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Kaiser-Enkelin kommt mit Freunden

Ausstellung Kaiser-Enkelin kommt mit Freunden

„3 + 1“ ist die aktuelle Ausstellung in der GeWo-Galerie betitelt. Die Ausstellung zeigt Gegenwartskunst aus Georgien und Stahlskulpturen von Gabriela von Habsburg.

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Tamaz Varvaridze (von links), Keti Matabeli, Gabriela von Habsburg und Gia Gugushvili bei der Ausstellungseröffnung.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Normalerweise kennt man Mitglieder des europäischen Hochadels aus Printprodukten der Yellow Press, aus bunten Blättern, die von Meldungen aus dem Jet Set leben. Gabriela von Habsburg taucht dort nicht, oder wenn, dann nur ganz selten auf. 1956 wurde sie als viertes Kind von Otto und Regina von Habsburg in eine Dynastie geboren, die über Jahrhunderte die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser stellte – bis zum Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie am Ende des 1. Weltkriegs.

Doch Begriffe wie Durchlaucht oder Hoheit sind ihr offenbar fremd. „Ich heiße Gabriela von Habsburg. Es ist am besten, wenn man dabei bleibt“, sagte sie bei der Eröffnung der Ausstellung „3 + 1“ am Freitagabend in der GeWo-Galerie im 13. Stock des Parkhauses am Pilgrimstein in Begleitung ihrer Marburger Freundin Ursula Eske.

Die Marburger Künstlerin Ursula Eske und die Bildhauerin Gabriela von Habsburg kennen sich seit vielen Jahren, 2008 hat Gabriela von Habsburg fast unbemerkt von der Öffentlichkeit zum ersten Mal ihre Arbeiten in der kleinen Galerie der von Ursula Eske ausgestellt.

Gabriela von Habsburg, die an der Akademie der Bildenden Künste in München studierte,  arbeitet mit Vorliebe mit Stahl, einem schwierigen und sperrigen Material. Mit Fräsen, Hämmern, Schneidbrennern und Schweißgeräten entstehen großformatige Skulpturen für den Außenbereich und kleinformatige, angesichts des schwierig zu formenden Materials fast filigrane  Arbeiten für den Innenbereich. Acht dieser kleinen Stahlskulpturen hat die international renommierte Künstlerin und Kunstprofessorin mit nach Marburg gebracht sowie 19 Lithografien.

Doch definiert sich die Ausstellung nicht als Schau einer Kaiser-Enkelin, sondern als Ausstellung gleichberechtigter Künstlerpersönlichkeiten. „3 + 1“ ist der Titel der Ausstellung: 1 – das ist sie. 3 – das sind drei befreundete Künstler aus Georgien, einem kleinen Land im Kaukasus, dessen Botschafterin sie seit 2010 ist. Die Künstlerin Keti Matabeli (Jahrgang 1953), deren Mann Gia Gugushvili (1952) und Tamaz Varvaridze (1945) sind in ihrer Heimat bedeutende Künstler. Sie alle lehren als Professoren an der Staatlichen Kunsthochschule in der georgischen Hauptstadt Tbilissi (Tiflis). Sie alle stellen inzwischen international aus und sie alle waren 2008 an der ersten großen Gruppenausstellung georgischer Künstler seit dem 2. Weltkrieg in der GeWo-Galerie beteiligt.

Die Ausstellung in den langen Gängen der Verwaltung der GeWo-Bau ist äußerst abwechslungsreich: Tamaz Varvaridze zeigt eindrucksvolle abstrakte Acryl- und Ölgemälde, die eine große Ruhe ausstrahlen.

Auf den ersten Blick minimalistisch wirken  die Gemälde von Gia Gugushvili mit Titeln wie „Granatäpfel im Morgen“ oder „Weißer Saxofonist mit Vogel“. Bei näherem Betrachten offenbaren sie einen herzerfrischenden Humor.

Keti Matabeli zeigt bezaubernde, farbenfrohe Materialcollagen, in denen sie das mittelalterlich georgische Nationalepos „Der Ritter im Tigerfell“ und das westeuropäische Gegenstück „Parzival“ verarbeitet.

Nach Marburg geholt hat die Ausstellung Wolfgang Pasdzierny. Der ehemalige Mathematik- und Physiklehrer an der Gesamtschule Kirchhain pflegt mit dem Marburger Verein „Freunde der Freien Waldorfschule Tbilissi in Georgien“ seit 15 Jahren enge Kontakte in das Land, das er wie Gabriela von Habsburg lieben gelernt hat. „Es ist ein Land, wo man sofort als Freund aufgenommen wird“, sagt er. „Fast jeder Mensch dort  ist ein Künstler, man malt, singt oder dichtet.“ Auch Gabriele von Habsburg hob die Kreativität der Menschen und die „unglaubliche Gastfreundschaft“ hervor. Georgien sei heute, eines der sichersten Länder Europas, vergleichbar mit Dänemark.

Kontakt zu Gabriela von Habsburg hat Pasdzierny seit 2010. Damals habe er um Unterstützung für den Verein gebeten. „Und als ich wegen der Ausstellung angefragt  habe, hat sie auch sofort und völlig unkompliziert zugesagt.“

Die Ausstellung ist bis zum 12. Mai zu sehen, geöffnet Montag bis Mittwoch 9 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis  12 Uhr.

von Uwe Badouin

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