Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Oh, là là“ – was ist mit den Deutschen?
Marburg „Oh, là là“ – was ist mit den Deutschen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:31 22.02.2018
Die Deutschen lieben Alfons. Vor 27 Jahren hat es ihn aus Paris nach Deutschland verschlagen. Quelle: Beatrix Achinger
Marburg

„Oh, là là – Ich liebe es, wenn ihr so voll seid!“, begrüßte der charmante, deutsch-französische Komiker Alfons am Freitag das Publikum im rappelvollen KFZ. Mit „accent“ machte er die feinen Unterschiede zwischen seiner echten Heimat und seiner Wahlheimat deutlich  – „dem Land der Dichter, Denker, Kleingärtner und Hinterwälder“. Mit einer politischen Bestandsaufnahme und seinen Kurzfilmen, in denen er natürlich mit Trainingsjacke und Puschelmikrofon zu sehen war, hatte Alfons alias Emmanuel Peterfalvi das Publikum von Anfang an auf seiner Seite.

„Mein Deutschland“ heißt sein aktuelles Programm, in dem er seinen Blick auch auf das politische Zeitgeschehen richtet. Dabei gehen dem so sympathisch unbeholfen wirkenden Reporter die Themen nicht aus: „Also Frankreich ist ja schon spannend, aber ihr toppt euch ja!“ Noch keine Regierung? „Oh, là là! Wir würden davon träumen.“

Bruttoinlandsprodukt: "Das macht euch geil, oder?"

Bei diesem Exkurs lernten die Zuhörer, dass „SPD“, die sich gerade „zerfleischt“, eigentlich für „Schlachter-Partei Deutschlands“ steht. Dabei sei Sigmar Gabriel der Chef-Metzger und Martin Schulz das arme Schwein.
VW-Abgas-Skandal und Tierversuche mit Affen? „Leute, ihr habt sie doch nicht mehr alle!“,  lautet seine Reaktion: ‚Das ist doch Tierquälerei!‘, sagten die Franzosen beim Froschschenkelessen.

Die Deutschen hätten aber ihr „Bruttoinlandssozialprodukt“ gesteigert. „Das macht euch geil, oder?“, meint Alfons. Zu den USA hat er auch einen Kommentar aus Sicht der Franzosen: „Die sind komplett ballaballa!“
Die Franzosen seien viel gelassener, was auch die Wahl des Präsidenten Emmanuel Macron zeige: „Der kann nix, aber der hat seine Lehrerin rumgekriegt – den nehmen wir!“ Als Macron mit 15 Jahren seine heutige Ehefrau kennengelernt und sich verliebt habe, habe er kurzerhand die Schule gewechselt. Denn: „Er wollte ja nicht mit seinen zukünftigen Stiefkindern in derselben Klasse sein.“

Frankreich sei das depressivste Volk der Welt. Zumindest was die Statistik zur Einnahme von Antidepressiva anbelangt. Aber hey, die Franzosen hätten tolle Geschäftsideen. Zum Beispiel den „slip français“, eine Unterhose in den Nationalfarben für 40 Euro. Den gebe es in den Größen XS bis Dépardieu. Dumm sei nur, dass irgendwann der Discounter Aldi mit Fünf-Euro-Unterhosen Konkurrenz gemacht habe. Aber Alfons beruhigte sofort: „Deutsche Unterhosen sind wie französische Autos. Sie erfüllen ihren Zweck, aber man hat keine Lust, unter die Haube zu gucken.“

Die Lungenentzündung an der Fußgängerampel

Alfons ist seit dem 3. November vergangenen Jahres übrigens offiziell auch deutscher Staatsbürger. Was ihn bis heute verwirrt, sind etwa Fußgängerampeln und das Warten bei Rot, wenn meilenweit kein Auto komme. Gerade bei Kälte und Regen zeigten die Deutschen ihren Kindern vorbildlich, wie man sich eine Lungenentzündung hole.

Von Alfons erfuhren die Besucher, dass er überhaupt keine Flugangst habe: „Ich bin viel zu oft geflogen als Schüler.“ Als der Pariser vor 27 Jahren nach Deutschland zog, sei es sein Traum gewesen, diese heute berühmten Interviews mit Puschelmikrofon zu machen. Von denen zeigte der Reporter mit „accent“ einige – die Besuche einer Hundeschule, bei einer Schamanin, einer Freiwilligen Feuerwehr, einer Nacktwandergruppe und eines Schützenvereins im Harz dokumentierten – und die Zuschauer bisweilen toben ließen. So funktioniert die deutsch-französische Freundschaft.

von Beatrix Achinger