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Marburg Ein Abschied mit 13 Premieren
Marburg Ein Abschied mit 13 Premieren
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19:49 24.04.2017
Intendant Matthias Faltz (Mitte) stellte mit seinem Team am Montag das Programm ihrer letzten Spielzeit vor. Mit auf dem Foto sind der Theaterreferent des Landes Hessen, Jan-Sebastian Kittel (3. von links) und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

Der Abschied von Matthias Faltz vom Hessischen Landestheater rückt unerbittlich näher. Gut gelaunt stellte der Intendant am Montag das Programm für die Spielzeit 2017/18 vor, seine achte und zugleich letzte in Marburg. Die Zahl der Premieren wurde im Vergleich zu den Vorjahren reduziert: elf im Abendspielplan, zwei im Jungen Theater. Aber die haben es in sich.

„Monty Python‘s Spamalot“ etwa ist ein ziemlich durchgeknallter Musical-Spaß, der auf dem Film „Die Ritter der ­Kokosnuss“ basiert. Populär geworden am New Yorker Broadway schwappt das Musical inzwischen nach Deutschland. Die Produktion wird eine Herausforderung für das Hessische Landestheater: zehn Darsteller, mindestens zehn Musiker, jede­ Menge Tänzer und Statisterie braucht Faltz für seine Inszenierung, die am 30. September im Erwin-Piscator-Haus Premiere­ hat.

Außerdem bringt der Intendant als Regisseur gemeinsam mit den „Revolutionsbeauftragten“ des Landestheaters die Uraufführung „50 Jahre 68 – Die Revue“ auf die Bühne des ­Erwin-Piscator-Hauses. Premiere des Stückes, für das Chefdramaturg Franz Burkhard unter anderem bei Marburger Alt-68ern recherchierte, ist am 24. Februar 2018. Und als krönenden Abschluss seiner Marburger Zeit lässt Faltz ab 25. Mai 2018 „Robin Hood“ beim Open-Air-Spektakel mit Pfeil, Bogen und Schwert auf dem Marktplatz für Gerechtigkeit kämpfen.

„Warten auf die Geschichte“­ lautet das Motto seiner letzten Spielzeit. Und dies ist mehrdeutig zu verstehen. Einerseits erzählt das Theater Geschichten, andererseits will es der Geschichte nicht hinterherhinken: „Wir glauben, dass wir in einer Zeit leben, in der Geschichte neu geschrieben oder gestaltet wird“, sagte Faltz mit Blick auf eine Epoche, in der „auch die ­liberale Gesellschaft als Modell grundsätzlich infrage gestellt“ wird, wie er im aufwändig gestalteten Spielzeitheft schreibt. Wieder stellt er die Frage: Kann das Theater die Welt retten?

Ein „Weltverbesserer“ und ein berühmter Zauberer

Vor diesem Hintergrund ist seine letzte Spielzeit am Landestheater zu sehen. Gleich im Eröffnungsstück, der Uraufführung von „Libussa / Riot don‘t diet“ (2. September, Black Box) nach Grillparzers Traum von der Idealgesellschaft geht es um die Frau im Kapitalismus.

In „Der Weltverbesserer“ (9. September, Bühne) attackiert Thomas Bernhards Haustyrann in einem rasanten Monolog gleich die ganze Welt. Und wie der Österreicher Bernhard wollen auch die Marburger Theatermacher die Welt ein wenig besser machen. Etwa mit Shakespeares Klassiker „Julius Caesar“. Für Faltz und sein Team ist die Tragödie angesichts von Populisten wie Trump, Erdogan und Putin „erschreckend aktuell“.

Auch Heiner Müllers „Der ­Auftrag“ (4. November, Bühne) ist ein politisches Stück – „eine­ Parabel auf eine verloren gegangenen Revolution“, in der ­Müller 1979 den gescheiterten Versuch dreier Abgesandter der Französischen Revolution 
schildert, auf Jamaika einen Sklavenaufstand zu initiieren und auf diese Weise die Revolution in die Karibik zu exportieren.

„Der Prozess“ (8. Dezember, Bühne) nach Franz Kafkas wohl berühmtesten Roman passt in diese Reihe: Ein Bankangestellter wird verhaftet. Warum? Das erfährt er nie.

Michail Bulgakow ist hierzulande wenig bekannt. Das Landestheater nimmt „Das hündische Herz“ (12. Januar 2018, Black Box) in den Spielplan, eine bissige und absurd komische Satire auf die russische Revolution und deren Traum vom „neuen Menschen“.

In „Die Gerechten“ (27. Januar, Bühne) machte Albert Camus einen Terroranschlag 1905 auf den Onkel des russischen Zaren zum Thema, um nach Moral, Recht und Unrecht zu fragen.

Und auch in Maxim Gorkis Drama „Kinder der Sonne“, das er 1905 im Gefängnis verfasste, geht es um eine zerfallende Gesellschaft, um gesellschaftlichen Wandel – aber mit Liebe und Menschlichkeit.

Als Familienstück zur Weihnachtszeit hat sich das Landestheater einen großen Klassiker der amerikanischen Literatur vorgenommen: „Der Zauberer von Oz“, vielfach verfilmt, hat am 25. November im Erwin-Piscator-Haus Premiere. An Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich die Stückentwicklung „Das Ende der ­Zukunft, wie ich sie kannte“ (11. März 2018, Black Box“).

Hinzu kommt ein enorm großes Repertoire: Unter anderem werden Brechts „Arturo Ui“, Dirk Lauckes „Furcht und Ekel“, Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“, die permanent ausverkauft ist, und der Publikumshit „Cinderella“ mit in die kommende Spielzeit übernommen.

von Uwe Badouin

 Premieren 2017/18

 Abendspielplan

  • Libussa / Riot don‘t diet (Uraufführung): nach Motiven von Franz Grillparzer – Premiere: 2. September
  • Der Weltverbesserer: von Thomas Bernhard – Premiere: 9. September
  • Monty Python‘s Spamalot: Buch und Liedtexte von Eric Idle, Musik von John du Prez und Eric Idle – Premiere: 30. September
  • Julius Caesar: von William Shakespeare – Premiere: 21. Oktober
  • Der Auftrag: von Heiner Müller – Premiere: 4. November
  • Der Prozess: nach dem ­Roman von Franz Kafka – ­Premiere: 8. Dezember
  • Das hündische Herz: nach der Erzählung von Michail Bulgakow – Premiere: 12. Januar
  • Die Gerechten: von Albert Camus – Premiere: 27. Januar 2018
  • 50 Jahre 68 – Die Revue ­(Uraufführung): von den ­Revolutionsbeauftragten des Hessischen Landestheaters, unter anderen Texte und Musik von Peter Licht – Premiere: 24. Februar
  • Kinder der Sonne: von ­
Maxim Gorki – Premiere: 29. März 2018
  • Robin Hood – Ein Fest für die Gerechtigkeit: Open-Air-Spektakel, Marburger Theatersommer – Premiere: 25. Mai

Junges Theater

  • Der Zauberer von OZ / 5+: nach dem Kinderbuch von L. Frank Baum. Das Familienstück zu Weihnachten – Premiere: 25. November 2017
  • Das Ende der Zukunft, wie ich sie kannte / 14+: Stückentwicklung von Annette Müller – Premiere: 11. März 2018