Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Innigkeit beim Kämmen und Läuse knicken

Brüder Grimm Innigkeit beim Kämmen und Läuse knicken

Marburg steht unter dem Jahresmotto „Grimm & Co“. Morgen setzt Steffen Martus mit seiner Lesung in der Universitätsbuchhandlung Elwert einen besonderen Akzent. Er stellt ab 20 Uhr seine wohlgelungene Grimm-Biografie vor.

Voriger Artikel
Freiheitsstrafen nach Doppel-Raub in Cappel
Nächster Artikel
Robbie Williams zeigt, dass es ihm gut geht

Jacob und Wilhelm Grimm studierten in Marburg Jura und die Literaturszene.

Marburg. Grimm’s Märchen stehen in so ziemlich jedem Haushalt. Über die beiden Brüder weiß man, dass sie diese Märchen gesammelt und vielleicht noch, dass sie das „Deutsche Wörterbuch“ zusammengestellt haben. Warum und wieso sie dies taten, das erklärt Steffen Martus auf mehr als 500 Seiten, der Anhang umfasst weitere 100 Seiten: Klar, da war ein Germanistik-Professor am Werk.

Dass dieses Werk keine seelenlose Sammlung von Fakten und Analysen ist, sondern beide Brüder sehr lebendig in ihrer Familie, in ihrer Zeit und in einem weit verzweigten Netzwerk eingebettet schildert, ist ein großes Glück für den Leser. Denn es macht die Lektüre zu einem kurzweiligen und lehrreichen Vergnügen.

Jacob und Wilhelm sind die beiden ältesten Söhne des Ehepaars Dorothea und Philipp Wilhelm Grimm. Sie werden in den Jahren 1785 und 1786 in Hanau geboren, das damals ein Regierungssitz mit Lateinschulen und Gymnasium, Theater und Zeichenakademie ist. Die Grimms sind eine angesehene Familie von Pfarrern und Beamten. Die Mutter näht, strickt und liest gern Romane, der Vater studierte Rechtswissenschaften in Hanau, Herborn und Marburg. Er arbeitet als Advokat, als Stadt- und Landschreiber, dann wird er Amtmann und nach Steinau versetzt.

Die Kinder werden nach den Grundsätzen der Reformpädagogik mit viel Zuwendung erzogen. Gerne erinnert sich Jacob, wie er im Schoße seiner Mutter lag, die ihn kämmte und Läuse „knickte“. Die Tante bringt ihnen das Lesen bei, der Vater sieht vor dem Kaffeetrinken nach Pferden und Kühen.

Die Idylle zerbricht, als Vater Grimm 1795 an Lungenentzündung stirbt. Die Witwe steht fast mittellos mit ihren mittlerweile sechs Kindern da, darunter „5 hoffnungsvolle Knaben“, so schreibt sie an den Fürsten. Nur eine winzige Pension kann sie erbetteln.

Alle Hoffnungen und Erwartungen der Familie liegen nun auf Jacob und Wilhelm, sie sollen möglichst bald die Schule abschließen, studieren und dann für den Unterhalt sorgen.

von Christine Krauskopf

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg