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Marburg Kaum Gefahr für Radfahrer im Südviertel
Marburg Kaum Gefahr für Radfahrer im Südviertel
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19:35 04.09.2015
Mülltonnen und Lieferwagen versperren an manchen Stellen den Fahrradweg in der Wilhelmstraße, so dass Radfahrer auf die Straße ausweichen müssen. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Fast 75 Prozent der Radfahrer fühlen sich auf Marburgs Straßen nicht sicher – das ist das Ergebnis der letzten OP-Umfrage, an der sich über 400 Menschen beteiligt haben (die OP berichtete). Auf der ersten Teststrecke durch das Nordviertel konnten insgesamt sechs besondere Gefahrenstellen für Radfahrer gefunden werden. Die zweite Teststrecke führt diesmal durch das Südviertel. Wie gefährlich ist es hier?

Ich starte wieder am Hauptbahnhof und fahre über die Fahrradampel unter der B 3 hindurch und, auf der anderen Seite angekommen, an der Lahn Richtung Universität entlang. An der Mensa machen sich die Semesterferien bemerkbar: Selbst jetzt, in der Mittagszeit, kommen mir kaum Studenten entgegen. Ich fahre über die Luisa-Haeuser-Brücke auf den Rudolphsplatz zu. Von dort möchte ich weiter bis zur Universitätsstraße.

Beim Anblick der Baustelle erahne ich, dass dies kein leichtes Unterfangen werden wird. Auf der durch die vielen Baustellenabsperrungen und -lichter ohnehin schon stark verengten Straße wird es zwischen Bordsteinkante und den vorbeifahrenden Autos stellenweise so eng, dass ich ins Wackeln gerate. Ein Fußgänger, der auf dem Bürgersteig steht und mich eine Weile lang aufmerksam beobachtet, winkt mich schließlich zu sich heran und empfiehlt mir, abzusteigen statt weiterzufahren. Dies sei eine gefährliche Stelle für Radfahrer. Ich folge seinem Rat und komme so schließlich sicher am Garten des Gedenkens an. Dort steige ich wieder auf mein Fahrrad und ordne mich vorsichtig in den Verkehr ein, um dann über die Gutenbergstraße ins Südviertel zu gelangen.

Durch die Wilhelmstraße führt ein breiter Radweg, der Platz genug für zwei Fahrradfahrer bietet. Leider stehen hier an manchen Stellen Mülltonnen und Lieferwagen im Weg, so dass ich auf die Straße ausweichen muss.

Entgegenkommende Autos sind Gefahr in Haspelstraße

Ich biege in die Haspelstraße  ein, die besonders bei den Autofahrern gefürchtet ist. Grund dafür ist, dass hier die Fahrtrichtung für Radfahrer auch entgegen der Einbahnstraßenführung verläuft. Den Autofahrern kommen also die Radfahrer genau entgegen. Durch auf der linken und rechten Straßenseite parkende Autos gibt es wiederum auch kaum eine Möglichkeit für mich, den mir entgegenkommenden Fahrradfahrern auszuweichen. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns langsam aneinander vorbeizuschlängeln. Bei schnellerer Geschwindigkeit beiderseits ist dies nicht ganz ungefährlich.

Sicher in der Frankfurter Straße angekommen, fahre ich über die Schwanallee auf die Gisselberger Straße und von dort über einen gut ausgeschilderten Radweg problemlos auf die Südspange zu, wo sich die vermeintlich größte Hürde befindet: die Baustelle an der Kreuzung Cappeler Straße/Beltershäuser Straße.

Sie zu passieren, funktioniert jedoch besser, als befürchtet: Von der Südspange kommend werde ich über einen breiten Rad- und Fußgängerweg sicher und eindeutig zur und über die Kreuzung geführt und von dort schließlich in die Cappeler Straße, wo meine heutige Teststrecke endet.

Das Ergebnis: Auf meiner Teststrecke vom Hauptbahnhof durch das Südviertel gab es zwei besondere Gefahrenstellen für Radfahrer. Zum einen im Baustellenbereich am Rudolphsplatz und zum anderen in der Haspelstraße, durch die Fahrradfahrer entgegen der Einbahnstraßenführung fahren müssen. Insgesamt lässt sich also eine positive Bilanz ziehen.

70 Prozent der Fußgänger durch Radfahrer gefährdet

Eine aktuelle OP-Umfrage ergibt indes, dass sich 70 Prozent der Fußgänger in Marburg durch Fahrradfahrer gefährdet fühlen. „Wie viele Fahrradfahrer ohne verkehrstaugliche Ausstattung unterwegs sind, ist nicht normal. Ganz zu schweigen, dass viele der Meinung sind, die ganze Straße zu nutzen ohne Rücksicht auf die übrigen Verkehrsteilnehmer“, kritisiert etwa André Beyer. Auch Vera En findet es schlimm, „dass Fahradfahrer zum Teil ohne verkehrssicherem Gefährt unterwegs sind, sich zwischen Baustellen und Autos durchzwängen, dazu noch im Dunkeln ohne Licht. Sie gefährden nicht nur Autofahrer, sondern sich selbst.“

„Ich finde es traurig, dass alle Fahrradfahrer schlecht gemacht werden“, kommentiert hingegen Anna Köster. „Es gibt auch in Marburg anständige Fahrradfahrer!“

  • Wo fühlen Sie sich als Radfahrer auf Marburgs Straßen besonders gefährdet? Schreiben Sie uns an feedback@op-marburg.de
  • oder rufen Sie uns an unter der 0 64 21 / 40 93 53.

von Ruth Korte