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Auf Kosten der Qualität?

Gebührenfreie Krippenbetreuung Auf Kosten der Qualität?

Die Einführung einer Kostenlos-Kinderbetreuung, die den Krippenbereich einschließt, ist an errechneten Zusatzausgaben in Höhe von rund einer Million Euro gescheitert.

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Für die Betreuung Unter-Dreijähriger müssen Eltern weiter ­Gebühren zahlen, für Kindergartenkinder nicht mehr. Archivfoto

Quelle: Archiv

Marburg. Im Gegensatz zu den Kosten für die ab August kommenden Kostenlos-Kindergärten hätte ein Wegfall der Gebühren im U3-Bereich komplett über den städtischen Haushalt aufgefangen werden müssen. Das teilte Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) im Jugendhilfeausschuss mit. Während für Kinder ab drei Jahren die Höhe der Zuschüsse des Landes Hessen für eine komplette Gebührenfreistellung ausreicht, hätte die Kommune im Bereich der Unter-Dreijährigen für ein entsprechendes Gratis-Angebot „massiv drauflegen müssen“, wie Dinnebier sagt.

Nach abschließender Verrechnung der Landesmittel sei für den U3-Bereich nur eine Gebührensenkung möglich gewesen. Ihr politisches Ziel bleibe aber eine Kostenlos-Kinderbetreuung von Krippe über Kindergarten bis in die Schule. „Die Realitäten sollte man aber nicht verkennen. Und die Realität ist, dass das Land dafür nicht genug Geld gibt und das andere Kommunen schon jetzt beim Thema Kosten für Kinderbetreuung schlingern, einige massiv die Gebühren erhöhen“, sagt Dinnebier.

"Kosten und Qualität nicht gegeneinander ausspielen"

Pädagogen fürchten indes langfristig um die Qualität der Kinderbetreuung in der Stadt. „Die Gefahr, dass Kosten und Qualität irgendwann gegeneinander ausgespielt werden, ist real. Dabei müssten wir längst mehr über Inhalte, Herausforderungen, Qualitätsstandards und Gesamtkonzepte in der Betreuung sprechen“, sagt Tina Hey vom Arbeitskreis Soziale Brennpunkte (AKSB). Für sie ist bei der Gebührenfrage „die Kehrtwende der Politik nicht nachvollziehbar“, den gesetzten Kurs hält sie trotz aller grundsätz­licher Zustimmung und dem Jubel vieler Eltern für „riskant“.

Eine Einschätzung, die Kommunalpolitiker von Linken und Grünen teilen: Die Stadträtin solle den Stadtverordneten vor der Ende Mai fälligen Parlamentsentscheidung die Berechnungen sowie Gratis­betreuungsmodelle anderer Städte – mit und ohne U3-Freistellung – offenlegen.
Das Thema wird am Mittwoch, 16. Mai, vom Sozialausschuss im Sitzungssaal Hohe Kante in der Oberstadt (unterhalb Ex-Sparkasse) behandelt.

von Björn Wisker

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