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Marburg Landestheater positioniert sich gegen Rechts
Marburg Landestheater positioniert sich gegen Rechts
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18:47 28.04.2017
 Simon Meienreis (Dramaturg am Landestheater; von links), der Poetry-Slammer Temye Tesfu, die Marburger Professorin Ursula Birsl und Andreas Goerke vom Verein „Fulda stellt sich quer“ diskutierten über die rechte Szene in Deutschland. Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Die Diskussion war der Abschluss des „Braunen Tags“ am Hessischen Landestheater, mit dem das Marburger Theater sich gemeinsam mit der Antifaschistischen Bildungsinitiative Marburg eindeutig gegen rechtes und populistisches Gedankengut positionierte.

Die Veranstaltungen zuvor hatten bereits ein breites Feld abgedeckt: Zwei sehr gut besuchte Aufführungen von Dirk Lauckes „Furcht und Ekel“ und Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ sowie vier Workshops hatte das Landestheater organisiert. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Chefdramaturg Franz Burkhard der OP. Insbesondere zwei ausgebuchte Workshops mit 14 bis 17-jährigen Schülern seien sehr gut gelaufen. „Alte Sprüche, wie ,wehret den Anfängen‘ sind in der komplizierten heutigen Welt zu wenig“, so Burkhard. Man müsse lernen, die Aussagen und Methoden der neuen Rechten kritisch zu hinterfragen.

Kritik am unterschwelligen Rassismus

Auch in der Podiumsrunde ging es um ganz verschiedene Aspekte des Themenbereichs – von der Frage, was „rechtes Denken“ eigentlich genau heißt bis hin zu ganz persönlichen Erfahrungen mit rechter Gewalt. Die Politikwissenschaftlerin Ursula Birsl erläuterte, dass das rechte Denken heute nicht mehr den Anschluss an den Nationalsozialismus suche. Was neu dazukomme, sei eine Verknüpfung mit neoliberalen Positionen.

Kritisiert wurde, dass es auch in den Medien einen unterschwelligen Rassismus gebe, indem mit Begriffen wie „Flüchtlingsflut“ gespielt werde und solche Begriffe in unsere Sprache „einsickern“.

Phantonbegriff "political correctness"

Der Poetry-Slammer und Autor Temye Tesfu äußerte zum Stichwort „political correctness“, der Begriff sei „ein Phantom, ein reiner Kampfbegriff, um hegemoniales Denken zu verteidigen“. Andreas Goerke berichtete von seiner Arbeit – und von den massiven Repressalien, die er und seine Familie mit seinem Engagement zu spüren bekamen. In die Öffentlichkeit zu gehen, sei für ihn ein Befreiungsschlag gewesen, erzählte Goerke. Er habe viel Solidarität aus ganz Deutschland erfahren.

Die geplante Video-Zuschaltung von Autor Dirk Laucke klappte nicht, weil der dank eines verpassten Zugs noch unterwegs war. Im Anschluss an die Diskussion fand zudem ein gut besuchtes Konzert der Berliner Band „Vögel die Erde essen“ statt.

von Nadja Schwarzwäller

und Uwe Badouin

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