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Marburg Radweg auf die Lahnberge ist fertig
Marburg Radweg auf die Lahnberge ist fertig
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00:21 26.11.2018
Der Waldweg zwischen dem Alten Kirchhainer Weg und den Lahnbergen ist fertig ausgebaut. Auf Asphalt und Beleuchtung musste die Stadt verzichten. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Ausbau bis zur Mensa ja, Beleuchtung oder Asphalt nein. Nach monatelangen Ausbauarbeiten ist der Waldweg, der den Alten Kirchhainer Weg mit dem Uni-Gelände verbindet, nun nahezu fertiggestellt worden.
Damit sei Marburg um eine alternative Anbindung auf die Lahnberge reicher, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies während der offiziellen Einweihung am Dienstag. Eine bessere Verbindung fordern Radfahrer bereits seit Jahren. Die rund zwei Kilometer lange Strecke besteht aus einer verdichteten Split-Schotter-Schicht. Auf Asphalt wurde verzichtet.

Der Ausbau mit einer sogenannten Sand-wassergebundenen Decke war ein jahrelanger Streitpunkt zwischen der Stadt und Hessen Forst. Ebenso wie der Anschluss des letzten Streckenabschnitts: Bisher­ endete der ausgebaute Teil des Wegs unterhalb der Mensa, die letzten 300 Meter wurden nun ebenfalls geschottert. Diesen Teil finanzierte die Stadt mit rund 10 000 Euro. Seit 2015 hatten Verwaltung und Landesbetrieb über die ­genaue Umgestaltung des Waldwegs verhandelt.

Stadt wollte befestigte Radroute

Denn: Die Stadt wollte eigentlich eine ausgebaute, befestigte Radroute samt Beleuchtung entlang der Strecke bis hinauf zur Mensa. Auch aus der Bevölkerung kam von verschiedener Stelle die Forderung nach einer beleuchteten Route mit Asphaltdecke zur besseren Befahrbarkeit. Ein asphaltierter Weg im Wald oder Laternen entlang der Strecke lehnt Hessen Forst und damit das Land allerdings strikt ab.

Kernpunkt des Streits ist ein Interessenskonflikt zwischen den verschiedenen Nutzern: Hessen Forst nutzt den Waldweg für die Forstwirtschaft. Geschotterte Wege im Wald benötigen weniger Pflege als Asphaltdecken, eignen sich laut Hessen Forst eher für eine sparsame Bewirtschaft mit schwerem Gerät und trügen dem Umweltgedanken Rechnung. Ein asphaltierter Weg widerspreche dem heutigen Standard, „es ist und bleibt ein Waldweg“, erklärte Peter Becker vom Forstamt Kirchhain.

Hessen Forst: Beleuchtung nicht akzeptabel

Wirtschafts- und Radwege müssten zudem klar voneinander unterschieden werden, alleine aus Gründen der Haftung: Andernfalls hätte der bisherige Wirtschaftsweg zum Radweg umgewidmet werden müssen, was deutlich mehr Arbeit und Verpflichtungen beim Unterhalt bedeutet hätte. Darunter etwa strikte Vorgaben zur Verkehrssicherheit, die auf einem Waldweg kaum umsetzbar seien.

Darüber hinaus könnte ­eine permanente Beleuchtung die Tierwelt im Wald stören, für fest installierte Laternen hätten zudem weitere Bäume gefällt werden müssen, außerdem hätten diese die Forstarbeiten behindert, „wir kämen nicht mehr an alle Bäume heran“, sagt Becker. Eine Beleuchtung hätte Hessen Forst nicht akzeptiert, selbst wenn die Stadt die Kosten übernommen hätte. Am Ende einigte man sich darauf, auf Beleuchtung und Asphalt zu verzichten.

Spies: "guter Kompromiss"

Dafür baute Hessen Forst auch die restliche Wegstrecke bis zur Mensa aus, auf Kosten der Stadt. Darauf habe man sich Anfang des Jahres geeinigt, die jahrelange Debatte damit beendet und sich auf den nun fertigen „tragbaren Kompromiss“ geeinigt. „Radfahrer werden sagen, dass er nicht optimal ist, aber aus Sicht der Forstwirtschaft ist das Maximum erreicht worden – es ist ein sehr guter Kompromiss“, meinte Spies.

Mit dem neuen­ Weg sei eine weitere Anbindung an die Lahnberge als „eine der Hauptachsen“ der Stadt zugunsten des Radverkehrs und der Pendler geglückt. Demnächst soll noch die Beschilderung der Strecke erfolgen. Für den Unterhalt des Wirtschaftsweges ist der Landesbetrieb zuständig. Der soll ebenfalls die Pflege der letzten 300 Meter der Stadt übernehmen. Über einen Gestattungsvertrag wird derzeit noch verhandelt.

von Ina Tannert