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Marburg Jeder fünfte Marburger kulturell aktiv
Marburg Jeder fünfte Marburger kulturell aktiv
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13:30 28.03.2018
Einer der größten Anbieter der abwechslungsreichen Marburger Kulturszene: das KFZ wo Che Sudaka kürzlich aufgetreten ist. Quelle: Jan Bosch
Marburg

2017 hat die Stadt Marburg bei dem studentischen Beratungsunternehmen „Phlink“ eine Umfrage in Auftrag gegeben. Gefragt wurde unter anderem, wie zufrieden die Marburger mit ihrer Heimatstadt sind, welchen Aufgaben sie besondere Wichtigkeit beimessen und wofür die Stadt Geld ausgeben sollte. Ein großer Fragenblock behandelte die Marburger Kulturszene.

Die Umfrage ist nach Auskunft von OB Dr. Thomas Spies repräsentativ: An zufällig ausgewählte Personen wurden 4000 Fragebögen verschickt. Weitere wurden öffentlich ausgelegt, darüber hinaus konnte man sie online beantworten. In den Stadtteilen Richtsberg, Waldtal und Stadtwald wurden zudem Menschen direkt angesprochen. Zurück kamen 2573 ausgefüllte ­Fragebögen, die der Stadt ein Stimmungsbild geben.

Die Ergebnisse: 89 Prozent leben gerne in Marburg. 81 Prozent schätzen die Attraktivität­ für Familien mit Kindern. 92 Prozent schätzen das breite Bildungsangebot und dass die Stadt Menschen anderer Kulturkreise unterstützt.

Deutlich schlechter schneiden „gute Einkaufsmöglichkeiten“ ab: Da liegt die Zustimmung bei 48 Prozent. Noch düsterer sieht es bei der Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum aus: Nur 3 Prozent stimmen voll und ganz und nur 13 Prozent eher zu.

Kino rangiert ganz oben

„Dass der Wohnungsmarkt so negativ beurteilt wird, hat mich überrascht“, sagt Spies. In der Stadt seien in der jüngeren Vergangenheit 2000 neue Wohneinheiten fertiggestellt worden,­ deutlich früher als das ursprünglich anvisierte Ziel im Jahr 2020.

Deutlich positiver wird in der Umfrage das Marburger Kulturangebot beurteilt. 83 Prozent finden es positiv – die Sportangebote werden noch einmal zwei Prozentpunkte besser ­beurteilt. Entsprechend wichtig wird die Kulturförderung ­gesehen, wobei Frauen diese­ Förderung mit 86 Prozent deutlich wichtiger erachten als ­Männer (77 Prozent).

Beeindruckend an der Umfrage ist eine Zahl, die man kaum glauben kann: 20,7 Prozent aller Männer und 18,3 Prozent aller Frauen sind selbst im Kulturbereich aktiv. Das sind rund 15 000 Menschen, die Theater­ spielen, singen, musizieren, malen oder sich ehrenamtlich engagieren.

Und welche Veranstaltungen besuchen die Marburger? Ganz oben rangiert bei Männern (79 Prozent) und Frauen (74 Prozent) das Kino. In dieser Hinsicht ist das Angebot in Marburg mit 14 Kinosälen überragend.
Dahinter folgen mit 60 und 61 Prozent Konzerte (Rock, Pop, Klassik und Chöre) und die Darstellende Kunst, also Theater, mit 43 Prozent (Männer) beziehungsweise 33 Prozent (Frauen).

Die letztere Angabe widerspricht Zählungen im Zuge der geschlechtergerechten Finanzierung (Gender-Budgeting): Demnach besuchen eigentlich deutlich mehr Frauen Theater, Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen – mit einer Ausnahme: Rock- und Pop-Konzerte sind eher eine Männerdomäne.

Deutlicher wird dies bei der Frage nach den besuchten Kultureinrichtungen: Da liegen die Frauen überall vorne – mit Ausnahme des soziokulturellen Zentrums Café Trauma, das aber bei der Nutzung eher abgeschlagen ist. Ganz vorne rangiert das Kulturzentrum KFZ: mehr als 50 Prozent alle Befragten besuchen es. Wie häufig, geht aus der Umfrage nicht hervor. Ginge es nach der Stadtverordnetenfraktion von MBL und FDP würde das erfolgreiche Zentrum übrigens geschlossen.

An zweiter Stelle wird die Waggonhalle genannt (46 Prozent und 42 Prozent). Danach folgen das Landestheater (36 Prozent / 30 Prozent) und die Stadtbücherei (39 Prozent / 28 Prozent).

Kulturszene nicht elitär

OB Spies und Dr. Richard ­Laufner, Fachdienstleiter Kultur, zeigten sich von den Ergebnissen positiv überrascht: „Kultur wird oft als eher elitärer Bereich wahrgenommen. Im ­breiten Marburger Kulturangebot finden sich aber offensichtlich alle wieder“, sagt Laufner.

Geht es darum, wofür die Stadt mehr Geld ausgeben sollte, landen Kulturangebote mit Feuerwehr und Sportförderung deutlich hinter der Modernisierung der Schulen, dem Ausbau von Kindertagesstätten oder dem Wohnungsbau und öffentlichen Personennahverkehr. Spies führt dies auf die Zufriedenheit der Marburger mit diesen ­Angeboten und Einrichtungen zurück.

Für ihn ist die Umfrage auch eine „Bestätigung für die Investitionen der Stadt in soziokulturelle Zentren“. Sie mache auch deutlich, dass die Kulturszene­ in Marburg „kein elitärer Bereich, sondern für alle breit zugänglich ist: Jeder findet was, was ihn anspricht.“ Dies sei die Leistung von acht Jahren Egon Vaupel, zwölf Jahren Dr. Kerstin Weinbach und 20 Jahren Dr. Richard Laufner. Das schlägt sich auch im Kulturetat nieder: Er soll in diesem Jahr von 4,2 auf 4,6 Millionen Euro steigen.

von Uwe Badouin