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Marburg Impro-Spaß rund um das liebe Geld
Marburg Impro-Spaß rund um das liebe Geld
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13:38 28.03.2018
Tom Gerritz (links) und Martin Esters verarbeiteten Geschichten aus dem Publikum. Quelle: Tonia Pöppler
Marburg

Wenn Ökonomen und Psychologen ihre Köpfe zusammenstecken, geht es meist um Geldsorgen oder um geplatzte finanzielle Träume. Und wenn auf die Frage, wer im Marburger Publikum zufrieden mit seiner finanziellen Situation ist, doch einige der knapp einhundert Besucher im Alten Behring-Gutshof tatsächlich die Hand heben, darf gerne auch ein Mangel an Realismus attestiert werden.

Bernd Waldeck, studierter Betriebswirtschaftler, Schauspieler und passionierter Zauberkünstler, veranschaulichte Finanzwissen und Insidergeschichten aus der Geldbranche. Ebenso klärte er kabarettistisch auf, wie clevere Geldanlagen funktionieren und warum man beim Spekulieren eher den Instinkten eines „Börsenaffen” vertrauen sollte, als jemandem, der 27 Semester BWL studiert hat.

Dass Geschichten vom Geld sogar emotional sein können, bewiesen Martin Esters und Tom Gerritz vom Fast Forward Theatre. Spontan und improvisiert bauten sie Szenen aus Bargelderlebnissen aus dem Leben des Publikums. Wie die Geschichte zweier Männer im Schwimmbad, die am Boden eines Schwimmbeckens Geld ­finden.

Dafür würden sie alles­ tun, nur eben nicht ins kalte Wasser springen. Oder das Erlebnis eines Tankstellen-Kunden, dem die Tankrechnung von 40 Euro mit 60 Euro vom Tankwart zurückgezahlt wurde, was dem Kunden sogar heute noch schlaflose Nächte bereitet. Die Zuschauer erzählten bereitwillig von verbranntem Geld in der Mikrowelle und davon, dass Geld auch schimmeln kann.

Notre ­Dame als fremdfinanziertes ­Eigenheim

Dass das Thema Finanzen ganz wunderbar zu Comedy­ und Humor passt, zeigte die Umsetzung der persönlichen Geschichten auf der Bühne. Dabei gelang die Verbindung von finanziellen Fakten aus Drogenhandel und Prostitution, Profi-Fußball und dem Vatikan.

Gelegentlich verliefen sich die Szenen in hintersinnigem Nonsens. Beispielsweise die fiktive Begegnung eines Esel-Touristen mit dem Physiker Niels Bohr, der im Angesicht des flüssigen Vakuums in seinem Hirn zum Erfinder der Bohrmaschine wird. Und das alles während er auf dem Eiffelturm steht und in seine innere Leere blickt.

Bohr zeigt dem Esel-Touristen, wie man aus einem Esel ganz leicht zwei macht und erbt zudem – auf Zuruf aus dem Publikum – die Kathedrale Notre ­Dame als fremdfinanziertes ­Eigenheim.

Als dann Bernd Waldeck erneut die Bühne übernahm, wurde ein risikobereiter Zuschauer gesucht und in Erwin aus ­Beltershausen gefunden. Unter ­einigem Protest seiner Frau opferte er einen 20-Euro-Schein, den Waldeck vermehren wollte. Doch gerade als Erwin sich in Sicherheit wiegte und nach einem enthusiatischen Geldregentanz sein auf 50 Euro vermehrtes Geld zurücknehmen wollte, ging dieses mit einem „Puff“ in Rauch auf. Aber keine Sorge: Am Ende erhielt Erwin seine 20 Euro zurück, sogar mit zwei Euro Zinsen.

von Tonia Pöppler