Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Kein Legionellenbefall in Marburg
Marburg Kein Legionellenbefall in Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 26.07.2018
Wasser, das aus einer mit Legionellen befallenen Wasserleitung kommt, kann gerade für geschwächte Menschen zur Gefahr werden. Angeblich nicht durch verschlucken, sondern falls die Bakterien in die Lunge geraten. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Wasserleitungen sind dazu ausgelegt, genutzt und regelmäßig durchgespült zu werden. Wenn das Wasser in der Leitung aber über längere Zeit nicht zirkuliert – etwa in der ­Ferienzeit – dann fühlen sich Keime dort besonders wohl.

Allen voran die sogenannten Legionellen, Bakterien, die sich gerade in stehendem, lauwarmem Wasser vermehren und Krankheiten, unter anderem Lungenentzündungen, verursachen können. Zumindest wenn die Erreger in die Lunge gelangen. Wasserleitungen, etwa in Schulturnhallen, die während der Urlaubszeit quasi brach liegen, sind umso anfälliger für ­einen Keimbefall. Denn die werden derzeit nicht für den Schulsport gebraucht, also werden auch die Duschräume weniger genutzt als üblich.

Wird dort nicht regelmäßig und am besten mit heißem Wasser ab 60 Grad aufwärts durchgespült, entsteht ein kleines ­Paradies für Legionellen. So ­geschehen zuletzt in Frankfurt: Wie die Hessenschau berichtete, wurde dort in verschiedenen Turnhallen ­Legionellen-Befall festgestellt, vier Duschräume sollen bereits gesperrt worden sein.

Kein aktueller Keimbefall in Marburg bekannt

Das Problem ungenutzter ­Leitungen und der Gefahr von Bakterienaufkommen in der ­Urlaubszeit ist auch in Marburg bekannt. In der Stadt gibt es 14 an Schulen angegliederte Turnhallen und zusätzlich sechs kleinere Sport- und Gymnastikräume. Alle mit eigenen Sanitäranlagen.

Die Leitungssysteme müssen per Gesetz regelmäßig auf Keimbefall kontrolliert werden. Wie die Pressestelle der Stadt mitteilt, sind an den städtischen Schulen von Marburg derzeit „keine Fälle von verunreinigtem Wasser in den Sanitäranlagen der Sporthallen bekannt“, erklärt Birgit Heimrich von der Pressestelle der Stadt. Und somit auch kein akuter ­Befall durch Legionellen.

Damit das auch so bleibt, treffe die Stadt gewisse Vorkehrungen und sorge für eine regelmäßige Spülung der Leitungen: Dafür wurden einige Sporthallen mit „automatischen Spülsystemen für die Leitungen der Sanitäranlagen“ ausgestattet. Andere Turnhallen verfügen laut Presse­stelle über Anlagen zur regelmäßigen thermischen Wasserbehandlung.

„Diese automatisierten Systeme arbeiten durchgängig, sind also auch in der Ferienzeit in Funktion“, berichtet Heimrich. Weitere Kontrollen oder Maßnahmen wie zusätzliche Spülungen der Wasserleitungen in städtischen ­Gebäuden würden „anlassbezogen“, etwa bei neu auftretenden Problemen, durchgeführt.

Davon abgesehen stünde der Betrieb vieler Turnhallen – und damit der Leitungen – nicht über die gesamte Ferienzeit still, da auch Vereine die Hallen nutzen und somit für fließendes Wasser sorgen.

Eine regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität ist dennoch Pflicht. Laut Stadt werde die gemäß der Trinkwasserverordnung „in städtischen Schulen, Turnhallen und weiteren Gebäudegruppen mindestens einmal jährlich“ überprüft. Das gilt für sämtliche städtischen Sporthallen und Stadien. Eine erhöhte Keimbelastung wurde zuletzt zwar nicht festgestellt, dafür bereits in der Vergangenheit an vereinzelten Schulen.

An mehreren Schulen zuletzt „geringer Befall“

In Marburg zuletzt im Jahr 2016. Der Befall sei behoben worden und „seitdem wurden keine Keimbelastungen mehr festgestellt“, so die Stadt. Vereinzelt betroffen waren auch Schulen im Landkreis: Es kamen vereinzelte Fälle mit „geringgradigem Legionellenbefall“ vor, berichtet auch Stephan Schienbein von der Pressestelle des Landkreises. Ob und wie aktiv gegen ein Vorkommen der Bakterien vorzugehen ist, hänge vom Ausmaß des Befalls ab. Der wird anhand der Koloniebildung bestimmt, „erst bei einem Wert von 100 müssen wir aktiv werden“, so Schienbein weiter.

Eine komplette Stilllegung der befallenen Anlage stünde erst bei einem Wert von 10 000 an. Dazu kam es bislang nur in einem von landkreisweit fünf Fällen im vergangenen Jahr. In den anderen Fällen seien die zulässigen Grenzwerte nicht in dieser Höhe überschritten worden. „Der Legionellenbefall konnte hierbei entweder durch intensives Spülen des Leitungssystems oder durch thermische Desinfektion beseitigt werden“.

von Ina Tannert