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Marburg Kleinkunst aus der Wundertüte
Marburg Kleinkunst aus der Wundertüte
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06:16 07.05.2012
Drei Varieté-Welten: Monsieur Jeton balanciert Tassen auf dem Kopf, Maxim Kriger balanciert auf sehr wackligen Gebilden und Antje Pode jongliert mit ihren Füßen. Quelle: Bettina Preussner
Marburg

„Varieté ist ein bisschen wie eine Wundertüte. Man weiß nie genau, was drin ist“, erklärte Moderator Juno. Und wirklich, Horst Lohr alias Juno zauberte allerlei Überraschendes und Spannendes aus seiner Wundertüte, sehr zur Freude des Publikums. Zunächst verblüffte er die Zuschauer mit seinen eigenen, magischen Zaubertricks. Mit großer Geschicklichkeit ließ er Bälle, Spielkarten und Tücher verschwinden und holte sie an den unmöglichsten Stellen wieder hervor.

Dann kündigte er Antje Pode an, eine hochkarätige Künstlerin, die an der Staatlichen Fachschule für Artistik in Berlin ausgebildet wurde. Diese anmutige Dame schien sich auf einem Bahnsteig zu langweilen, also balancierte sie zum Zeitvertreib mit Koffern und Taschen auf ihren zarten Fußsohlen. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Später schwang sie sich an einem Vertikalseil in luftige Höhen. Zwischen Himmel und Erde schwebend, vollführte sie ihre halsbrecherischen Kunststücke. Man konnte kaum hinschauen, wenn sie sich kopfüber zu Boden stürzte und im letzten Moment mit einem Fuß am Seil abfing. Für ihre artistischen Höchstleistungen bekam sie donnernden Applaus.

Nicht ganz so gut kam der skurrile Peter Weyer beim Publikum an. Zunächst war es recht komisch, wie er lustlos auf die Bühne schlurfte und eine echte Negativ-Show abzog. Bald wurde sein schräger Humor aber etwas zu viel. Seine merkwürdige Mischung aus Jonglage und Clownerie war nicht jedermanns Sache. Als der Künstler später auch noch „Rasierklingen“ verschluckte und das (Theater)blut in Strömen floss, konnten nicht alle darüber lachen.

Viel Zustimmung gab es dagegen für den Zauberer Sebastian Nicolas. Mit Tüchern, Bällen und Karten zeigte er geheimnisvolle Tricks, bewies viel Geschick und Fingerfertigkeit und scheute auch das Spiel mit dem Feuer nicht.

Als Gentleman-Jongleur trat dann der großartige Monsieur Jeton auf. Sein Spezialgebiet ist die klassische Jonglage, die ihre Blütezeit in den goldenen 20er Jahren hatte. Mit Schirm, Charme und Melone kam der Künstler auf die Bühne und ließ alle möglichen Dinge scheinbar mühelos in der Luft kreisen. Besonders bemerkenswert war sein Balanceakt mit Tassen und Tellern, später jonglierte er sogar mit einer schweren Kanonenkugel.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Artisten Maxim Kriger aus Moskau. Dieser muskelbepackte junge Mann präsentierte eine atemberaubende Rola-Rola-Show. Auf einem wackeligen Turm aus Rollen und Brettern zeigte er so waghalsige Kunststücke, dass selbst Moderator Juno die Luft weg blieb.

Für die musikalische Begleitung sorgte die wunderbare Band „Jazzrobots“. Die vier Musiker spielten cool und locker-lässig und sorgten mit ihrer Musik für gute Stimmung im Saal.

Das ZAC-Frühlingsvarieté ist bis zum 13. Mai 2012 zu sehen. Karten gibt es unter www.adticket.de, bei MTM Marburg, Pilgrimstein 26, im Rotkehlchen oder an der Abendkasse.

von Bettina Preussner