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Marburg Kein leichter Abschied von Dennewitz
Marburg Kein leichter Abschied von Dennewitz
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16:03 26.06.2010
Ekkehard Dennewitz (zweiter von links) mit Vertretern des Freundeskreises des Hessischen Landestheaters.

Marburg. „Ich danke euch sehr und bin auch sehr gerührt“, sagte Ekkehard Dennewitz. Der Intendant des Hessischen Landestheaters wurde zum Ehrenmitglied des Freundeskreises ernannt. Seine letzte Spielzeit in Marburg neigt sich dem Ende zu.

"Als ich in Marburg anfing, gab es überhaupt keine Wochenendvorstellungen“, erinnerte sich Dennewitz in seinem Rückblick auf 19 Jahre Intendanz in Marburg. Er hat die Wochenendvorstellungen eingeführt und noch einiges mehr. Er hat Spielstätten erschlossen, ein festes Ensemble aufgebaut, einen großen Schwerpunkt auf die Kinder- und Jugendaufführungen gelegt und im Spielplan konsequent auf die vier Säulen Klassik, Zeitgenossen, Boulevard und Musical gesetzt.

Als Dennewitz 1991 nach Marburg kam, wurde die Stadthalle wegen Asbestverseuchung saniert und fiel zunächst einmal als große Bühne weg. Dennewitz suchte und fand andere Spielstätten: Den Fürstensaal im Landgrafenschloss, den Deutschhauskeller, das Gefängnis, das Arbeitsgericht, den lutherischen Pfarrhof, das Wäschegeschäft „Betten Briel“ und, bis das Theater am Schwanhof 1995 hergerichtet war, das Theater am Turm. Der Umbau des Rex-Kinos zum Theater war politisch nicht gewollt, bedauert Dennewitz bis heute.

Dafür erwies sich ab 2005 der Schlosshof von Rauischholzhausen für Freilichtaufführungen als Renner. Die Freilichtbühne im Marburger Schlosspark und der Marktplatz wurden bespielt, aber wieder aufgegeben: Die eine erwies sich als zu groß, die andere scheiterte unter anderem an dem Einspruch der Anwohner. Ob Faltz mit seinem geplanten Versuch im kommenden Jahr mehr Glück haben wird?

40 Bewerber wollten 1990 Intendant in Marburg werden. Dennwitz‘ großes Plus, das ihm den Zuschlag verschaffte: Er hatte Erfahrung im Kinder- und Jugendtheater. Und so wurde er zum ersten Theaterchef aus Ostdeutschland an einem westdeutschen Theater.

Dennewitz baute ein festes Ensemble auf – sein Vorgänger Franzjosef Dörner hatte Schauspieler nur für die jeweiligen Produktionen engagiert. Nun war es möglich, Stücke über mehrere Monate immer wieder aufzuführen oder auch in der nächsten Spielzeit wieder aufzunehmen.

Und mit diesem Ensemble lädt er nicht nur Kinder und Jugendliche ins Theater ein, sondern wirbt auch vor Ort mit Vorstellungen in Kindergärten und Schulen für den Theaterbesuch.

Seit 15 Jahren finden die Kinder- und Jugendtheatertage in Marburg statt. Zu der Elisabethschule, der Friedrich-Ebert-Schule und dem Landschulheim Steinmühle bestehen enge Kontakte. Schauspieler proben mit den Schülern. Das nützt dem Selbstbewusstsein der Schüler, stabilisiert die Persönlichkeit, macht mutig und dient dem gegenseitigen Kennenlernen, sagt Dennewitz. Außerdem mache es Spaß, auf der Bühne zu stehen und 400 Leute zu unterhalten. Seit vier Spielzeiten ist der Kinderclub aktiv und erarbeitet regelmäßig Aufführungen. Seit sieben Jahren spielen Studenten im Theaterlabor.

von Christine Krauskopf

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