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Ein Weihnachtslied im Juni

„Joy of Life“: „Luther! Ein Weltmusik-Oratorium“ Ein Weihnachtslied im Juni

Im Jubiläumsjahr der 
Reformation wird viel 
gespielt und gezeigt über und von Martin Luther. Das Luther-Oratorium von Jean Kleeb überzeugte mit seinem ganz eigenen Stil.

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Hochkonzentriert präsentierte sich der Chor „Joy Of Life“ bei der Marburger Erstaufführung des „Luther“-Oratoriums seines Chorleiters Jean Kleeb.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Noch vor dem Programm kündigte Andrea Wöllenstein, Sängerin im Chor „Joy of Life“ und Moderatorin des Konzerts, eine Premiere an: Denn das Luther-Oratorium aus der Feder von Dirigent Jean Kleeb begann mit dem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“ – das von Chor 
und Publikum an diesem sonnigen Junitag gesungen wurde.

Jean Kleebs Weltmusik-Oratorium „Luther!“ unterstrich nicht nur die Vielseitigkeit der Musik und Gedanken von Martin Luther, sondern auch die des brasilianischen Komponisten, der mit vielen verschiedenen Musikstilen arbeitet. Die sind in seinem Werk fast alle vertreten: Mal verwoben sich die Stimmen kontrapunktisch wie in der Musik der Renaissance, mal durchbrachen Cluster und atonale Tendenzen Neuer Musik den harmonischen Chorgesang.

Chor und Orchester „Joy of Life“ der Kurhessischen Kantorei Marburg: Nadine Balbeisi.

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Das Oratorium sei eine Hommage an die Individualität, sagte 
Wöllenstein. Und das stimmt. Denn Jean Kleeb machte selbst jedes Zitat zu seiner eigenen Musik, auch durch die Begleitung des Orchesters. So auch das zu Beginn gesungene „Vom Himmel hoch, da komm’ ich her“, das Martin Luther geschrieben hat.
Mit rhythmischer, schwungvoller Begleitung, immer wieder neuen harmonischen Ansätzen und dem kraftvollen Gesang von „Joy of Life“ wirkte dieses Stück nicht wie das bekannte Weihnachtslied, sondern viel frischer und in einen neuen Kontext gestellt.

Auch „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“, eines der wichtigsten Lieder des evangelischen Gesangbuchs, wirkte in der Jazzfassung mit Klavierbegleitung wie ausgewechselt. Dazu dirigierte Jean Kleeb, wie üblich, engagiert und mitreißend und tanzte besonders bei den schwungvollen Stücken mit. Gerade bei den kräftigen Chorpartien wippten viele Besucher der fast ausverkauften Pfarrkirche mit den Füßen mit. Klaus Schloßmacher, der mit World-Percussion und am Schlagzeug für rhythmische Akzente sorgte, wurde am Ende vom Publikum besonders umjubelt.

Als Solisten traten Bariton Jochen Faulhammer und die Sopranistin Nadine Balbeisi auf. Balbeisi stimmte mit Fernando Marín an der Vihuela de arco als Duo Cantar alla Viola auf das Luther-Oratorium ein, das zum Abschluss des Zeitreise-Fests in der Pfarrkirche erklang.

Publikum ist begeistert

Die gefühlvolle, stille Interpretation der Werke aus der Renaissance stellte einen starken Kontrast zum mitreißenden, oft wuchtigen Oratorium von Jean Kleeb dar. Auch die Solo-Partien des Oratoriums wirkten oftmals wie zu starker Kontrast zum Chor, der die Lutherische Pfarrkirche mit einem warmen, geschlossenen Klang erfüllte. Balbeisi verfügt über einen wunderschönen, hellen Sopran mit hervorragender Technik, den sie bei Konzerten mit „Joy of Life“ schon unter Beweis stellte. Faulhammers kräftiger Bariton fügte sich jedoch besser ins kräftige Klangbild.

„Marburg ist die einzige Stadt in Hessen, die in direkter Verbindung zu Luthers Wirken steht“, schrieb der Komponist Kleeb im Programmheft. Diese intensive Beschäftigung ist dem in Marburg lebenden Musiker anzumerken, der musikalische und textliche Zitate Luthers in die aktuelle Zeit geführt und damit ein Werk geschaffen hat, das auch abseits des Jubiläumsjahres stehen kann. Das Publikum war begeistert und bedankte sich mit langem Applaus für ein gelungenes Konzert, das immer wieder überraschte.

von Mareike Bader

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