischen Görlitz und Ingolstadt sind es Luftlinie keine 370 Kilometer. Wenn es ums Einkommens-Niveau für Arbeitnehmer geht, liegt aber eine kleine Welt zwischen dem Landkreis in Sachsen und der Audi-Stadt in Bayern. 4 635 Euro brutto im Monat verdienten Vollzeitbeschäftigte in Ingolstadt im Mittel, das ist bundesweit spitze. Görlitz und Umgebung sind dagegen mit 2 183 Euro Schlusslicht aller Kommunen in Deutschland.

Der große Abstand zeigt: Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall bleiben die Gehälter im Osten klar hinter denen im Westen zurück. Doch ganz so einfach verlaufen die Trennlinien nicht.
Dass man in den neuen Ländern tendenziell schlechter verdient, ist kein überraschendes Phänomen. Auch die generelle Wirtschaftskraft ist geringer. Je Einwohner liegt die Wirtschaftsleistung am Standort Ost momentan bei 73,2 Prozent des Westniveaus, wie die Bundesregierung im jährlichen Einheits-Bericht 2017 bilanzierte.

Deutlich niedrigeres Gehaltsniveau im Osten

Und ein entscheidender Grund dafür hat wiederum auch Einfluss auf das Gehaltsniveau: die „Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft“ und ein Mangel an Konzernzentralen großer Unternehmen, wie es in dem Bericht heißt.

In großen Firmen gibt es meist mehr gut bezahlte Führungsposten und lukrative Jobs für besser qualifizierte Fachkräfte. In Ingolstadt mit gut 130 000 Einwohnern arbeiten allein 44000 Beschäftigte beim Autobauer Audi. Weit vorn in der neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit liegt auch die Volkswagen-Stadt Wolfsburg mit 4 622 Euro.

Mehr als 4 000 Euro sind ebenfalls in den Wirtschaftsmetropolen München und Stuttgart oder am Finanzplatz Frankfurt am Main drin. Auf der anderen Seite steht ein deutlich niedrigeres Gehaltsniveau im Osten. Wobei der Landkreis Görlitz nicht einmal zu den schon ganz und gar deindustrialisierten Regionen gehört.

In Ostsachsen sorgen aber die Abwanderung junger Leute und teils schlechte Verkehrsanbindungen für große Probleme. Zum Beispiel auch in dünn besiedelten Gegenden in Vorpommern lagen die mittleren Verdienste zum Stichtag 31. Dezember 2017 nur um die 2 200 Euro.

„Von gleichwertigen Lebensverhältnissen kann in Deutschland nicht gesprochen werden“, moniert die Linke-Arbeitsmarktexpertin im Bundestag, Sabine Zimmermann.

Kritik zielt auf "abgehängte" Regionen im Westen

Dabei zielt die Kritik nicht allein auf den Osten, sondern auch auf „abgehängte“ Regionen im Westen. Tatsächlich gehen die Verdienste auch dort erheblich auseinander. In Hessen kommt zum Beispiel der strukturschwache Werra-Meißner-Kreis im Mittel nur auf 2 821 Euro, während es im wirtschaftsstarken Darmstadt 4 185 Euro sind. In Rheinland-Pfalz reicht die Spanne von 2 642 Euro in der Südwestpfalz bis 4 534 Euro in Ludwigshafen, der Heimat des Chemieriesen BASF.

Die Beschäftigten im Landkreis Marburg-Biedenkopf liegen laut der Statistik über dem Bundesschnitt, ziemlich genau im Schnitt für Westdeutschland (3 339 Euro), aber unter dem mittleren Gehaltsniveau in Hessen (3 494). Insgesamt errechnet die Bundesagentur für Arbeit für die heimischen Gehaltsempfänger einen Durchschnitt von 3 331 Euro im Monat, wobei Männer mit 3 510 Euro deutlich über weiblichen Beschäftigten liegen (2 866 Euro). Deutsche verdienen demnach auch im Landkreis mehr als Ausländer: Der Durchschnitt liegt hier im Kreis bei 3 389 zu 2 613 Euro.

Fortschritte hin zu einer Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse hat sich die neue Bundesregierung erklärtermaßen zum Ziel gesetzt – und zwar nicht allein im Ressort von Heimatminister Horst Seehofer (CSU).

Etwa die Hälfte aller Beschäftigten haben Tariflöhne

Dazu gehört, etwa auch in der Pflege, dass mehr Arbeitnehmer zu den in der Regel besseren Bedingungen von Tarifverträgen arbeiten sollen. Bisher bekommt nach Gewerkschaftsangaben nur etwa die Hälfte aller Beschäftigten Tariflöhne. Der SPD-Ostbeauftragte Martin Dulig pochte am Freitag auch darauf, Bundesbehörden in die neuen Länder zu holen.

Großen Einfluss auf das Gehalt hat nicht zuletzt die Qualifikation. So kamen Vollzeitkräfte ohne Berufsabschluss im Bundesschnitt nur auf einen mittleren Verdienst von 2 425 Euro – mit anerkanntem Abschluss waren es 3 000 Euro, mit akademischem Abschluss sogar 5 000 Euro.

Die Verdiensthöhe zählt aber auch nicht allein, wenn es ums Meistern des täglichen Lebens geht. Nicht nur in Hochlohnstädten wie München fällt es teils sogar Gutverdienern schwer, hohe Mieten zu zahlen.

von Sascha Meyer und Michael Agricola