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Innig und mit feuriger Inbrunst

Eckelshausener Musiktage beendet Innig und mit feuriger Inbrunst

Die Musiktage unter dem Motto „Königsmusik“ sind Vergangenheit. Aber nach dem Festival ist vor dem Festival. Und so hat der künstlerische Leiter Julius Berger bereits ein Thema für das kommende Jahr parat.

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Das Daroch-Trio musizierte am Montagabend im zum Abschluss der Eckelshausener Musiktage Fürstensaal. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Foto: Nadine Weigel

Marburg. Beim Abschlusskonzert der 26. Eckelshausener Musiktage im Fürstensaal des Marburger Landgrafenschlosses war der künstlerische Leiter Julius Berger zwar nicht persönlich dabei. Aber der vielbeschäftigte Meistercellist telefonierte am Pfingstmontag kurz vor Beginn mit dem Festivalteam und teilte ihm mit, dass er das Thema für die 27. Auflage des internationalen Kammermusikfestivals an der oberen Lahn gefunden habe. Es werde um „Dialoge“ gehen, sagte Festivalkoordinatorin Mareile Zürcher im Gespräch mit der OP, nachdem eine Zeit lang auch „Mythen“ diskutiert worden sei.

Und Pressesprecherin Katharina Zürcher betonte, dass Berger nicht nur als ausübender Künstler, sondern auch aufgrund seiner freundschaftlichen Kontakte zu hochkarätigen Musikerkollegen unverzichtbar für den Fortbestand des Festivals sei. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Eckelshausener Musiktage nicht die Honorare zahlen können, die beispielsweise beim Rheingau-Musikfestival üblich sind.

Durchschnittlich habe die Auslastung der 26. Musiktage bei 80 Prozent gelegen, berichtete Katharina Zürcher. Auch wenn damit nicht der Publikumszuspruch des 25. Jubiläums getoppt werden konnte, sei man hochzufrieden. Zumal auch der künstlerische Ertrag in jeder Hinsicht stimme. Für viele Besucher, die alle zehn Konzerte gehört hatten, darunter auch zwei Mitglieder des Konzertverein-Vorstandes, ragten der ausverkaufte Beethoven-Abend mit dem Henschel-Quartett in Bad Laasphe, das leider nur von 40 Zuhörern wahrgenommene Casanova-Gesprächskonzert in Biedenkopf und das Festivalfinale mit dem „Daroch-Trio“ heraus.

Maria, Anna und Tomasz Daroch bewegten die 150 Zuhörer im Fürstensaal mit einer Innigkeit des Miteinandermusizierens, wie sie vielleicht nur unter Geschwistern möglich ist. Dies führte gleich in Ludwig van Beethovens herrlichem „Erzherzogs-Trio“, das als Krone der Gattung Klaviertrio gilt, zu einem rundum beglückenden Hörerlebnis. Pianistin Maria Daroch spielte mit kristalliner Klarheit und ließ sich nie dazu hinreißen, was ihr ein Leichtes gewesen wäre, die beiden Streicher zu übertrumpfen.

Der betörend süße Geigenton von Anna Daroch und der warme Cello-Wohlklang von Tomasz Daroch vermählten sich aufs Schönste im jugendfrisch-schwungvollen G-Dur-Trio des 18-jährigen Claude Debussy, der dort noch nicht als Impressionist auftritt, sondern auf den Spuren des Opernkomponisten Jules Massenet wandelt.

Bis dahin wäre das Programm mit fast 75 Minuten Spieldauer eigentlich schon abendfüllend gewesen. Nicht für das „Daroch-Trio“, das sich nach der Pause dem gut halbstündigen „Dumky“-Trio von Antonin Dvorák widmete: mit feuriger Inbrunst in den schnellen tanzartigen Teilen und mit ausdrucksvoll schwelgendem Gesangston in den oft schwermütig getönten Abschnitten der sechs instrumentalen Lieder, die ihren Ursprung in der ukrainischen Volksmusik haben.

Da der Applaus danach kein Ende nehmen wollte, spielten die drei Geschwister noch einen geradezu in die Beine fahrenden Tango von Astor Piazzolla.

von Michael Arndt

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