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Marburg Schläge auf der Tanzfläche der "CampusBar"
Marburg Schläge auf der Tanzfläche der "CampusBar"
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00:17 26.12.2018
Symbolfoto zu Gerichtsverhandlung in Marburg. Quelle: Volker Hartmann
Marburg

Bereits im Vorfeld hatte sich einiges getan. So hatte der Hauptbeschuldigte für seinen Faustschlag ins Gesicht des Geschädigten und den Verletzungsfolgen ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro angeboten. Der Geschädigte trat, anwaltlich vertreten, als Nebenkläger auf und nahm dieses Angebot an. So sah er auch von weitergehenden Forderungen ab, da er zivilgerichtlich wohl kein besseres Ergebnis erzielen konnte.

Der Vorfall hatte sich am 4. Februar 2018 in der „CampusBar“ in der Marburger Innenstadt ereignet, die freitags und samstags offiziell bis 4 Uhr früh geöffnet hat und damit viele Nachtschwärmer anzieht. Der Hauptbeschuldigte war nach einem erfolgreichen Fußballspiel mit seinen Mitspielern feiern. Er hatte schon einiges an Schnaps und Bier konsumiert, als es zum ersten Vorfall auf der voll besetzten Tanzfläche kam, wo er dem Geschädigten ins Gesicht geschlagen haben soll. Daran konnte sich der in Kirchhain lebende Angeklagte, so seine Einlassung, nicht erinnern.

Er gab aber einen zweiten Faustschlag zu, den er nur wenige Minuten später an anderer Stelle des Lokals demselben jungen Mann versetzte, der ­daraufhin bewusstlos zu Boden­ ging. Er trug eine Risswunde an der Oberlippe davon, die genäht werden musste. „Schon merkwürdig, dass man sich an den ersten Schlag nicht erinnern kann, an den zweiten aber sehr wohl“, stellte Jugendrichter Dirk-Uwe Schauß nachdenklich fest.

Täter kommen glimpflich davon

Der zweite Angeklagte, der den Haupttäter zwar vom Fußball kannte, jedoch in anderer Gesellschaft das Lokal besucht hatte, bestritt jegliche Form der Körperverletzung, obwohl ein Zeuge gesehen haben will, wie er und der Haupttäter den ­Geschädigten jeweils einmal geschlagen haben sollen. Der Grund, so die richterliche Nachfrage bei allen Beteiligten: Nichtigkeiten. Die reichten von „Er hat meine Freundin angetanzt“, über „Der hat so provozierende Gesten gemacht“, bis „Der hat so komisch geguckt“.

Da der zweite Angeklagte wegen des einen Schlags auf der voll besetzten Tanzfläche, der ohne Folgen blieb, bisher noch nicht strafrechtlich aufgefallen war, schlug Jugendrichter Schauß vor, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt Winand Koch, nahm dieser das Angebot, dem auch die Staatsanwaltschaft zustimmte, an. Dieser muss dem Geschädigten binnen eines Monats 200 Euro Schmerzensgeld zahlen und bleibt damit ohne Eintrag ins Strafregister.

Aber auch der Haupttäter kam glimpflich davon. Ebenfalls ­ohne Vorstrafen, familiär gut eingebettet, muss er neben dem vereinbarten Schmerzensgeld für seinen „Volltreffer“, wie der Richter es bezeichnete, weitere 800 Euro an den „Weißen Ring“ zahlen, sowie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Was die Krankenkasse in Rechnung stellt, käme dann noch einmal oben drauf.

von Heinz-Dieter Henkel