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Kobold, Derwisch, Energiebündel

Schmitz in der Stadthalle Kobold, Derwisch, Energiebündel

Volles Haus in der Stadthalle: Der Comedian Ralf Schmitz war am Freitagabend zu Gast in Marburg – und eroberte die Herzen der Zuschauer im Sturm.

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Prägnant und intensiv – sehr gelungen!

„Meine Mutter markiert mich auf allen Fotos.“ Comedian Ralf Schmitz beglückte seine Fangemeinde mit Schlagfertigkeit, Witz und Improvisationstalent.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. 1000 Leute in der Stadthalle, kein einziger Platz mehr frei. Murmeln, Husten, Gelächter, Spannung. Wie wird das wohl sein, wenn Ralf Schmitz höchstpersönlich und live auf der Bühne erscheint? Der Comedian, dessen Gesicht fast jeder kennt aus Fernsehsendungen wie „Schillerstraße“ und „Genial daneben“ oder aus dem Kino, wo er in Filmen wie „Sieben Zwerge“ mitgespielt hat.

Dann endlich, Licht aus, Spot an: Ein kleiner, quirliger Kobold springt auf die Bühne, ein quicklebendiges Energiebündel, ein wild gewordener Derwisch – nur bekleidet mit einer geblümten Unterhose. Keine Zeit, sich fertig anzuziehen, beteuert Ralf Schmitz, er rennt und flitzt, hüpft und springt, plappert und schwätzt unaufhörlich und in Lichtgeschwindigkeit, wie aufgezogen. Es dauert eine Weile, bis er T-Shirt, Jeans und Turnschuhe übergestreift hat. Dann breitet er endlich die Arme aus zur Begrüßung – und erntet sofort einen Riesenapplaus.

Foto: Nadine Weigel

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Ralf Schmitz ist ein Phänomen. Ein energiegeladener Alleinunterhalter mit großer Bühnenpräsenz, einer Extraportion Improvisationstalent, mit viel Mutterwitz, Spontaneität und Kreativität. Von Anfang an bezieht er das Publikum in seine Späße ein, durch seine sympathische und unkomplizierte Art bekommt er sofort Kontakt zu den Menschen. In der ersten Reihe erwischt es gleich eine junge Frau, die zu Schmitz auf die Bühne muss. Mit der Zuschauerin spielt er eine improvisierte Liebesszene in einem Café, auf Kommando muss immer wieder das Thema gewechselt werden. Es entspinnt sich ein irre komischer Dialog ohne Sinn und Verstand, hier kann Schmitz sein ganzes Improvisationstalent ausspielen.

Die Zuschauer sind begeistert und lachen Tränen. Ein zweiter Gast wird ebenfalls auf die Bühne zitiert und spielt mit Schmitz Szenen aus einer TV-Verkaufssendung nach. „Schrott Shopping Europe“ heißt die vermeintliche Show, bei der Gegenstände aus dem Publikum zum Verkauf angeboten werden. Es entwickelt sich ein herrlicher Spaß, bei dem Schmitz Schlagfertigkeit und Kreativität unter Beweis stellen kann und die Zuschauer sich königlich amüsieren. Viel Jubel, Gelächter und Applaus gibt es auch für die vielen Szenen, in denen Ralf Schmitz ganz alleine auf der Bühne steht. Der Humor des Comedian ist dabei eher von direkter, bodenständiger Natur.

Vor allem die Widrigkeiten des Alltags und des menschlichen Zusammenlebens nimmt er aufs Korn. Herrlich seine Geschichte aus Kindertagen, als er die kratzigen Strumpfhosen beschreibt, die er immer tragen musste. Das unschöne Beinkleid reichte ihm zwar bis unter die Achseln, klemmte aber dafür umso mehr im Schritt. Oder sein Jammerlied aus dem Wartezimmer eines Arztes. Aus dem Husten, Niesen, Schnauben und Schneuzen der Patienten komponiert der Entertainer eine ganz eigene, witzige Melodie. Für Heiterkeit sorgt auch die witzige Kurzfassung der Zeugungsgeschichte, die Schmitz seiner Nichte erzählt. In eindeutig zweideutigen Werbesports erklärt er ihr das uralte Spiel zwischen Adam und Eva in immer neuen Variationen. Hier kommen seine pantomimischen Fähigkeiten zum Tragen, vor allem seine sprechende Mimik und seine ausdrucksvolle Körpersprache.

von Bettina Preussner

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