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Marburg Gesprächskreis ist vom Tisch
Marburg Gesprächskreis ist vom Tisch
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00:19 30.08.2018
In den Steinweg-Kinos werden keine Filme mehr gezeigt. Die ­Anzeigetafel weist auf das Open-air-Kino hin. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Kinochefin Marion Closmann hatte sich eigens Zeit genommen, um den Stadtverordneten im Kulturausschuss am Donnerstag als Gast Rede und Antwort zu stehen. Und so kam es schon zu einer kleinen Gesprächsrunde, bei der Vertreter aller Parteien ihr Bedauern über den Wegfall der Filmsäle in der Oberstadt äußerten.

Closmann freute sich prinzipiell über die große Anteilnahme der Politiker und deren Einsatz für den gesicherten Fortbestand der Marburger Kinoszene.

Doch einen darüber hinausgehenden institutionalisierten­ Gesprächskreis auch unter Einbeziehung der Universität, wie ihn Dietmar Göttling (Grüne) in seinem Antrag forderte, sieht Closmann nicht als notwendig an.

Sie machte aber zum wiederholten Male deutlich, dass das Filmkunstprogramm der Steinweg-Kinos demnächst weiter im „Capitol“-Kino in der Biegenstraße gezeigt werden solle, auch unter Einbeziehung von Hubert Hetsch, dem Kino-Macher vom Steinweg (die OP berichtete).

Nur Linke für Ankauf 

„Der Wegfall der Steinweg-Kinos ist emotional schmerzlich, aber die filmkulturelle Vielfalt ist gesichert“, resümierte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD).

„Private und prämierte Kinobetreiber brauchen keine klugen Ratschläge von außen“, meinte Spies zudem. Diese von ihm so geäußerte Sichtweise führte allerdings zu einer gewissen Schärfe in der Debatte.­ Denn Oppositionsvertreter Göttling wandte sich gegen den politischen Alleinvertretungsanspruch des Oberbürgermeisters in der Angelegenheit.

Es gehe bei der Idee der Grünen auch darum, in breiter Runde weiter dafür mit zu sorgen, dass das tendenziell defizitäre anspruchsvolle Filmkunstprogramm jenseits des Mainstreams langfristig gesichert bleibe. Nur die Marburger Linke stimmte schließlich dem Grünen-Antrag bei der Abstimmung im Ausschuss zu.

Dem „Linken“-Antrag, dass der Magistrat das Haus am Steinweg 4 zum Erhalt des Filmkunsttheaters ankaufen solle, stimmte­ kein Abgeordneter der anderen Parteien zu. OB Spies machte deutlich, dass die Aufgabe des Standortes durch die Kinofamilien Closmann und Hetsch nicht eine Frage der Miethöhe gewesen sei, sondern es sei dabei auch um eine Vielfalt der Kosten für drei Leinwände und Kinosäle gegangen.

„Wir versuchen, den Gesamtbetrieb am Laufen zu halten“, begründete Marion Closmann die Aufgabe der Kinos am Steinweg. Der Erhalt von zwei Standorten – dem Cineplex und dem Capitol in der Biegenstraße, diene der Sicherung für die ­Zukunft.

von Manfred Hitzeroth