Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Desbarado-Türsteher: „Ich hatte nichts getan“
Marburg Desbarado-Türsteher: „Ich hatte nichts getan“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:46 11.03.2018
In Berufung ging ein ehemaliger "Desbarado"-Türsteher. Er will einen Freispruch. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Akribisch versucht die zweite Strafkammer unter­ Vorsitz von Richter Gernot Christ den genauen Ablauf der Massenschlägerei zu rekons­truieren, die sich vor dreieinhalb Jahren im ehemaligen Desbarado in der Reitgasse ereignet hatte. Zwei Türsteher hatte das Amtsgericht freigesprochen, ­einen wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt (OP berichtete).

Sein Berufungsziel: Freispruch. Der Angeklagte bestreitet vehement, die Prügelei begonnen zu haben, wirft den Gästen Übergriffe gegen ihn vor. Er sei damals von einem Kollegen als ­Unterstützung zu dem Streit hinzugezogen worden, „ich wusste nicht mal, worum es geht“, ­berichtete er verärgert.

Acht Zeugen sagten am ersten Verhandlungstag aus und berichteten verschiedene Versionen der Schlägerei, an der zeitweise bis zu acht Menschen beteiligt gewesen sein sollen. Fakt ist, dass eine Gruppe Gäste in eine Auseinandersetzung mit einem Ordnerteam verwickelt wurde, als diese versuchten, die Besucher hinauszuwerfen.

Bruder hielt ihn im Schwitzkasten

Erster Streitpunkt des Abends war das Eintrittsgeld, das einer der Geschädigten angeblich nicht erneut zahlen wollte. Beim Versuch in die Kneipe zu gelangen, sei er jedoch nicht aufgehalten worden, hielt die Sache für erledigt, gab einer der Hauptgeschädigten an. Zurück bei seiner Gruppe am Tisch, kamen zwei Türsteher auf ihn zu, forderten ihn zum Gehen auf. An diesem Punkt scheiden sich bei Beteiligten und Zeugen die Geister. Laut dem Angeklagten und einem Kollegen soll der betrunkene Gast umgehend einen Sicherheitsmann gepackt haben, beide fielen zu Boden, wo eine wilde Prügelei begann.

Der Gast wirft wiederum dem Angeklagten vor, er habe ihn zuerst angegangen und mithilfe eines Kollegen zu Boden gerissen, wo weitere Ordner auf ihn eintraten und zusammenschlugen. Das bestätigten auch mehrere Zeugen. Daraufhin soll ihm die aufgebrachte Freundin, mittlerweile seine Ehefrau, zu Hilfe gekommen sein.

Die Nebenklägerin wiederum beschuldigt den Ordner, sie und ihren Bruder, der ebenfalls hinzutrat, mehrfach grundlos mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Dasselbe wirft der Beschuldigte wiederum der Frau vor, was ein ehemaliger Kollege bestätigte. Während des Gerangels am Ausgang soll sie ihm ins Gesicht geschlagen haben, während der Bruder ihn im Schwitzkasten festhielt. „Ich weiß nicht warum, ich hatte nichts getan“, so der Angeklagte.

„Er hat wie wild auf mich eingeprügelt“

Das sahen die Zeugen aus der Gästegruppe anders, „er hat wie wild auf mich eingeprügelt“, berichtete etwa der Bruder, der während der Schlägerei eine Nasenbeinfraktur erlitt. Diese Verletzung könnte durch eine Abwehrbewegung entstanden sein, vermutete der Beschuldigte, „ich war in Panik“.

Der Hauptgeschädigte erlitt zahlreiche Hämatome, einen Bandabriss an einem Finger sowie ­eine Nierenprellung. Er konnte sich an den weiteren Verlauf des Abends kaum noch erinnern. Laut seiner Ehefrau soll er am Ende „auf allen Vieren“ aus der Bar gekrochen sein. Verletzungen zog er sich auch zu.

  • Fortsetzung: 6. März

von Ina Tannert