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Intensive Klänge voller Sensibilität

Konzert Intensive Klänge voller Sensibilität

400 Besucher erlebten am Montag ein ungewöhnliches Konzert des Marburger Konzertchors. Dieser vermittelte unter der Leitung von Siegfried Heinrich Gotteslob sowie den Wunsch nach Frieden und Völkerverständigung.

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100 Sängerinnen und Sänger, 30 Instrumentalisten und ein Vokalquartett musizierten und sangen beim Festkonzert des Marburger Konzertchors in der Kirche St. Peter und Paul.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Der Wintereinbruch war an vielem Schuld: Geschätzte 200 Musikfreunde, die ihr Kommen zugesagt oder Karten hatten, blieben wegen Eis und Schnee doch lieber zu Hause. Die zwei Solo-Sopranistinnen waren erkältet, traten aber trotzdem auf. Hinzu kam noch Pech: Die Instrumentalisten mussten wegen eines Defekts ihres Fahrzeugs den Bus wechseln. Somit verschob sich der Konzertbeginn um 15 Minuten.

Dirigent Professor Siegfried Heinrich informierte das Publikum über die Verzögerung. Der Vorsitzende des Marburger Konzertchors, Dr. Erich Zimmermann, überbrückte mit einer kurzen Festrede geschickt die Zeit. Er ging dabei auf das 40-jährige Bestehen und die Aufführungen von Oratorienkonzerten ein. Eine Seltenheit sei auch, das in einer so langen Periode von 40 Jahren Siegfried Heinrich Dirigent und somit für alle künstlerischen Belange zuständig sei. Dafür sei Heinrich ebenso zu danken wie für seine hervorragende Kulturleistung als Vermittler der Friedensbotschaft und Aussöhnung, insbesondere mit den osteuropäischen Ländern. Siegfried Heinrich habe dabei etliche Generationen im Chor an die Musik herangeführt, zollte Zimmermann Heinrich Respekt.

Respekt auch den Virtuosi Brunensis: Kurze Sitzprobe, schnelles Stimmen – und schon eröffneten sie mit Schuberts Sinfonie Nr. 7 in h-Moll, „Die Unvollendete“, die Soiree. Dass bei den Instrumentalisten über den Abend verteilt immer wieder innere Unruhe bis hin zur Unkonzentriertheit spürbar war, kann mit der problematischen Anreise entschuldigt werden.

Lothar Voigtländers Recital „Si vis pacem“ erklang als Marburger Erstaufführung. Es ist eine musikalische Collage aus verschiedenen Text- und Bildvorlagen alter Schriften mit der Bitte um Frieden als zentrales Thema. Die Mezzosopranistin Barbara Schmidt-Gaden, schon mit der Uraufführung betraut, gestaltete singend und sprechend mit bewundernswerter Intensität meditative Elemente bis hin zu spannungsvollen Tonebenen von extremer Klangdichte, denen die tschechischen Virtuosen Kontur und Farbe verliehen.

Krönender Abschluss war Mozarts c-Moll-Messe KV 427. Der Marburger Konzertchor, verstärkt durch den Frankfurter Konzertchor und Bad Hersfelder Festspielchor, sang mit fast durchgängig hoher Textverständlichkeit kraftvoll die bis zu achtstimmig sich auftürmenden Chorbauten.

Die vier Vokalsolisten Olivia Ohl-Szulik (Sopran), Barbara Schmidt-Gaden (Mezzosopran), Sebastian Kohlhepp (Tenor) und Florian Kresser (Bass) ließen vom Solo bis zum Quartett immer wieder ihre Klasse aufblitzen. Die Virtuosi Brunensis begleiteten dabei etwas kraftlos, wobei sich einzelne Instrumentalisten als Begleiter der Soli auszeichnen konnten.

Siegfried Heinrich führte mit leichter Hand die 100 Sängerinnen und Sänger, die 30 Musiker und das Vokalquartett. Routiniert unauffällig glättete er tonale, rhythmische und dynamische Unebenheiten.
Das Publikum bedankte sich mit fünfminütigem prasselnden Applaus, der für den Marburger Konzertchor und Siegfried Heinrich immer wieder verstärkt aufbrauste.

von Helmut Rottmann

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