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Marburg „Robin Hood“ auf der Lahn
Marburg „Robin Hood“ auf der Lahn
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19:00 08.03.2018
Ein Blick aus der Mensa auf die Lahnterrassen: Zwischen den beiden Fußgängerbrücken soll „Robin Hood“ auf einer schwimmenden Bühne gespielt werden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Das Freilichtstück „Robin Hood – Ein Fest für die Gerechtigkeit“ soll das große Finale für den Intendanten Matthias Faltz werden, der Marburg im Sommer nach acht Jahren verlassen wird. Gespielt werden soll das Familienstück auf einer etwa 10 mal 15 Meter großen schwimmenden Bühne mitten auf der Lahn. Die Darsteller ­werden vermutlich außerdem Boote benutzen. Ein Steg wird die Bühne vermutlich mit beiden Ufern verbinden. Die Besucher sollen auf den Lahnterrassen sitzen, die aufgrund zahlreicher Beschwerden wegen Vandalismus, Besäufnissen und Belästigungen bei vielen Anwohnern ziemlich umstritten sind.

Theateraufführung soll Lahnterrassen aufwerten

Das Okay für den Standort kam erst dieser Tage von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises, sagte Faltz der OP. Der Intendant weiß um die Problematik an dem Spielort, geht aber davon aus, mit dem großen Open-Air-Spektakel ein ganz anderes Publikum anzulocken und den Standort letztlich mit Kultur, „dem Guten und Schönen“, aufzuwerten.
Eine schwimmende Bühne auf der Lahn ist nicht ganz neu: Bei Marburger Hafenfesten wurde bereits eine solche Bühne sowohl für Konzerte als auch für Feuershows und andere Spektakel auch vom Landestheater genutzt. In einer solchen Größenordnung und für insgesamt 12 Vorstellungen ist sie in Marburg aber neu.

Ensemblemitglieder werden zum letzten Mal gemeinsam aufführen

Noch sind viele Fragen offen. Das Stück sei noch nicht fertig, sagt Faltz. Er bereitet die Robin-Hood-Heldenmythen gerade mit einem kleinen Team des Landestheaters für die Bühne auf. Sicher ist nur: Alle 16 Ensemblemitglieder werden gemeinsam auf der Bühne stehen – ein letztes Mal. Denn mit dem Ende seiner Intendanz werden auch viele Schauspieler das Hessische Landestheater verlassen.
Unklar ist auch, wie viele Plätze das Landestheater pro Vorstellung anbietet. Faltz kalkuliert derzeit mit 450 bis 500 Plätzen, also in etwa so viele wie am Marktplatz. Noch ist auch nicht sicher, wie das Gelände abgesperrt werden kann. Die beiden Fußgängerbrücken an der Lahn und am Cineplex wird Faltz keineswegs sperren können, will er auch nicht. Es ist also auch mit vielen Zaungästen zu rechnen, die von den Brücken einen guten Blick auf das Wasserspektakel haben werden.

Premiere am 1. Juni

Die wegen der Fußball-Weltmeisterschaft auf den 25. Mai terminierte Premiere wird – das ist sicher, um eine Woche auf den 1. Juni verschoben. Grund ist das Ramadanfest mit dem Ramadanzelt auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz am Wochenende um den 25. Mai.
Gespielt wird dann bis zum 16. Juni. „Am 17. Juni ist das erste Spiel von Deutschland bei der WM, dann sind wir durch“, sagt Faltz.

von Uwe Badouin

Brennpunkt Lahnterassen

von Björn Wisker

Verschärfung eines Problempunkts oder Beitrag zu dessen Befriedung? Das Hessische Landestheater will im Frühsommer die Gegend rund um die Lahnterrassen  zur Bühne für kulturelle Aufführungen machen. Im Mai und Juni soll dort die Großveranstaltungsreihe „Robin Hood“ aufgeführt werden, pro Vorstellung rechnen die Veranstalter – wie in den Vorjahren auf dem Marktplatz – mit rund 500 Gästen, zahlender Kundschaft.
Bleibt es auch an den Lahnterrassen bei den Theater-Fans, die in der Oberstadt nur für vereinzelte Lärmbeschwerden sorgten, oder zieht die Veranstaltungsreihe noch mehr Partypublikum zu dem Problempunkt nahe der Erlenring-Mensa?

Die Befürchtung, dass die ohnehin zuletzt laut Polizeilicher Kriminalstatistik rund um den Bereich Marktdreieck gestiegenen Fälle von Gewalt, Drogen und Diebstahl weiter zunehmen und regelmäßige Lärm-, Vandalismus- und Saufgelageprobleme bereits früher als üblich beginnen, haben Bewohner aus Weidenhausen. „Unfassbar, da redet man ewig über Sicherheit und Probleme in der Gegend, und dann wird dafür gesorgt, dass das Gebiet noch attraktiver wird, noch mehr Leute hinkommen“, sagt Jan Klement nach der jüngsten Ortsbeiratssitzung im Stadtteil.

Auch Jens Seipp, Weidenhäuser und CDU-Stadtverordneter ist angesichts der Theaterpläne skeptisch: „Im Kern spricht das Programm eine andere Klientel an, aber es wird über die Zuschauer hinaus nochmal mehr los sein, einfach weil grundsätzlich was los ist, es etwas zu schauen gibt.“ Ortsvorsteher Wolfgang Grundmann (SPD) hofft indes, dass bis Mai seitens der Stadt ein „Sicherheitskonzept vorgelegt wird, das uns einen Schritt nach vorne bringt“.