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Zwerge entgegen der Überbevölkerung

Kinostart: „Downsizing“ Zwerge entgegen der Überbevölkerung

In dem Hollywood-Film „Downsizing“ lassen sich Menschen auf Finger­größe schrumpfen, um so das größte Problem der Menschheit zu lösen.

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Paul Safranek (Matt Damon, links) und Dusan Mirkovic (Christoph Waltz) sind auf Däumlingsgröße geschrumpft. Da wirkt eine Rosenblüte riesig. Foto: George Kraychyk / Paramount Pictures

Quelle: Paul Safranek (Matt Damon, links) und Dusan Mirkovic (Christoph Waltz) sind auf Däumlingsgröße geschrumpft. Da wirkt eine Rosenblüte riesig. Foto: George Kraychyk / Paramount Pictures

Menschen, die auf Daumengröße schrumpfen, haben Hollywood schon immer fasziniert: Da war Anfang der 1980er-Jahre die grell-bissige Kapitalismuskritik „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K.“ mit Lily Tomlin in der Hauptrolle. Ein paar Jahre später setzte dann „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ vor allem auf visuellen Spaß und urige Größenvergleiche – so sehr, dass es in Disney‘s Hollywood Studios in Florida fast zwanzig Jahre lang ein nachgebautes Set gab, in dem Fans die Welt des Films erleben können. Die Zeichen stünden also gut für das neue Werk „Downsizing“.

Im Mittelpunkt steht Paul Safranek (Matt Damon), ein unfassbar durchschnittlicher US-Amerikaner mit zu weiten Polohemden und zu beigen Hosen. Den Traum, Chirurg zu sein, hat er aufgegeben, stattdessen arbeitet er als Werksarzt in einer Fleischerei. Zuhause verbringt er die Nächte über Rechnungen gebeugt im Keller. Wünsche und Ziele von ihm und seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) sind dem US-Klischee entsprechend größer als ihre vorhandenen Mittel.

Doch dann ermöglicht ihnen ein revolutionäres biologisches Verfahren, sich so sehr zu schrumpfen, dass sie plötzlich in einem Puppenhaus in „Leisure­land“ (Freizeitland) wohnen könnten, einer Stadt der Geschrumpften, die auf einen einzigen Parkplatz passt.

Regisseur reißt ein halbes Dutzend Debatten an

In der Welt von „Downsizing“ haben norwegische Wissenschaftler dieses Verfahren als Ausweg für die von der Überbevölkerung bedrohte Menschheit entwickelt. Dabei ist auch äußerst reizvoll, dass man sich in der Mini-Welt mit seinem Geld plötzlich viel mehr Luxus leisten kann. Paul und Audrey entscheiden sich für die medizinische Verwandlung – doch nach dem Aufwachen erfährt er, dass seine Frau in letzter Minute kalte Füße bekommen hat.

Regisseur Alexander Payne hat eigentlich ein Händchen für Wehwehchen und Wohlstandsprobleme weißer Mittelschichtsmänner. In „Sideways“ inszenierte er Paul Giamatti effektiv als schrulligen Weinliebhaber. Sein „Wenn irgendjemand auf der Party Merlot trinkt, dann gehe ich“, soll auf Jahre den Verkauf der Weinsorte beeinträchtigt haben. Unvergessen auch Jack Nicholson als frischgebackener Rentner, der in „About Schmidt“ erkennt, wie öde und von außen gesteuert sein Leben war.

Auch Paul Safranek steht in der Tradition dieser Durchschnitts-Figuren, doch Payne kommt das Science-Fiction-Setup des Films gehörig in die Quere. Er reißt ein halbes Dutzend gesellschaftliche Debatten von Überbevölkerung über Rassismus und Konsumgeilheit an, überfrachtet sein Werk damit letztendlich aber. Mindestens genauso­ ­enttäuschend sind viele prominent besetzte Nebenrollen: Neil Patrick Harris, Jason Sudeikis und sogar Udo Kier oder Christoph Waltz werden eingeführt, verschwinden dann allerdings meist viel zu schnell.

Am Ende eine recht konventionelle Liebesgeschichte

Doch nach der Hälfte findet der Film dank der vietnamesischen Bürgerrechtlerin Ngoc Lan Tran endlich seinen Takt. Sie ist in einem Fernsehkarton in die Winzwelt geschmuggelt worden, hat dabei ein Bein verloren und kümmert sich seitdem rührend um eine Truppe Aussätziger und Putzleute, die am Rande von Leisureland ­leben.

Natürlich sind auch hier die Parallelen zu aktuellen Wohlstandsgesellschaften und ihren Dienstleisterbrigaden alles andere als subtil, aber Schauspielerin Hong Chau gibt diesem Film einen sensationellen Drive. Auch wenn manche in ihrer gebrochenen Sprache eine rassistische Asiaten-Karikatur sehen wollen: Ihre Wärme und Tatkraft erobern den Plot und schließlich auch das Herz von Paul.

Damit wird „Downsizing“ aber zu einer recht konventionellen Liebesgeschichte, der x-ten, bei der die Zuschauer erleben müssen, wie eine quirlige Frau einem versackten Typen mit Midlife Crisis wieder in die Spur hilft – den Schrumpfungszauber aus der ersten Hälfte hätte es dafür aber nicht gebraucht.

von Christian Fahrenbach

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