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Marburg Tanzen – bis der Boden glüht
Marburg Tanzen – bis der Boden glüht
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00:19 02.12.2018
Die „Danceperados of Ireland“ begeisterten 500 Zuschauer im Erwin-Piscator-Haus mit einer mitreißenden Tanzshow rund um Weihnachten in Irland. Quelle: Melanie Weiershäuser
Marburg

Der irische Stepptanz ging direkt ins Blut, sein Stakkato trug das Publikum wie ein fortwährender Herzschlag durch den Abend. Die Tänzerinnen und Tänzer steppten, bis die Halle bebte und der Boden glühte. Fast immer war ihr Tanz makellos synchron, voller Variationen und von überschäumender Lebendigkeit. Die durchweg junge Truppe schien über unendlich viel Energie zu verfügen, dabei strahlten alle trotz der Anstrengung die ganze Zeit und versprühten Lebensfreude pur.

Danceperados of Ireland im Erwin-Piscator-Haus in Marburg.

Choreograph Michael Donnellan hat ein Feuerwerk von Ideen auf die Bühne gebracht. Die Tänzer bewegten sich in immer neuen Formationen: Mal waren temporeiche Gruppentänze und Reigen zu sehen, mal traten nur die Männer oder nur die Frauen auf. Es gab eine Polka und einen Besentanz, einmal wurde sogar auf einem Whiskey-Fass gesteppt. Meist kamen die metallbeschlagenen Schuhe zum Einsatz, einmal tanzten die Künstlerinnen aber nur auf weichen Schläppchen und klatschten den Rhythmus mit den Händen dazu.

Live gespielte irische Folk-Musik

Zum stimmigen Gesamteindruck der Show trugen die häufig wechselnden, nie überladen wirkenden Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer bei. Auch das Bühnenbild und die Lightshow waren angenehm zurückhaltend, obwohl es sich um eine Weihnachts-Show handelte. Im Hintergrund wurden häufig Fotos an die Wand projiziert, die nur die schöne irische Landschaft zeigten.

Parallel zum Tanzprogramm gab es viel traditionelle irische Folk-Musik, die nicht vom Band kam, sondern live gespielt wurde. Die Gruppe rund um die Sängerin Geraldine MacGowan spielte perfekt zusammen und verstand es, mit ihrem engagierten Spiel das Publikum mitzureißen. Immer wieder wurden die Zuschauer zum Klatschen, Stampfen und Singen aufgefordert, und alle machten bereitwillig mit. „Wenn es um Musik geht, können wir in Irland nicht leise sein!“, rief MacGowan in die Menge. So ließ die Gruppe die Welt der irischen Musik und ihren lebhaften Rhythmus lebendig werden.

Thema des Abends war Weihnachten in Irland. Hier gab es viele spannende Informationen zu den Bräuchen des Landes und den traditionellen Feiern auf dem Lande. Da viele Iren ihren Lebensunterhalt in den großen Städten oder im Ausland verdienen, ist Weihnachten die Zeit im Jahr, in der die Familien nach langer Trennung zusammenkommen. Es ist die Zeit des Wiedersehens, die Zeit des Feierns und des Tanzens.

Fast zweistündige Show

Ein Brauch ist es, beim Abschied eine Flasche Whiskey in den Schrank zu legen, die dann mit den Heimkehrern zusammen geöffnet wird. Eine weitere Tradition in der Weihnachtszeit ist die Kerze im Fenster, die an die Herbergssuche von Maria und Josef erinnern soll. Kurz nach Weihnachten tauchen dann die urigen Wren-Boys auf, die in wilden Kostümen das alte Jahr vertreiben.

Am Schluss der fast zweistündigen Show war am Samstag die Stimmung auf dem Höhepunkt. Die Tänzerinnen und Tänzer zeigten zu ausgelassener Musik noch einmal ihr ganzes Können. Die Zuschauer waren hingerissen und applaudierten stürmisch, zum Teil im Stehen. Erst nach zwei Zugabe durfte die Truppe die Bühne verlassen.

von Bettina Preussner