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Marburg Kontroverse um geplanten „Allnatalweg“
Marburg Kontroverse um geplanten „Allnatalweg“
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00:18 07.12.2018
Die SPD regt eine Direktverbindung zwischen B 62 und B 255 an, die auch eine Umgehung von Haddamshausen enthält. Quelle: Thorsten Richter / Archivfoto
Marburg

Im auslaufenden ­Regionalplan 2010 sind für Mittelhessen der Bau von sechs Ortsumgehungen – darunter­ Heskem – vorgesehen gewesen. Weiteren 42 Orts- oder Teilortsumfahrungen wurden in dem vor mehr als neun Jahren erstellten Plan eine mittel- bis langfristige Umsetzung in Aussicht gestellt. Darunter finden sich aus dem Landkreis: Biedenkopf-Eckels­hausen, Biedenkopf-Sack
pfeife, Breidenbach, Sterzhausen, Goßfelden, Gladenbach und Lohra-Damm.

Grundsätzliche Voraussetzung: Bei der Planung von Ortsumfahrungen soll „der verlagerungsfähige Durchgangsverkehr über 50 Prozent betragen“, wie es im Regionalplan heißt. Die Marburger SPD-Politiker beziehen sich bei ihrem Vorstoß darauf, dass es mit dem bevorstehenden Bewohnerwachstum – bis zum Jahr 2030 werden laut Regierungspräsidium Gießen 3000 mehr Menschen in Marburg wohnen – und perspektivischer Gewerbegebiets-Expansion rund um Görzhausen speziell im Westen der Universitätsstadt auch zu deutlich mehr Verkehr komme.

„Mit kleinen Eingriffen könnte so die maximale Problemlösung für die ganze Stadt ­gelingen“, sagte Matthias Simon, SPD-Fraktionschef bei der Vorstellung des Vorhabens. Wenn es Wohnungsbau und Wirtschaftsstandort-Wachstum gebe, „darf man bei der Verkehrsfrage nicht stillstehen“, sagte Steffen Rink, SPD-Stadtverordneter.

Ortsumfahrung soll Orte entlasten

Durch einen faktischen „Marburger Ring“ könnten die aktuell schon belasteten Gegenden, wie die Marbach und Ockershausen sowie Ketzerbach und Rotenberg, entlastet und eine direkte Nord-Süd-Verbindung zwischen B 62 und Stadtautobahn geschaffen werden, bei gleichzeitiger Verkehrsberuhigung der Ortskerne mehrerer Außenstadtteile.

Mit Ortsumfahrungen, so schreibt es der Regionalplan vor, solle eine „deutliche Verbesserung der Lebensverhältnisse in den betroffenen Ortslagen erreicht werden“. Und mit der angedachten neuen Verbindung könne man „den bereits durch die Außenstadtteile fließenden Verkehr wieder herauszunehmen“, sagte Dr. Fabio Longo, verkehrspolitischer Sprecher der SPD bei der Vorhabenvorstellung – zumal es vor Ort seit Jahren Beschwerden über Mehrverkehr gebe.

In Elnhausen formiert sich Bürgerinitiative

Die angeregte Doppel-Ortsumgehung – die auch Bögen um die Ortskerne von Hermers- und Haddamshausen schlagen würde – wäre rund sechs Kilometer lang und würde abseits der weiter westlich liegenden Fauna-Flora-Habitat-Gebiete liegen. Die SPD-Kommunalpolitiker wollen, ausdrücklich gestützt von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU), für die auf „Allnatalweg“ getaufte Strecke eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Ziel: Aufnahme des „Allnatalwegs“ in den neuen Regionalplan Mittelhessen, für den die Vorschlagssammlung in nächster Zeit beginnt. 

In Elnhausen, dem Wohnort von SPD-Promi Steffen Rink, hat sich bereits eine 90-köpfige Bürgerinitiative gegen den Vorstoß formiert. Auch die meisten Ortsvorsteher der Stadtteile sehen eine neue Verbindung skeptisch. Lahntals Bürgermeister Manfred Apell (SPD) hält ihn für „dummes Zeug“.

von Björn Wisker