Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Künstler auf der Anklagebank

"Grimminalfall" im Landratsamt Künstler auf der Anklagebank

Mit einer ganz besonderen Vernissage startete eine Schau mit Arbeiten von Künstlern aus der Region: In einer fiktiven Gerichtsverhandlung wurde die Rechtmäßigkeit der Eröffnung geprüft.

Voriger Artikel
Kirmes: Ab Freitag geht's richtig rund
Nächster Artikel
Liebeskranke Männer auf der Suche

„Staatsanwältin“ Kerstin Weiß und der „hohe Richter“ Hans Gottlob Rühle haben sichtlich ihren Spaß bei der Verhandlung.

Marburg. Große weiße Tücher verhüllten am Montagabend die Bilder und Objekte im Foyer des Landratsamtes. Denn noch war unklar: Durften die Werke überhaupt öffentlich gezeigt werden? Oder verstieß die Ausstellung etwa gegen geltendes Recht?

Dies zu klären war der Marburger Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle angereist, rund 200 Gäste verfolgten das Geschehen ebenso gespannt wie amüsiert. Auf der Anklagebank: Sieben Künstlerinnen und Künstler der Marburger Gruppe „Das dritte Auge“. Die „Anklage“: Verstoß gegen das Urheberrecht.

Die fiktive Verhandlung wurde zu einem gelungenen Spaß für die Zuschauer. Mit seinen launigen Bemerkungen unterhielt Hans Gottlob Rühle alle Anwesenden aufs Allerbeste.

„Ruhe, sonst lasse ich den Saal räumen!“ rief er immer wieder und erntete keine Ruhe sondern viel Gelächter. „Staatsanwältin“ Kerstin Weiß tat ihr Bestes, um die Schuld der angeklagten Künstler hervorzuheben. „Verteidiger“ Bernd Wadenpfuhl konterte gekonnt und erreichte schließlich, dass die Unschuld der Angeklagten festgestellt wurde. Grund des Freispruchs: Der Künstler, der angeblich Opfer der Plagiate durch die Gruppe geworden war, ist nur eine Figur aus einem Roman von Siri Hustvedt.

Nachdem die „Unschuld“ der angeklagten Künstlergruppe festgestellt worden war, konnte man nun zur Tat schreiten. Der Erste Beigeordnete Dr. Karsten McGovern eröffnete die Ausstellung und enthüllte zusammen mit der Künstlerin Gisela Weiß die ersten Bilder.

Die Schau im Landratsamt trägt den Titel „Grimminalfall Hänsel und Gretel, Hommage an Wilhelm Wechsler“. Wilhelm Wechsler ist die Künstlerfigur aus dem Roman.

Die Ausstellung zeigt neun Objekte, die von den sieben Künstlerinnen und Künstlern einzeln oder gemeinsam gestaltet wurden. Zu sehen sind Gemälde, Kollagen, Installationen und Skulpturen in den verschiedensten Techniken. Alle beziehen sich thematisch auf „Hänsel und Gretel, eines der bekanntesten und beliebtesten Märchen der Brüder Grimm.

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind Bernd Brust, Ursula Frohwein-Charissé, Hilde Genz, Miltraud Menzel-Kräling, Michael Niemeyer-Milde, Gisela Weiß, Elke Willmund.

Die inszenierte Gerichtsverhandlung verstand sich als Kunstprojekt und war ein Beitrag zum Jubiläums-Jahr „200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm“.

Zu sehen ist die Ausstellung im Foyer des Landratsamts bis zum 1. November; geöffnet Montag bis Donnerstag 7 bis 16 Uhr, Freitag 7 bis 14 Uhr.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg