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Jazz riecht nicht komisch – nicht in Marburg

JIM Jazz riecht nicht komisch – nicht in Marburg

Seit 30 Jahren hält die Jazz-Initiative Marburg die Jazz-Musik am Leben. Am Montag beginnt die Festwoche der JIM.

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Andreas Völk (von links), Manuel Steinhoff, Christian Gerhard und Martin Müller.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Alte Männer mit Brillen und runden Bäuchen, Männer, deren Haupthaar längst vom Schädel in die Region zwischen Nase und Kinn umgezogen ist, wippen bierglasbewehrt und scheinbar geistesabwesend zum Rhythmus einer Musik, deren Rhythmus eben nur geistesabwesende alte Männer mit Bierglas, Brille und rundem Bauch erkennen. Noch mehr Klischees gefällig, vielleicht das meistzitierte? Jazz ist nicht wirklich tot, aber er riecht zumindest komisch. Also ätzte Frank Zappa.

Wäre der noch unter den Lebenden, könnte er sich in Marburg vom Gegenteil überzeugen. Da riecht nämlich nichts komisch, wenn sich Andreas Völk, Manuel Steinhoff, Christian Gerhard und Martin Müller in der Cavete zum Jammen treffen: „Diesmal hatten wir uns hauptsächlich Stücke von Wayne Shorter vorgenommen“, erzählt Völk nach der letzten Zugabe. Der 21-jährige Gitarrist brach auf geradem Weg von seinen ersten Gehversuchen auf der Open Stage – unter anderem mit der Schützenhilfe von Michael Sagmeister und Roman Klöcker - zum Musikpädagogikstudium nach Osnabrück auf. Berufsziel? Klar, Profi. So einer ist der 33-jährige Steinhoff bereits, der Bassist ernährt seine Familie mittlerweile als stilübergreifender Berufsmusiker.

Nicht mehr so ganz einer von den jungen Wilden, aber eben auch noch kein alter Hase sei er, sagt der Bassist, der immer wieder nach Marburg zurückkommt, um mit seinen Sessionkollegen zusammen zu spielen. Martin Müller ist freiberuflicher Diplompsychologe, für ihn ist der Jazz reines Hobby. Ebenso lange wie Müller spielt Christian Gerhard „hobbymäßig“ Klavier. Der Rettungssanitäter erzählt, dass auch er sich lange mit dem Gedanken eines Musikstudiums beschäftigte, bevor er seinen heutigen Beruf aufnahm. Über die Abende in der Cavete sagt er begeistert:

„Das ist schon ‚ne einmalige Nummer hier in Marburg – die Lockerheit findest du anderswo kaum.“ Völk stimmt ihm zu, und es klingt fast ein wenig wehmütig, als er sagt: „Ich vermisse die Cavete schmerzlich, in Osnabrück gibt es eine solche Szene nicht.“ Nicht immer spielen die vier vor vollem Saal, bisweilen verirrt sich nur eine Handvoll Gäste in den Club am Steinweg, wenn die Bühne offensteht für all jene ambitionierten Amateurmusiker und sessionfreudigen Profis, die die Jazzinitiative seit mittlerweile drei Jahrzehnten anzieht.

von Carsten Beckmann

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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