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Marburg Jürgen Handke hilft bei Uni-Aufbau in Nürnberg
Marburg Jürgen Handke hilft bei Uni-Aufbau in Nürnberg
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16:55 10.08.2017
Der Anglistik-Professor Jürgen Handke. Quelle: Archiv
Marburg

Jürgen Handke wurde vom bayerischen Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle als Mitglied in die Strukturkommission berufen, die für die Konzeption der geplanten Universität in Nürnberg zuständig ist. Das 16-köpfige Gremium, in dem sich mehrere hochkarätige nationale und internationale Wissenschaftler befinden, soll innerhalb eines Jahres ein organisatorisches und wissenschaftliches Konzept für die neue Universität erarbeiten. Der Schwerpunkt soll auf Zukunftthemen wie etwa Mobilität der Zukunft, Energieforschung, Robotik, Sicherheit in der Informationstechnik sowie mit Hochleistungsrechnern liegen.

Genau die richtigen Themen für den Marburger Sprachwissenschaftler, der sich seit Jahren um die Nutzung digitaler Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien in der Hochschullehre bemüht und zuletzt Schlagzeilen mit seinem Lern-Roboter „Pepper“ gemacht hat (die OP berichtete). „Ich denke, dass dies nicht nur eine äußerst ehrenvolle und reizvolle Aufgabe ist, sondern auch eine große Chance, Ideen einzubringen, die aus meiner eigenen digitalen Lehrtätigkeit in Marburg in den vergangenen Jahren entstanden sind“, sagt Handke.

„Wie sieht die Hochschule im Jahr 2030 aus? Wie lehrt man? Wie lernt man?“, sind Fragen, mit denen der bayerische Minister ihn vor ein paar Wochen betraut habe. „Lernen entwickelt sich immer mehr zum Selbstlernen. Den klassischen Power-Point-Vortrag wird es in Zukunft nicht mehr geben. Statt Sitzreihen wird es immer mehr Lerninseln geben, an denen Studenten diskutieren und selbstständig arbeiten können“, prophezeit Handke schon jetzt. Die Kommission soll Anfang Oktober ihre Arbeit aufnehmen. Handke wird trotzdem Marburg treu bleiben. „Es sind insgesamt vier Meetings angesetzt, die ich neben meiner Tätigkeit an der Uni Marburg besuchen kann.“

Hintergrund: Im vergangenen Monat hat der Bayerische Ministerrat beschlossen, dass Nürnberg eine eigene Universität mit dem Schwerpunkt Technikwissenschaften bekommt. Diese soll Platz für 5 000 bis 6 000 Studenten bieten und bis 2028 fertiggestellt sein.

von Ruth Korte

Nachgehakt

Dass in Nürnberg eine „neue“ Universität entstehen soll, dürfte viele Leser überraschen, denn seit sich dort in den 1960er-Jahren die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen niedergelassen hat, gilt Nürnberg auf dem Papier bereits als Universitätsstadt. Doch in der fränkischen Stadt sind an der seither offiziell genannten „Universität Erlangen-Nürnberg“ nur die ­Wirtschafts- und die Erziehungswissenschaftler angesiedelt. Der Großteil studiert weiter in Erlangen. Mit mehr als 500 000 Einwohnern ist Nürnberg ­somit die größte Stadt in Deutschland, die keine eigenständige Universität hat.