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Küsse und Tränen: Gefühle im Überfluss

Romantiker-Lesung Küsse und Tränen: Gefühle im Überfluss

„Ein Kunstwerk der Geselligkeit“ hieß das Motto der unterhaltsamen Lesung im Marburger Rathaus am Donnerstagabend.

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Die Marburger Professorin Marita Metz-Becker vom Haus der Romantik (rechts) sprach im Marburger Rathaus mit der hr2-Journalistin Sylvia Schwab. Foto: Bettina Preussner

Marburg. Drei Schauspieler ließen eine ganze Epoche wieder aufleben, Professorin Marita Metz-Becker gab Einblicke in die Zeit und ihre Besonderheiten.

Die Lesung am Donnerstag gehörte zur Reihe „Weltliteratur in Hessen“ und wurde vom Rundfunksender hr2-Kultur veranstaltet und mitgeschnitten.

Um 1805 war Marburg eines der romantischen Zentren in Deutschland.

Dort scharte sich eine Gruppe hochpoetischer junger Menschen um die Zentralfigur des Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny.

Unter ihnen waren die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Clemens und Bettine Brentano, Karoline von Günderode und Sophie La Roche.

Sie alle trafen sich im Forsthaus bei Savigny, wo man nicht nur zusammen lernte und diskutierte, sondern auch lebte und feierte.

Drei Schauspieler ließen in der Lesung am diese längst vergangenen Zeiten wieder lebendig werden. In den Briefen der Frühromantiker wurde viel geliebt und gelacht, geschwärmt und geschmachtet, geküsst und geweint, und das alles mit allergrößter Heftigkeit. Nicht nur Männer und Frauen gestanden sich gegenseitig ihre überschwänglichen Gefühle, sondern auch Männer untereinander. Die echte Männerfreundschaft stand damals hoch im Kurs.

Die starken Empfindungen, welche die jungen Leute damals zu Papier brachten, wirken heute etwas befremdlich. Auch die zahlreichen Zuhörer im Marburger Rathaus waren manchmal amüsiert, lauschten aber die meiste Zeit sehr interessiert.

„Der hohe Ton ist typisch für die damalige Zeit“, erläuterte Metz-Becker. „Es war die Epoche der Empfindsamkeit.“ Der Marburger Kreis um Savigny, in dem sich die jungen Leute im Alter von etwa 18 bis 23 Jahren sammelten, war auch für andere offen.

„Marburg war damals eine kleine Stadt mit nur 6000 Einwohnern“, erläuterte Metz-Becker. „Man kannte sich.“ Es gab in Marburg weitere Lesegesellschaften, Salons und Intellektuellenkreise, in denen man sich traf, um zu diskutieren, auch politische Dinge.

Dabei hatten die selbstbewussten Frauen eine durchaus gleichberechtigte, wenn nicht sogar führende Rolle.

von Bettina Preussner

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