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Marburg Insolventes Backhaus Horst ist gerettet
Marburg Insolventes Backhaus Horst ist gerettet
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00:17 30.01.2019
Das Backhaus Horst – hier die Filiale in Marburg – hatte im vergangenen Oktober Insolvenz angemeldet. Nun übernimmt die Bäckerei Steinmüller aus Langgöns das Geschäft. Quelle: Tobias Hirsch
Fronhausen

Wie die Kanzlei Schultze & Braun am Freitag mitteilte, übernehme die Bäckerei Steinmüller GmbH mit Sitz in Langgöns das Unternehmen zum 1. Februar. Dem von Insolvenzverwalter Dr. Michael Lojowsky erarbeiteten Konzept haben die Gläubiger demnach einstimmig zugestimmt.

Lediglich die beiden Filialen in den Kaufland-Märkten Schwalmstadt und Korbach würden wahrscheinlich geschlossen. „Sie können aufgrund ihrer Entfernung zu den Produktionsstätten sowohl des Oberhessischen Backhauses Horst als auch der neuen Eigentümerin nicht wirtschaftlich betrieben werden“, verdeutlichte Lojowsky. Sofern kurzfristig keine anderweitige Lösung gefunden werde, müssten diese Filialen leider aufgegeben werden.

Im Gespräch mit der OP verdeutlichte der Insolvenzverwalter allerdings, dass er für beide Filialen noch in Verhandlungen mit potenziellen Interessenten stehe. „Ob daraus noch etwas wird, kann ich aber heute noch nicht sagen.“ In jeder der Filialen seien jeweils drei Mitarbeiterinnen beschäftigt – deren Jobs stünden also noch auf der Kippe. Lojowsky schränkt jedoch ein: „Allerdings handelt es sich ohnehin um befristete Verträge, die in Kürze auslaufen würden.“

Auch die bisherige Backstube des Oberhessischen Backhauses Horst in Fronhausen wird nicht weiter betrieben – vielmehr verlegt der neue Eigentümer die Produktion nach Langgöns.

Mitarbeiter können nach Langgöns wechseln

„Durch die Verlagerung wird aber kein Arbeitsplatz verloren gehen“, sagt der Insolvenzverwalter. Alle Mitarbeiter der Produktion und der Verwaltung in Fronhausen hätten das Angebot erhalten, zur Bäckerei Steinmüller nach Langgöns zu wechseln. Und sie hätten signalisiert, dieses Angebot auch anzunehmen. Ebenso würden alle Mitarbeiter der sieben übernommenen Filialen in Marburg, Sterzhausen, Fronhausen und Gießen ebenfalls in die Bäckerei Steinmüller integriert. „Das ist ein hervorragendes Ergebnis“, freut sich Lojowsky – insgesamt seien dies 60 Arbeitsplätze.

Michael Lojowsky führte den Geschäftsbetrieb der Bäckereikette in den vergangenen Monaten erfolgreich fort: „Durch das hervorragende Engagement der Mitarbeiter und die Ausweitung des Angebots ist es uns sogar gelungen, unsere Umsatzerwartungen während des Verfahrens zum Teil zu übertreffen“, sagt er. Damit sei es möglich gewesen, mit Unterstützung der darauf spezialisierten M&A-Beratung Saxenhammer aus Berlin gezielt nach potenziellen Investoren zu suchen. Außerdem habe die Sparkasse Marburg-Biedenkopf das Verfahren außerordentlich gut begleitet und unterstützt.

Neuer Inhaber will Konzept nahtlos fortsetzen

Das Interesse an der Übernahme von einzelnen Filialen der 1859 gegründeten Handwerksbäckerei war sehr groß – das hatte Lojowski bereits zu Beginn der Insolvenz im Gespräch mit der OP gesagt. „Das Oberhessische Backhaus Horst verfügt über eine sehr bekannte und im Markt gut eingeführte Marke. Es ist eine Bäckerei, die hohen Wert auf Qualität legt“, sagt der Insolvenzverwalter.

Umso mehr freue es ihn, dass mit der Bäckerei Steinmüller ein Investor gefunden wurde, der das Konzept des Oberhessischen Backhauses nahtlos fortführen möchte. „Beide Bäckereien haben ähnliche Philosophien und hohe Ansprüche an die Qualität ihrer Produkte. Insofern passt das Oberhessische Backhaus gut zur Bäckerei Steinmüller“, sagt Lojowsky.

Markus Habla als Geschäftsführer der Bäckerei Steinmüller freut sich, „das Beste aus zwei Backtraditionen“ zukünftig den Kunden am Markt präsentieren zu können. Die Bäckerei Steinmüller beabsichtigt, das Oberhessische Backhaus als Marke weiterzuführen.

Die Kunden müssen sich daher nicht umgewöhnen. Gleichermaßen sollen die traditionellen Rezepte und die handwerkliche Herstellung beibehalten werden. „So bleibt nicht nur der Name, sondern auch die Backtradition erhalten“, ergänzt Lojowsky.

von Andreas Schmidt