Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Kältewelle hat Landkreis fest im Griff
Marburg Kältewelle hat Landkreis fest im Griff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 01.03.2018
Kinder lassen sich schnell von den Eisflächen anlocken und faszinieren – Betreten ist jedoch verboten.  Quelle: Sina Schindler
Anzeige
Marburg

Während viele Autofahrer und Kranke über den Frost schimpfen, freuen sich vermehrt Kinder und Jugendliche über die scheinbar gefrorene Lahn. Die Eisflächen laden zum Betreten oder Schlittschuhlaufen ein – doch hier ist besondere Vorsicht geboten, denn der Schein trügt.

Ein Überblick über die Folgen der Kältewelle im Landkreis:

Gefährliches Eis: Kaum sind Seen und Flüsse mit Eis bedeckt, sind viele Kinder und Erwachsene nicht mehr zu halten. Jedoch frieren Fließgewässer durch die Bewegung des Wassers nicht komplett zu. Auch viele Seen haben Zu- und Ableitungen, wodurch Bewegung im Wasser ist. Die Marburger Lahn sei, wie die meisten anderen Gewässer im Landkreis, trotz der andauernden Kälte nicht von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) freigegeben, wie Christoph Felgenhauer, Mitarbeiter der Feuerwehreinsatzzentrale in Marburg, mitteilte. „Auch vermeintlich dicke Eisschichten sollten unter keinen Umständen betreten werden, da die Gefahr eines Einbruchs zu groß ist.“ Fälle von Einbrüchen an der Lahn seien in Marburg noch nicht bekannt. Damit dies auch so bleibt, appelliert Felgenhauer an die Marburger, sich von den Eisflächen fernzuhalten, solange diese noch nicht offiziell freigegeben sind.

Defekte Batterien: Die Pannenhelfer des ADAC sind derzeit im Dauereinsatz – vor allem um bei Autofahrern Starthilfe zu leisten. „Gerade die elektronischen Teile sind sehr anfällig auf die Kälte“, sagte Oliver Reidegeld, Pressesprecher des ADAC im Gebiet Hessen-Thüringen. Hauptursache fürs Liegenbleiben sind demnach defekte Batterien. Auch Wasserschäden, eingefrorene Türschlösser oder Türen seien aktuelle Kälteprobleme. Durchschnittlich habe der ADAC ungefähr 1.000 Einsätze pro Tag in Hessen, bei niedrigen Temperaturen steige die Einsatzrate sogar auf bis zu 2.000 an, sagte Reidegeld im Gespräch mit der OP. Glätte sei durch die trockene Witterung momentan ein geringeres Problem.

Gefrorene Leitungen: Auch die landwirtschaftlichen Betriebe in Marburg und Umgebung haben mit der anhaltenden Kälte zu kämpfen. Vor allem die Wasserleitungen sorgten für Probleme, sagte Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Marburg-Kirchhain-Biedenkopf: „Im Moment müssen wir die Kälbchen mit Hilfe von Wannen tränken, weil die Wasserleitungen über Nacht immer wieder zufrieren.“ Insgesamt sei die Arbeit in der Landwirtschaft bei solchen extremen Temperaturen sehr anstrengend, da auch um diese Jahreszeit viele Arbeiten draußen anfallen würden. Auf die Felder habe die Kälte jedoch eher einen positiven Effekt: „Durch den Frost gibt es weniger Tiere, die die von uns angebauten Pflanzen fressen“, erklärte Lölkes.

Unfreiwillige Pause: Viele Landschaftsgestalter und Gärtnereien legen derzeit in gewissen Arbeitsfeldern eine Zwangspause ein. „Normalerweise würden wir zum jetzigen Zeitpunkt langsam mit dem Pflanzen der Frühlingsblumen beginnen. Allerdings ist dies aufgrund des gefrorenen Bodens momentan nicht möglich“, berichtete Michaela Schnell, Mitarbeiterin der Gärtnerei Seehof in Stadtallendorf. Während die Blumen im Gewächshaus gut versorgt und von der Kälte nicht bedroht seien, falle die Arbeit der Gärtner im Außenbereich und im Freien schwerer und sei bei diesen Temperaturen deutlich unangenehmer.
Auf die Geschäfte der örtlichen Gärtnereien könnte sich die Kälte bei weiterem Andauern ebenfalls negativ auswirken, da sich viele Menschen mit dem Kauf von Blumen und Pflanzen zurückhalten, aus Angst, dass diese zu schnell wieder eingehen, sagte Schnell.

Warme Kleidung: In den meisten Geschäften hat bereits der Winterschlussverkauf begonnen, der im Zuge der Kältewelle von den Marburgern dankend angenommen wird. Vor allem Männer, die häufig eher nach Bedarf kaufen, decken sich in diesen Tagen mit Mänteln, Mützen und Handschuhen ein, wie Alessa Weber, Assistentin der Abteilungsleitung für Damenmoden im Kaufhaus Ahrens, anmerkte. „Da bereits der März begonnen hat und der Frühlingsanfang normalerweise vor der Tür steht, haben wir aber trotz größerer Nachfrage keine weiteren Wintermoden nachbestellt“, sagte Verkäuferin Andrea Nau. Ihr persönliches Problem mit der Kälte sei jedoch ein ganz anderes: „Durch die Sperrung der Weidenhäuser Brücke habe ich zurzeit einen weiteren Fußweg zur Arbeit. Das ist bei den Temperaturen natürlich nicht sehr angenehm.“

Volle Arztpraxen: Laut Kassenärztlicher Vereinigung Berlin (KVB) sind die Hausarztpraxen derzeit „sehr, sehr voll“. „Die Ärzte haben wahnsinnig viel zu tun. Von 100 Patienten haben 90 eine Erkältung oder Grippe“, sagte eine KVB-Mitarbeiterin. Auch in Marburg sind die Arztpraxen zurzeit voll belegt. In der Praxis von Dr. Rudolf Gottfried Schindler sind momentan viele Grippefälle im überfüllten Wartezimmer anzutreffen, was an einigen Tagen in der Woche auch zu Überstunden für Arzt und Arzthelfer führt. Die deutlich erhöhte Anzahl von Krankheitsfällen wurde auch von der Praxis von Dr. Ahmad Shir so bestätigt. In den Privatpraxen, wie zum Beispiel der Praxis von Dr. Norman Hillenbrand, sieht die Lage derweil entspannter aus. Durch den kleineren Patientenstamm, mache sich die Grippewelle weniger bemerkbar.

Fehlende Blutspenden: Durch die Erkältungswelle fallen Blutspender aus. Das Deutsche Rote Kreuz ruft daher auf, gerade jetzt Spendetermine wahrzunehmen. „Wir wollen noch keinen Alarm schlagen. Es kann aber sein, dass sich die Situation negativ entwickelt“, sagte Sprecherin Kerstin Schweiger mit Blick auf vorhandene Blutkonserven. Wer helfen will: Im Uniklinikum kann montags, donnerstags und freitags von 8 – 15.30 Uhr sowie dienstags und mittwochs von 12 – 18 Uhr Blut gespendet werden.

Müßiger Fußweg: Auf Bus und Bahn hat sich die Kälte bisher kaum ausgewirkt. Das liege vor allem an der fehlenden Glätte, wie der ADAC berichtete. In Marburg wird die Verkehrssituation zurzeit eher durch die Sperrung der Weidenhäuser Brücke beeinträchtigt. Trotz der eisigen Temperaturen, bleibt dem ein oder anderen nichts anderes übrig, als einen längeren Fußweg auf sich zu nehmen. Auch Fahrradfahrer sind auf Marburgs Straßen aktuell eher seltener anzutreffen als sonst.

von Sina Schindler, Kim Meulenbeld und unseren Agenturen

Anzeige