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Krimiautor verwirrt seine Zuhörer

Breidenbach Krimiautor verwirrt seine Zuhörer

Vor annähernd 90 gebannt lauschenden Zuhörern präsentierte der Berliner Autor Tom Wolf seinen neuen Roman „Kristallklar“ zum Krimifestival im Hinterländer Brauhaus in Wolzhausen.

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Tom Wolf las zum Krimifestival im Hinterländer Brauhaus in Breidenbach-Wolzhausen.

Quelle: Martina Westermann

Breidenbach. In der ihm eigenen leicht antiquierten, hoch komplexen und vielschichtigen Sprache entführte Wolf die Krimifans an den Hof von Friedrich dem Großen. In seinem mittlerweile zehnten „Preußenkrimi“ lässt der Autor seinen inzwischen 84-jährigen Romanhelden, den Meisterkoch und Gelegenheitsdetektiv Honoré Langustier, ein weiteres – und wohl auch letztes Mal – in den Dienst des Alten Fritz treten.

Dabei muss Langustier nicht nur den sterbenskranken König bekochen, sondern auch einen mysteriösen Doppelmord aufklären, in den eine amerikanische Gesandtschaft und der königliche Bruder selbst verwickelt sind. Zur Seite stehen ihm dabei der Graf von Mirabeau, der eigentlich in ganz anderer, geheimer Mission tätig ist und Langustiers Ur-Enkelin Gerardine.

Gekonnt vermischt der 1964 in Bad Homburg geborene Schriftsteller dabei Fiktion mit historischen Fakten und würzt das Ganze mit Hinweisen auf die Haute Cuisine des 18. Jahrhunderts, so wie sie auch am preußischen Hof geschätzt wurde. Neben einem grundlegenden Wissen über den Preußenstaat war bei den Zuhörern vor allem Konzentration von Nöten, um den virtuosen Sprachspielereien des promovierten Literaturwissenschaftlers folgen zu können.

Eine wahre Herausforderung für die Krimifans wurde dann auch der zweite Teil der einstündigen Lesung. Nachdem Wolf seine Zuhörer gerade erst mit der Einleitung des Falls – bis hin zur Autopsie der Leichen – bekannt gemacht hatte, sprang er von dort direkt an das Ende des Romans und verwirrte sein Publikum mit unbekannten, bis dahin nicht eingeführten Charakteren.

Die herausstechendste Persönlichkeit der Geschichte war aber jedem Anwesenden bekannt: Nicht Langustier, sondern Friedrich der Große konnte am meisten überzeugen. Wolf gelang es den großen Herrscher, trotz seines körperlichen Verfalls, als einen Quell von Verve und Witz erscheinen zu lassen. Am Ende bekam der Alte Fritz, was er wollte: Kulinarische und kriminalistische Erfüllung.

Den Zuhörern, denen zur literarischen Erfüllung der komplette Mittelteil der Geschichte fehlte, blieb am Ende der Lesung zumindest die Möglichkeit zum Kauf den Buches: Die Originalausgabe ist 2009 unter dem Titel „Kristallklar: Mord á la carte“ im be.bra Verlag erschienen.

von Martina Westermann

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