Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Kluges Lehrstück über furchtlose Frau
Marburg Kluges Lehrstück über furchtlose Frau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:34 08.01.2013
Marburg

Intellektuelle Redlichkeit trotz aller Widerstände, Treue zur eigenen Meinung und Zivilcourage sind vielbeschworene Tugenden, die für die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt (1906 - 1975) zur Richtschnur ihres Handelns wurden. Als die Wissenschaftlerin, die seit 1941 im amerikanischen Exil lebte, 1961 nach Jerusalem reiste, um vom Eichmann-Prozess zu berichten, sah sie sich in der Folge heftigen Anfeindungen ausgesetzt.

Arendt beschrieb den Naziverbrecher und Organisator der Deportationen in die Vernichtungslager in ihren Artikeln für den „New Yorker“ nicht als Inkarnation des Bösen, sondern als geistlosen Durchschnittsmenschen, „Hanswurst“ und tumben Befehlsempfänger. Trotz aller Kritik gerade auch von ihren jüdischen Freunden blieb Arendt ihrem Standpunkt treu und legte drei Jahre später ihre bis heute aktuell gebliebene Studie „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“ vor.

In ihrem konzentrierten, hochkarätig besetzten Drama „Hannah Arendt“ beleuchtet die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta die vier entscheidenden Jahre, in denen die nur in Fachkreisen bekannte Philosophin zu einer öffentlichen Figur wurde.

Dies ist ihr gelungen. In Zusammenarbeit mit ihrer Drehbuchautorin Pamela Katz entwickelt von Trotta ein dramaturgisch geschickt aufgebautes Kammerspiel, das den Zuschauer zum Nachdenken über Fragen von Macht und Moral anregt. Ihr Film ist ein Lehrstück, das nie belehrend wirkt.

Hauptdarstellerin Barbara Sukowa, die seit vielen Jahren für Margarethe von Trotta in Filmen wie „Die bleierne Zeit“ und „Rosa Luxemburg“ vor der Kamera steht, spielt die vielbewunderte historische Figur glaubwürdig und ohne falsche Ehrfurcht. Wir tauchen ein ins Privatleben der kettenrauchenden, humorvollen Denkerin, verfolgen die Diskussionen mit ihrem Ehemann Heinrich Blücher (Axel Milberg) und der stets loyalen Freundin Lotte Köhler (Julia Jentsch).

Bei ihrem langjährigen Kollegen und Freund Hans Jonas (Ulrich Noethen) stößt schon der Plan, vom Eichmann-Prozess zu berichten, auf Unverständnis. Auch ihr väterlicher Freund Kurt Blumenfeld (Michael Degen), der in Israel lebt, wendet sich von Arendt ab und mag ihr selbst auf dem Totenbett nicht verzeihen. In Rückblenden wird außerdem die Liebesgeschichte zwischen der jungen Marburger Studentin Hannah Arendt und dem Philosophen Martin Heidegger (Klaus Pohl), der sich nach 1933 mit den Nazis arrangierte, erzählt.

Eine ebenso engagierte wie kluge Rede vor Studenten bildet den Abschluss des Films. Noch einmal fasst die furchtlose Philosophin ihre Erkenntnisse über die furchtbare Banalität des Bösen zusammen. Die Studenten, die in Scharen in ihre Vorlesungen strömen, spüren genau: Hier spricht eine Frau, die gelernt hat, selbst zu denken und sich von keiner Autorität dieser Welt fürchtet. Ein beeindruckendes Finale.

von Johannes von der Gathen

Zuschauermeinungen:

„Nach ,Hildegard von Bingen‘ wieder eine gelungene Annäherung an eine starke Frau.“Erika Brand (41) aus Marburg

„Mehr als ein Film. Ein Lehrstück. Ein Muss!“Bernhard Conrads (68) aus Marburg

„So eine mutige Frau. So viel zum Nachdenken.“Annette Heberle aus Marburg

„Eine Denkerin brillant in Szene gesetzt. Der Film sollte ,Pflichtlektüre‘ in allen Schulen werden. Die Banalität des Bösen ist wieder tagaktuell.“Dr. Susanne Rück (61) aus Marburg

„Endlich ein Film, der ein ernsthaftes Thema durchgehend in Handlung und Dialogen behandelt und nicht in Liebesszenen und Oberflächlichkeiten abdriftet.“

Mirjam Gzasa-Ajaga aus Marburg

„Der beste und seriös gemachte Film seit Jahren – bin begeistert.“

Sabine Döhmen (49) aus Marburg

„Großartiger Film, phantastische Kamera, Atmosphäre, Dialoge und berührende Szenen.“Sabine Blaha aus Marburg

„Brillante Schauspielerin, wunderbare Regisseurin.“Heike Schepp (53) aus Weimar

„Schwer, nach diesem Film in die Belanglosigkeit unserer unpolitischen Gesellschaft zurückzukehren.“Wolfgang Paul aus Rauschenberg

„Hannah Arendt“ startet am Donnerstag im Filmkunsttheater Kammer am Steinweg.

Was wünscht sich eine Frau für das kommende Jahr, die befürchten muss, dass es vielleicht ihr letztes ist? Die schwer kranke Lehramtsstudentin und Bestseller-Autorin Maria Langstroff ist bescheiden geworden.

29.12.2012

Was haben ein Doktor der Chemie, ein Kaufmann und ein Fernsehtechniker gemeinsam? Eigentlich nichts - es sei denn es brennt in Marburg.

19.12.2012

In einem kleinen Café in Ockershausen wird das Wort "Inklusion" gelebt. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

09.12.2012
Anzeige