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Marburg Meckern, Motzen und Poltern im Akkord
Marburg Meckern, Motzen und Poltern im Akkord
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00:18 01.03.2019
Der Grantler Matthias Egersdörfer kann sogar lächeln. Quelle: Melanie Weiershäuser
Marburg

Matthias Egersdörfer beherrscht das Granteln wie kaum ein anderer Kabarettist. Seine neue Show "Ein Ding der Unmöglichkeit“, die er am Freitag vor rund 200 Zuschauern im KFZ präsentierte, bestand aber vor allem aus müden Gags und groben Witzen.

Kaum steht der Mann auf der Bühne geht es los mit dem Meckern, Motzen und Poltern und das im Akkord. In breitestem fränkisch schnoddert er schlecht gelaunt ins Publikum und verzieht dabei keine Miene. Die Tücken des Alltags sind Egersdörfers Spezialgebiet. Er habe es mal mit Sport versucht, erzählt er, aber das helfe überhaupt nicht gegen „die Wampe“. Nach der ganzen „Rumrennerei“ habe er immer solchen Hunger bekommen, dass er „massiv zugenommen“ habe. Gegen Figurprobleme helfe da nur eins: flach hinlegen. Gegen Schwierigkeiten beim Einschlafen werde überall das „Schäfle-Zählen“ empfohlen. Aber er verzähle sich immer und bekomme dann eine solche Wut, dass er erst recht nicht einschlafen könne.

Und dass man beim Straßenbahnfahren immer die Anschlüsse verpasse, sei ja volle Absicht. „Da haben sie Testreihen mit Sportlern gemacht und darauf geachtet, dass keiner die nächste Bahn erwischt.“ Ganz witzig war die Selbstironie, mit der Egersdörfer immer wieder daherkommt. „Meine Löwenmähne“, sagt er und fährt sich mit der Hand über die Halbglatze. Seine Mutter habe ihn ganz besonders geliebt: „Weil ich so schön bin.“ Und mit Blick auf die Show meint er: „Was ich hier veranstalte ist ja furchtbar.“

Leider musste man ihm da zum Teil recht geben. Klar, Egersdörfer ist der Miesepeter unter den Kabarettisten, das ist seine Masche, und Political Correctness ist ihm egal. Aber in seinem neuen Programm hat er es übertrieben. Das liegt unter anderem an der sehr derben Sprache, die sich viel im Fäkalbereich bewegt und nur bedingt zitierfähig ist. Gleich zu Anfang beschreibt er seine Fantasien, sich vor großem Publikum im weißen Anzug in die Hose zu machen. „Das muss man aber vorher im Supermarkt üben.“ Wenig später heißt es: Nach einem allzu deftigen Essen habe er sich im Bett übergeben müssen. Zum Glück habe seine Frau ihm dann alles wieder „vom Wanst“ abgekratzt.

Immer wieder wettert er gegen die Frauen und die Familie: Er sei ja gegen Fußfesseln, aber seine Frau könne ja auch mal daheim sein. Und seine Mutter habe ihm immer so leckere Würste gekocht. Jetzt aber sei sie gestorben in ihrem „Scheiß-Pflegeheim“ und habe ihm nicht mal das Rezept hinterlassen. Von seiner Familie seien nur noch „zwei böse Schwestern“ übriggeblieben. So geht es in einer Tour, und das ist nur bedingt komisch. Das Publikum reagierte zum Teil verhalten, zum Teil amüsierten sich alle trotzdem, und es gibt viel Beifall. Die Fans kennen ihren Egersdörfer nur zu gut und verzeihen ihm so manche Entgleisung.

von Bettina Preussner