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Landestheater erobert Gastspielorte zurück

Mehr geht nicht mehr Landestheater erobert Gastspielorte zurück

Einmal quer durch Deutschland und in die Schweiz bitte: Das Hessische Landestheater ist wieder viel unterwegs. Das Team erobert die Gastspielorte zurück und gewinnt neue dazu.

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Marburger Gastspielrenner: „Don Juan“ (oben), „Der Revisor“ (links) und „Der gute Mensch von Sezuan“.Fotos: Ramon Haindls

Marburg. Nicht nur in Marburg ist das neue Team, des Hessischen Landestheaters um Intendant Matthias Faltz inzwischen angekommen. Auch außerhalb wird die Arbeit der Marburger Theatermacher immer positiver wahrgenommen. Die Produktionen des Theaters kommen inzwischen so gut an, dass die stellvertretende Intendantin und Marketingchefin Dr. Christine Tretow immer häufiger sagen muss. „Rien ne va plus - nichts geht mehr.“

Waren es in der ersten Spielzeit, die mit einer Flut von Premieren in erster Linie dem Kennenlernen der Spielstätten, der Stadt, der Befindlichkeiten des Publikums und dem Aufbau des Repertoires galt, nur 12 Gastspiele, so stieg die Zahl der von Veranstaltern bundesweit und im nahen Ausland gebuchten Gastspiele in der laufenden Spielzeit 2011/12 fast explosionsartig auf 36. Für die kommende Spielzeit sind schon jetzt 39 fest gebucht.

Dazu gehört beispielsweise der Vorjahres-Open-Air-Hit „Don Juan“, mit dem das Landestheater am 25., 26. und 27. Juni die Burgfestspiele in Dreieichenhain eröffnet. In dem 800 Plätze großen Freilichttheater freut man sich auf „Phantasie und Qualität“, wie es auf der Homepage des Festivals steht. Die Marburger Inszenierung der Moliere-Komödie „Don Juan“ soll der „Muntermacher zum Auftakt“ der Festspiele werden. Mit dabei ist übrigens auch wieder Marburgs OB Egon Vaupel, der sich dem Vernehmen nach keinesfalls durch seinen Dreieicher Kollegen ersetzen lassen wollte.

Diese Buchung ist für das Marburger Theater ein schöner Erfolg - aber auch schön aufwändig. Mitten im Marburger Theatersommer bricht ein gut 60-köpfiger Tross Richtung Süden auf. Zudem muss Faltz die Inszenierung komplett überarbeiten und den Gegebenheiten vor Ort anpassen.

Die Renner der Saison 2011/12 bei Gastspielbuchungen waren Stephan Suschkes Brecht-Inszenierung „Der gute Mensch von Sezuan“, Nikolai Gogols „Der Revisor“, den Intendant Faltz als schrille Groteske auf die Bühne brachte, und das Weihnachtsstück „Emil und die Detektive“.

Mt dem „Revisor“ machte das Theater in der Schweiz Furore: Die Komödie wurde gleich mehrfach für Winterthur gebucht, dort von einem Veranstalter in Langenthal gesehen und ebenfalls eingekauft.

In Winterthur sind sie so begeistert vom Landestheater, dass sie blind auch gleich Brechts „Dreigroschenoper“ eingekauft haben, mit der das Landestheater die kommende Spielzeit eröffnet: für fünf Abende rund um Silvester.„Die Dreigroschenoper“ ist schon jetzt der Renner der kommenden Spielzeit: Sie wurde nach Auskunft von Christiane Tretow bereits 13-mal gebucht. Das kommende Weihnachtsstück „Des Kaisers neue Kleider“ wurde fünfmal verkauft, weitere Anfragen liegen vor. „Eigentlich müsste ich absagen“, erklärt Tretow, obwohl die Gastspiele Geld in die notorisch klamme Theaterkasse bringen.

Das liegt nicht am Ensemble, obwohl auch auf die Schauspiele so manches „Hard-Core-Gastspiel“ wartet: frühmorgens in den Bus, tagsüber Proben vor Ort und nachts nach Hause. „Das gehört bei einem Landestheater einfach dazu, das wird erwartet“, sagt Tretow. Zudem sind Gastspiele in hessischen Städten ohne Theater Aufgabe des Landestheaters. Gespielt wird in Frankenberg, in Fulda oder Homberg/Efze.

Knackpunkt ist das viel zu kleine Technik-Team: Nur vier Bühnentechniker beschäftigt das Landestheater. Viel zu wenige. !Normal sind mindestens acht bis zehn“, sagt Tretow. Hinzu kommen in Marburg zwei Beleuchtungstechniker und zwei Tontechniker. Requisite, Ankleide, Maske und Regieassistenten müssen auch mit auf Gastspieltour. Weil mit Vorliebe große Produktionen gebucht werden, ist das Stammhaus dann oft fast verwaist, weiß Tretow. Und das darf keinesfalls passieren.

Mittlerweile haben sich bei den Technikern so viele Überstunden angehäuft, dass das Landestheater eine spielfreie Woche ins Auge fasst, damit Stunden abgebaut werden können. Einzige Alternative: mehr Techniker. Doch die kosten Geld. Ein Teufelskreis.

von Uwe Badouin

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