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Klassiker soll zum Spektakel werden

Sommer-Theater in Marburg Klassiker soll zum Spektakel werden

Bei der öffentlichen Konzeptionsprobe wurden die Schauspieler am Mittwoch auf Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ eingestimmt. Premiere feiert das Hessische Landestheater am 14. Juni auf dem Marburger Marktplatz.

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Überfüllt war das Sitzungszimmer des Marburger Magistrats am Mittwoch bei der Konzeptionsprobe zum „Kaufmann von Venedig“. das Stück von Shakespeare hat am 14. Juni auf dem Marktplatz Premiere.

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Wie nähert man sich dem „Kaufmann von Venedig“, einem mehr als 400 Jahre alten Klassiker, an? Einem Stück, das man als düstere Tragödie - wie zuletzt in Frankfurt - oder als entspannte Komödie inszenieren kann. Regisseurin Ursula Maria Berzborn hat sich eindeutig für die Komödie und Spektakel mit Elementen des Straßentheaters entschieden.

Dies machte die Berlinerin am Mittwoch bei der Konzeptionsprobe im überfüllten Magistratssitzungszimmer des Marburger Rathauses deutlich. Überfüllt war der Saal, weil neben dem ohnehin verhältnismäßig großen Open-Air-Team des Landestheaters noch viele Studierende eines Uni-Seminars gekommen waren, die die Produktion begleiten werden.

Die Konzeptionsprobe ist im Grunde der Startschuss für den Endspurt in das Sommer-Open-Air-Spektakel des Hessischen Landestheaters auf dem Marburger Marktplatz. Es ist eine der wichtigsten Produktionen des Landestheaters - was den Publikumszuspruch und damit auch die Außenwirkung betrifft vermutlich die wichtigste. Entsprechend groß sind der Aufwand, der betrieben wird, und der Druck, der auf allen Beteiligten lastet.

Ursula Maria Berzborn und ihr Team vom Berliner Theater Grotest Maru sind im Straßentheater zu Hause und international tätig. In der Regel erarbeiten sie ihre Stücke selbst, der Schwerpunkt liegt auf Bilder-, Objekt- und Körpertheater.

Mit dem „Kaufmann von Venedig“ haben sie einen fertigen Text, noch dazu einen sehr alten von dem wohl bedeutendsten Dramatiker der Weltliteratur - William Shakespeare (1564 - 1616). Gleichwohl setzt das Team auf Mittel des Straßentheaters: Die Zuschauer werden wie in einer Arena um die Spielfläche auf dem Marktplatz herum gruppiert. Beherrschendes Thema ist Venedig. Jeder Zuschauer erhält eine Maske. Das Publikum soll so zum Akteur des Spektakels, zum Volk Venedigs werden. 6.000 Masken wurden bereits in Auftrag gegeben.

Marburger Marktplatz wird in Venedig verwandelt

Venedig wird noch in anderer Form optisch aufgegriffen: Bühnenbildner Torsten Holger Schlopsnies hat bei seinen Marburger Kollegen Gondeln in Auftrag gegeben. Derzeit wird auch ein VW-Pritschenbus umgebaut: Er wird zur mobilen Heimat der umschwärmten Erbin Portia.

Shakespeare erzählt im um 1.600 uraufgeführten „Kaufmann von Venedig“ den Konflikt zwischen dem jüdischen Geldverleiher Shylock und dem Kaufmann Antonio. Shylock hat Antonio Geld geliehen. Sollte Antonio das Geld nicht rechtzeitig zurückzahlen können, darf Shylock ein Pfund Fleisch aus dessen Körper herausschneiden.

Den Konflikt zwischen Judentum und Christentum, der bei Shakespeare eine Rolle spielt obwohl er selbst vermutlich keine Juden kannte, ist komplett gestrichen. Dafür soll ein Sturm, der bei Shakespeare nur erwähnt wird, weil er alle Schiffe des Kaufmanns Antonio vernichtete, spektakulär in Szene gesetzt werden.

Kein Open-Air-Spektakel ohne Musik: Für die Musik zeichnet der österreichische Komponist Martin Ertl von Grotest Maru verantwortlich. Wie Regisseurin Berzborn will er den Darstellern viel Raum lassen. Beide sind offen für Ideen des Ensembles.

„Der Kaufmann von Venedig“ hat am 14. Juni Premiere auf dem Marburger Marktplatz. Bis zum 1. Juli wird er elfmal gespielt. Die OP-Benefiz-Vorstellung am 15. Juni ist bereits ausverkauft. Karten gibt es an der Theaterkasse in der Stadthalle, Telefon 06421/25608.

von Uwe Badouin

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