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Marburg Jäger im Kreis sollen weiter Steuer zahlen
Marburg Jäger im Kreis sollen weiter Steuer zahlen
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00:18 30.11.2018
Auf dem gestellten Foto sitzt ein Jäger auf einem Hochsitz mit seinem Jagdgewehr. Quelle: Bernd Wüstneck
Marburg

„Wer zahlt schon gerne Steuern“, sagt Dr. Gerhard Willmund, Vorsitzender der Jägervereinigung Marburg. Ob Grundsteuer B, Hunde- oder eben Jagdsteuer – kein Bürger zahle sie gern, sagt der Jäger aus Wohratal. Willmund ist nicht per se gegen Steuern. Aber für die Jagdsteuer fehlt ihm das Verständnis. „Der Jäger erbringt mit hohem zeitlichen und materiellen Aufwand eine Dienstleistung für Umwelt- und Naturschutz, für die Öffentlichkeit – und soll dafür auch noch Steuern zahlen“, sagt er. Das sei ungerecht.

Der Landkreis nimmt rund 90.000 Euro pro Jahr über die Jagdsteuer ein. Im Vergleich zu den alljährlichen 150 Millionen aus Kreis- und Schulumlage wirken die 90.000 Euro der Jäger vergleichsweise mickrig. Der Kreis will sie gleichwohl nicht missen. Und so manche soziale Einrichtung, die vom Kreis Zuschüsse erhält, wohl auch nicht.

Laut Kreissprecher Stephan Schienbein ist die Jagdsteuer die einzige Steuer, die der Kreis erhebt. Sie sei „ein nicht unerheblicher Bestandteil des Haushaltsplanes“. Zudem sei sie vom Kreistag mehrheitlich beschlossen worden.

Steuerzahlerbund: "unzeitgemäße Bagatellsteuer"

Der Bund der Steuerzahler Hessen fordert dagegen seit Jahren das Ende der Jagdsteuer. Der Verein spricht von einer unzeitgemäßen Bagatellsteuer, deren Erhebung viel Arbeit mache und vergleichsweise wenig einspiele. Schienbein erwidert, dass die Jagdsteuer einmal jährlich im Oktober erhoben werde und der Verwaltungsaufwand dafür gering sei.

Die Steuerlast richtet sich nach der Pacht, die der Jäger für sein Revier zahlt. Zurzeit gehen 7,5 Prozent der Jagdpacht als Steuer an den Kreis. Im Schnitt sind rund 340 Euro fällig.

Grafik zur Erhebung der Jagdsteuer in Hessen. Quelle: Grafik: Nikola Ohlen

In vielen Bundesländern gibt es gar keine Jagdsteuer. Hessen ist in der Sache ein geteiltes Land: Von 21 Landkreisen erheben elf eine Jagdsteuer. Der Satz reicht von 7,5 Prozent wie im hiesigen Kreis bis zu 20 Prozent wie im Lahn-Dill-Kreis.

„Der Kreis wäre gut beraten, den Steuersatz auf 0 zu setzen“, findet Jäger Willmund. Insbesondere mit Blick auf die nahende Afrikanische Schweinepest müsse kritisch hinterfragt werden, ob Jäger für geleistete Seuchenprophylaxe auch noch Steuern zahlen sollten.

von Friederike Heitz