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In Klang baden und Musik erleben

Benefizkonzert In Klang baden und Musik erleben

Es war am Samstag im Fürstensaal ein bezaubernder Konzertabend für einen guten Zweck: 230 Besucher, rund 30 Vokalisten von „Klang­farben“ mit Freude an Harmonik und Rhythmik.

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„Klangfarben“ brannte im Fürstensaal ein wahres Feuerwerk hoher Gesangskunst ab.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Es war ein gutes Zeichen: Der Andrang war so groß, dass die bereits aufge­stellten Stühle nicht ausreichten. Schnell wurde Ersatz beigeschafft. Dann ging es los: Im Vorraum sang der Chor mit steigender Dynamik, der Männerchor zog durch die eine Tür ein, durch die andere die Frauen, zum Teil als Hexen und Geister verkleidet, um in der Nische der Nordseite zusammenzutreffen.

Dann brannte „Klangfarben“ unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, selbst Rotarier, ein Feuerwerk hoher Gesangskunst mit Kompositionen des 20. Jahrhunderts als Schwerpunkt ab.

Der Gießener Chor fühlte sich hörbar wohl in Neoklassizismus und klassischer Moderne bis hin zu Zeitgenössischem, bei Chromatiken, Pentatonik und Zwölftontechnik. Er verlieh fast durchweg verschachtelten oder übereinander gelagerten Klangbauten Transparenz. Er zelebrierte lustvoll reibende Intervalle, Chromatiken und für manchen immer noch fremde Harmonien. Mustergültig waren Wechsel in Tempo, Rhythmik und Dynamik, pointiert angereichert mit Knalleffekten.

Dazwischen konnten sich aus dem Chor heraus Helmut Hering, Rita Bayer-Groß und Andreas Dotzauer als Vokal­solisten mit einer kongenial am Flügel begleitenden Marion Bathe profilieren. „Klangfarben“ Gießen zauberte bei Wikanders „Kung Liljekonvalje“ schwebende Klangbilder in zartem Ton mit Modulationen voller Leichtigkeit in den Fürstensaal. Bei Stroopes „The Conversion of Saul“ faszinierte die hohe Präzision von Ton, Rhythmus und Sprache mit nahtlosen Glissandi vom Piano zum Forte. Bei Cardosos „Chromaphonetikos“ vermischten sich schwebende Klänge und mit der Stimme erzeugte Tongeräusche zu immer neuen Klangwolken. Sie schwebten über dem Publikum, umgarnten es und erweckten immer neue Stimmungen und Assoziationen. „Die Stimme ist so wunderbar in der Lage, unerwartete und ihr nicht sofort zuzuordnende Klänge zu fabrizieren. Cardoso war Lehrer von Jean Kleeb, der mir dieses Werk nahelegte“, schrieb Maibaum an den Rezensenten.

„Inmitten von Nymphen geläuteter Wassermusik“

Bei Whitacres „Water Night“ formten sich vorsichtig-sinnliche Töne, die sich zu schwebenden Klangkaskaden mit dynamischen Spitzen entwickelten und entfalteten, in die sich in höchsten Lagen im Forte leichte Unsicherheiten mischten. Maibaums Kommentar zu „Water Night“: „Bei Whitacre baden wir hier in Klang. Um das immer wieder zu erleben, mache ich Musik.“

Eine einzigartig-intensive Interpretation gelang dem Chor „Klangfarben“ mit Distlers „Der Feuerreiter“: Text, Ton, Dynamik mit großem musikalisch-erzählerischem Talent zu fesselnder Dramatik geformt. „Eine besonders beeindruckende Komposition mit einer wunderbar lichten Klangsprache und die vielleicht anspruchsvollste Komposition des Abends für den Chor“ nannte Dirigent Maibaum Frank Martins „Full Fathon Five“ aus den Arielsongs für gemischten Chor nach Shakespeares „Der Sturm“ von 1950, die auch Teil der gleichnamigen Oper sind.

Stetes chromatisches Einschwingen auf sich überlagernde Klangschichten vermitteln Klangbilder voll symbolischer Kraft und suggestiver Wirkung. „Zu Anfang wird der Blick ins tiefe Wasser dargestellt - ein klangliches Verschwimmen des Hineinsehens. Am Ende stehen wir alle inmitten der von Nymphen geläuteten Wassermusik“, ist Maibaums Eindruck.

Uwe Maibaum führte souverän, locker, schwingend, präzise, detailliert, von eng anliegend bis scheinbar den Chor umspannend. Mit Einfühlungsvermögen, mit Elan und Esprit vermittelte er über den Gießener Chor „Klangfarben“ die Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit realer und mystischer Welten. Nach jedem Stück steigerte sich der Beifall, der in rhythmisches Applaudieren mit Bravo-Ruf gipfelte. Bereitwillig gewährten Dirigent und Chor zwei Zugaben.

Freudig über die große Resonanz eines zauberhaften Konzerts stellte der Präsident des Rotary Clubs Marburg, Dr. Bernhard Conrads, die Kultur­loge Marburg vor, für die der Reinerlös dieses Konzerts bestimmt sei. „Behutsam, würdevoll und nachhaltig Menschen Kultur ermöglichen und deren Vertrauen gewinnen“ sei Ziel der Kultur­loge Marburg, so Vorsitzende Hilde Rektorschek. Dies ist im Geiste deckungsgleich mit „Selbstlos dienen“, dem Motto der Rotarier.

von Helmut Rottmann

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