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Marburg Keine reine Männersache
Marburg Keine reine Männersache
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19:05 20.03.2018
Im nächsten Jahr beginnt die neue Amtsperiode für Schöffen bei Gericht. Quelle: Peter Steffen / dpa
Landkreis

Momentan suchen die Städte und Gemeinden im Kreis wieder Freiwillige. Denn im Herbst ist Schöffenwahl. An Amts- und Landgericht Marburg gilt es, über 150 Stellen zu besetzen. Die neue Amtsperiode startet 2019. An den Amtsgerichten in Kirchhain und ­Biedenkopf sind keine Schöffen im Einsatz.

Schöffen sind ehrenamtliche Richter. Sie haben zwar keine Akteneinsicht, sie dürfen aber Angeklagten und Zeugen Fragen stellen – und sie fällen Urteile. Ihre Stimmen haben das gleiche Gewicht wie die der Berufsrichter. In Prozessen vor dem Amtsgericht richten beispielsweise zwei Schöffen mit ­einem Richter. Sind sich die Laien 
einig, können sie den Juristen also überstimmen.

Bewerbungsformular steht im Internet

Durch Schöffen wird das Volk an Gerichtsverfahren beteiligt. Deshalb sollen die Schöffen möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen reprä­sentieren. Das klappt bedingt. Frauen sind im Landgerichtsbezirk Marburg beispielsweise unterrepräsentiert, wie Dr. Marcus Wilhelm, Vorsitzender Richter am Landgericht Marburg, mitteilt. Um ein Schöffenamt bewerben kann sich jeder deutsche Staatsbürger zwischen 25 und 69 Jahren. Vorausgesetzt, er ist noch nicht wegen einer ernsteren Sache selbst mit dem Gesetz in Konflikt geraten, er war kein Stasi-Mitarbeiter und ist nicht insolvent.

Die Bewerbungsfristen variieren von Ort zu Ort. Marburger, die Jugendschöffe werden wollen, müssen sich beispielsweise bis zum 13. April beim Magistrat bewerben. Bewerbungsformulare gibt es im Netz unter marburg.de unter dem Stichwort „Schöffe“.

„Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen“

Aus den Vorschlagslisten der Kommunen wählt ein Schöffenwahlausschuss im Herbst dann die Schöffen aus. Sollte es nicht genügend Freiwillige geben, können Bürger auch gegen den eigenen Willen zum Schöffen gewählt werden. Die Annahme des Amtes ist Staatsbürgerpflicht. Laut Richter Wilhelm hat es im Landgerichtsbezirk Marburg aber zuletzt nicht an Bewerbern gemangelt.

Die Amtszeit der Schöffen beträgt fünf Jahre. Pro Jahr werden sie in der Regel zu zwölf Sitzungen herangezogen. Allerdings können Sitzungen Fortsetzungstermine haben. „Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen“, sagt Richter Wilhelm.

Arbeitgeber sind verpflichtet, Schöffen freizustellen. Allerdings müssen sie für die Tage, an denen ein Schöffe am Gericht ist, kein Gehalt zahlen. Schöffen erhalten dafür eine Entschädigung.

von Andrea Löbbecke 
und Friederike Heitz

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