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Polizei: Mehr Angriffe in der Innenstadt

Kriminalstatistik Polizei: Mehr Angriffe in der Innenstadt

Die Zahl der Straftaten in Marburg ist im dritten Jahr in Folge gestiegen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei rund 100 Fälle mehr als in 2016. Das geht aus der Kriminalstatistik (PKS) 2017 hervor.

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Den mit Abstand größten Anteil an der Kriminalität in Marburg-Mitte machen Ladendiebstähle aus. Aber auch Körperverletzungen haben laut Polizei rund um den Erlenring, wie in der ganzen Universitätsstadt zugenommen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Rund die Hälfte aller Straftaten im Landkreis Marburg-Biedenkopf sind demnach in der Universitätsstadt begangen worden – insgesamt 5271, im Jahr 2016 waren es 5175 Fälle. Das markiert den höchsten Wert seit fünf Jahren, ist die zweitgrößte Straftaten-Summe im laufenden Jahrzehnt.

Den größten Anteil machen Körperverletzungen aus, von denen es im Erhebungszeitraum rund 1200 gegeben hat und die laut Polizei fast alle aufgeklärt werden konnten. Hunderte Drogendelikte, Ladendiebstähle und Sachbeschädigungen sind weitere der registrierten Haupt-Straftatbestände in Marburg.

Einen Anstieg hat es nicht nur bei Körperverletzungen, zwischen deren Schweregrad in der Statistik nicht unterschieden wird, gegeben. Auch sind in der Universitätsstadt in 2017 mehr Raubdelikte angezeigt worden: 55 statt wie im vorherigen Berichtszeitraum 44.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat sich laut PKS im Vergleich zu 2016 auf 60 Wohnungseinbrüche halbiert. In dieser Zahl seien gescheiterte Versuche inbegriffen. Die Aufklärungsquote, also der Anteil der durch die Marburger Ermittler gelösten Fälle liegt bei  61,7 Prozent, was dem höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre entspricht.

Drogenproblematik hat zugenommen

Im Mittelpunkt der Polizeieinsätze steht der Bereich rund um Erlenring, Lahnterrassen und Pilgrimstein. Erstmals seit 2012 listet die Polizei das „Marktdreieck“ in einem Sonder-Bericht auf. Resultat: Die Vorfälle in dem Bereich sind in die Höhe geschossen, von 317 im Jahr 2013 auf zuletzt 511 Straftaten – allerdings machen Diebstähle den mit Abstand größten Anteil aus. Auffällig: In 2016 und 2017 ist die Zahl der Körperverletzungen (69 beziehungsweise 60) in der Gegend beinahe doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Die PKS beinhaltet zudem die Zahl der Raub-, Drogen- und Sexualdelikte. Während sexuelle Übergriffe demnach sowohl im vergangenen wie auch in den Vorjahren maximal einmal jährlich vorkamen, hat die Drogenproblematik, das Dealen und Konsumieren in der Öffentlichkeit, zugenommen. Mehr als zwei Dutzend Fälle sind jeweils in den vergangenen zwei Jahren polizeibekannt geworden. Die Anzahl der Raube bewegte sich in den vergangenen Jahren mit rund einem Dutzend pro Jahr auf gleichbleibendem Niveau, lag 2017 bei sechs Fällen (2016 waren es drei).

Angezeigt wurden zudem elf Beleidigungen – ein weiterer jener Tatbestände, die nach Einschätzung der Polizei „immer wieder erheblichen Einfluss auf das ­Sicherheitsempfinden haben“. Saufgelage und Prügeleien­ an den Lahnterrassen und vor der Erlen­ring-Mensa, eine Massenschlägerei während der Innenstadtkirmes, wiederholte Berichte­ über Rauschgift- und Diebstahlproblematiken, auch Party- und Lärmklagen im Weidenhäuser Northampton Park: Seit Monaten schwelt in der Stadt eine ­Sicherheitsdebatte, vor allem wegen solcher Straftaten und Probleme in der Innenstadt.

Zahl der Körperverletzungen in "Marktdreieck" verdreifacht

Wie die PKS nun belegt, ist eine Verschärfung der Probleme in Marburg-Mitte tatsächlich bereits früher, etwa zwischen 2015 und 2016 eingetreten, nach mehreren Jahren relativer Ruhe im öffentlichen Raum wieder aufgeflammt. Brisant: Während die PKS 2012 noch 17 Körperverletzungen für den Bereich Marktdreieck auswies, sind es zuletzt dreimal so viele gewesen. Grundsätzlich steigen die kriminellen Vorfälle­ seit 2010, vor allem ­wegen ­Ladendiebstählen, kontinuierlich an.

Es ist ein kritischer Zustand, auf den Anwohner bereits seit langem hinweisen und den auch Polizisten in informellen­ Gesprächen immer wieder anmahnen. Bodo Koch, Leiter der Marburger Polizeidirektion­ sagt im Nachgang der PKS-Veröffentlichung: „Marktdreieck und Hauptbahnhof bleiben weiterhin im Fokus der Polizei. Wir konzentrieren uns einerseits auf die Präsenz im öffentlichen Raum und andererseits auf die konsequente Verfolgung von Straftaten und Ordnungsverstößen. Wir nehmen die Ängste­ und das Unbehagen der Bevölkerung ernst und arbeiten weiter eng mit unseren Partnern der Stadt zusammen. Marburg ist und bleibt ein sicherer Ort.“

von Björn Wisker

Hintergrund
Mehrere Straftaten rund um den Erlenring und ein damit verbundenes zunehmendes Gefühl von Unsicherheit der Marburger haben unter anderem zu einer Debatte über die mögliche Installation von Videoüberwachungs-Kameras an Problempunkten wie den Lahnterrassen geführt. Das stößt in der Kommunalpolitik­ weitgehend auf Ablehnung. Stattdessen verfolgten die ­Behörden zuletzt den Ansatz einer Wiederbelebung des ­Sozialpädagogik-Konzepts wie vor rund zehn Jahren, als das Marktdreieck schon mal Marburgs Problempunkt Nummer eins war. Dazu solle es vorbereitend und begleitend eine sozialpsychologische Studie geben, für deren Umsetzung sich zuletzt kein Forscher fand.
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