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Marburg NABU: Junger Wolf im Kreis gesichtet
Marburg NABU: Junger Wolf im Kreis gesichtet
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15:52 01.03.2019
(Symbolfoto) Der Naturschutzbund Deutschland meldet eine Wolfssichtung im Kreis Marburg-Biedenkopf.  Quelle: Julian Stratenschulte
Marburg

Wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) mitteilt, hat Spaziergängerin Bianca Tabery am Dienstag, 26. Februar, im Hinterland einen Wolf gesichtet. Das Tier trabte demnach gemächlich vor ihr über eine Wiese am Waldrand. 

„Ich bin immer noch total glücklich, dass ich rein zufällig diese Beobachtung gemacht habe“, sagt Tabery. Sie filmte das Tier mit ihrem Handy. Wolfsexperten des Landes Hessen haben es inzwischen zweifelsfrei als Wolf identifiziert, schreibt der NABU. In einer Pressemitteilung des Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom Donnertag wird als der Ort der Sichtung ein Waldstück zwishcen Bottenhorn und Steinperf genannt.

Für den regionalen NABU-Wolfsexperten Reinhard Brandl ist die Sichtung keine Überraschung. „Immer wieder ziehen Wölfe durchs Land und leben mitten unter uns. Trotzdem wurden seit über einem Jahr keine Nutztiere in Hessen gerissen“, sagt Brandl.

Wolfsmanagement

In Hessen gibt es seit 2015 ein Wolfsmanagement und es werden regelmäßig Gespräche mit betroffenen Gruppen wie Schafhalter, Jäger, Förster, Waldbesitzer und dem ehrenamtlichen Naturschutz geführt. Tierhalter erhalten Beratung und Förderung, um ihren Herdenschutz zu verbessern und so ihre Tiere zu schützen. Für zusätzliche Herdensicherungen zur Wolfsabwehr stehen in Hessen in diesem Jahr bis zu 500.000 Euro Fördermittel zur Verfügung. Da der Wolf natürlich auch Landesgrenzen überschreitet, wurde eine Vier-Länder-Kooperation zwischen Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland vereinbart, mit dem Ziel des Informationsaustausches und einer intensiveren Zusammenarbeit beim Wolfsmanagement und beim Herdenschutz.

Auch wenn Wölfe bevorzugt Wildtiere jagen, sei es für Weidetierhalter allerdings wichtig, beim Aufstellen von Schutzzäunen nicht nachlässig zu sein. Da Wölfe an einem Tag bis zu 70 Kilometer wandern können, gelte dies nicht nur für Westhessen. Die Chancen, den Wolf in nächster Zeit noch einmal zu Gesicht zu bekommen, sind dem NABU zufolge allerdings eher gering.

Um zu erfahren, ob sich der Wolf weiterhin in Westhessen aufhält, ruft der NABU dazu auf, weitere mögliche Wolfssichtungen an die Wolfshotline des Hessischen Umweltministeriums zu melden an Telefon 0611/815315. „Am besten ist immer ein Beweisfoto oder Video, das können die Wolfsexperten des Landes genau auswerten“, sagt Brandl.  

Nachrichten direkt auf das Smartphone? So geht´s:

Der NABU rät bei möglichen Wolfssichtungen zu Besonnenheit. „Wie bei anderen großen Wildtieren wie Wildschweinen gilt auch beim Wolf: Abstand halten, nicht darauf zugehen und nicht bedrängen“, sagt Heike Balk, Sprecherin der NABU-Landesarbeitsgruppe Wolf.

Damit die Tiere ihren Respekt vor dem Menschen behalten, dürften sie auf keinen Fall gefüttert werden. Auch eine indirekte Fütterung durch das unachtsame Lagern von Speiseresten und Tierfutter könne Wölfe anlocken und an den Menschen gewöhnen.

Wenn man zu Fuß oder auf dem Fahrrad einem Wolf begegnet, sollte man ruhig bleiben und sich langsam zurückziehen. Falls der Wolf doch einmal folgt, gilt: gelassen und ohne Angst weitergehen. Nur wenn sich ein Wolf neugierig weiter annähert, empfiehlt es sich, stehenzubleiben, laut zu rufen und in die Hände zu klatschen, um ihn zu vertreiben.