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Marburg "Jammern" auf hohem Niveau
Marburg "Jammern" auf hohem Niveau
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17:52 22.01.2013
Treten seit rund 40 Jahren auf: Rainer Husel (links) und sein legendäres Marburger Jammerorchester.Foto: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Drei junge Musiker und Hits aus vier Jahrzehnten - das war der eine Teil des Konzerts. Kevin Barth und Heiko Forro machen bereits seit dem Jahr 2007 zusammen Musik und Mona Hacker stieß 2011 zu den „Appletrees“ - ein neuer Bassist wird derzeit noch gesucht. Bei ihrem Auftritt am Samstag wurden die drei von Rainer Husel unterstützt. Dessen „Jammerorchester“, das den zweiten Teil des Konzerts bestritt, besteht indes fast schon über denselben Zeitraum, den die „Appletrees“ musikalisch abdecken, nämlich 40 Jahre.

Eigentlich müsste Rainer Husel schon längst im Bett sein, aber das Altenzentrum habe ihm Ausgang gegeben, scherzte Kevin Barth dann auch prompt, als Husel gemeinsam mit den „Appletrees“ auf der Bühne stand. „Richtig scheiße fände ich, wenn ich in zwei Wochen Abitur schreiben müsste“, konterte „Aushilfsbassist“ Husel. Die Lacher auf ihrer Seite hatten die Musiker auch, als sie die Konzertbesucher aufforderten, doch näher nach vorn an die Bühne zu kommen: „Wir sind alle sehbehindert, wir sehen euch nicht“.

Eine Aufforderung zur guten Laune war allerdings nicht nötig. „The Appletrees“ brachten viele Zuhörer sofort zum Tanzen und 120 Menschen machten Stimmung für ein ganzes Festival. „Mrs. Robinson“ und Lady Gaga gehören zum Stilmix der jungen Band und auf die „Road to Mandalay“ machen sie sich ebenso wie auf die Spuren von Sting oder „Midnight Oil“.

Nach einer Pause ging es dann mit Rainer Husel und seinem „Jammerorchester“ weiter - der akustischen Version des „Hammerorchesters“, wie er erklärte. „Das nächste Lied ist ein Liebeslied“, hieß es als running Gag. Ein Liebeslied „hoch minus eins“. Oder zumindest dann ein Liebeslied, wenn man nur lange genug darüber nachdenke. Und sogar ein Liebeslied, wenn es „Niemand hat mich richtig lieb“ heißt.

Wenn der Nachbar in der Marburger Oberstadt übrigens zu einer vierwöchigen Kur aufbricht und vergisst, seinen Wecker auszustellen, der dann allmorgendlich um halb vier bei geöffnetem Fenster ertönt, dann wird daraus natürlich auch ein Lied beim „Jammerorchester“.

Dass darin von „Hochhäusern“ gesungen wird, ist nur dem Umstand geschuldet, dass man auch in Frankfurt damit auftreten können will. Gemeint sei trotzdem Marburg, bekamen die Zuschauer erzählt.

Auch einen Vergleich mit den Rolling Stones scheut das „Jammerorchester“ nicht. Dass die sich über Jahrzehnte ganz oben gehalten haben, das sei eine Gemeinsamkeit: „Wir sind auch seit über 30 Jahren ganz oben, heute zum Beispiel oben auf dem Schlag-Berg.“

Zum Schluss gab es dann noch einen gemeinsamen, umjubelten Auftritt vom „Jammerorchester“ und „The Appletrees“.

von Nadja Schwarzwäller

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