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Marburg „In Cappel gibt es keine Waldrodung“
Marburg „In Cappel gibt es keine Waldrodung“
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13:36 28.03.2018
Solche Rückegassen – unbefestigte Wege für Holzerntemaschinen – finden sich im Cappeler Wald. Die Forstarbeiten sowie das Erscheinungsbild des Waldes werfen vor allem bei Spaziergängern Fragen auf. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

„Das ist schlimmster Vandalismus, was dort in Cappel passiert“, sagte Tanja Bauder-Wöhr, Stadtverordnete der Marburger Linken. Während der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr nahm sie Bezug auf die „gravierende Waldrodung in Cappel“, wie es in dem dringlichen Antrag der Fraktion heißt.

In der Stadtverordnetenversammlung im Februar hatte die Marburger Linke diesen dringlichen Antrag gestellt. Der Magistrat sollte berichten, wer für die Waldrodung im Cappeler Wald – ausgehend vom Eselsgrund in Cappel hoch zum Frauenberg – verantwortlich sei und warum diese verursacht wurde. Von vielen Marburger Bürgern werde die Waldrodung als gravierend empfunden. „Ein Wald ist ein Ökosystem, welches unbedingt zu schützen ist“, heißt es in der Begründung des Antrags.

Der Magistrat hatte daraufhin bei Hessen Forst nachgefragt, denn: „Der Wald gehört uns nicht“, sagte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) während der Ausschusssitzung. Auf die Waldarbeiten in Cappel habe die Stadt keinen Einfluss. Hessen Forst habe ihnen geantwortet, dass es sich um „ganz normale Forstwirtschaft“ handle.

Auf Anfrage der OP sagte Rainer Hellwig vom Forstamt Kirchhain, Leiter der Revierförsterei Cappel: „In Cappel gibt es keine Waldrodung. Die angesprochenen Eingriffe sind gängige Maßnahmen im Zuge einer geordneten Waldbewirtschaftung. Hier werden flächig verjüngte Bestände maschinell erschlossen, um eine spätere Befahrbarkeit auf Rückegassen zu ermöglichen.“ 

Ortsbeiratsitzung

Die Situation im Cappeler Wald ist ein Tagesordnungspunkt während der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirats Cappel am Mittwoch, 27. März. Unter anderem soll es ein Informationsgespräch mit Rainer Hellwig geben.
Um 20 Uhr beginnt die Sitzung in der Verwaltungsaußenstelle Cappel (ehemalige Post). 

Das bedeutet, dass in einem Waldbestand unbefestigte Wege­ angelegt werden, auf denen später die Holzerntemaschinen fahren können, um die Stämme aus dem Forst zu transportieren. Mit diesen sogenannten Rückegassen soll quasi eine Befahrung kreuz und quer durch den Wald vermieden werden. Das Gassensystem in einem Waldstück wird für das gesamte Leben des Bestandes angelegt.

Rückegassen werden möglichst früh angelegt, damit der Bestand genug Zeit hat, sich nach diesem Eingriff zu stabilisieren. Das Kronenmaterial der entnommenen Bäume wird auf den Rückegassen gesammelt. Damit sollen Bodenschäden minimiert werden, denn diese „Reisigmatten“ dienen als Polster, das den Druck der Maschinen flächig abgibt.

Damit die Fahrzeuge beim Rücken der Stämme beispielsweise keine Rinde von den am Rand stehenden Bäumen beschädigen, sollten Rückegassen eine Mindestbreite von dreieinhalb Metern haben. Doch auf solch eine Stammschädigung verwies Bauder-Wöhr während der Ausschusssitzung. Von alten Buchen, die nicht zur Fällung angezeichnet waren, sei die Rinde so sehr zerstört worden, dass sie nicht mehr zu retten seien und ebenfalls abgeholzt werden müssten. Der Leiter der Revierförsterei Cappel sagte, derart „gravierende Schädigungen“ seien ihm nicht bekannt.

von Simone Schwalm und Tobias Hirsch