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„Ich arbeite für den Himmel“

Chagall in Marburg „Ich arbeite für den Himmel“

„Ich las die Bibel nicht, ich träumte sie!“ So hat der große jüdische Maler Marc Chagall (1887 - 1985) einmal gesagt. 43 solcher „Traumbilder“ zur Bibel sind bis zum 3.

Marburg. Juni in der Christengemeinschaft, Anne-Frank-Straße 10, im Marburger Stadtteil Stadtwald zu sehen. Längst vertraut geglaubte Geschichten erscheinen in einem ganz neuen Licht.

Chagall ist in ärmlichen Verhältnissen mit acht Geschwistern in einer frommen jüdischen Familie bei Witebsk, heute Weißrussland, aufgewachsen. Seine Familie gehörte dem Chassisismus an, einer Glaubensrichtung innerhalb des Judentums, in der die Freude an Gottes Wort und seinem Gesetz im Vordergrund stand. Die Gläubigen gingen davon aus, dass man Gott nicht nur im Gottesdienst und an den religiösen Festtagen in der Synagoge, sondern überall begegnen könne: auch im tristen grauen Alltag, in Armut und in Verfolgung. Diese als Kind erlangte Gewissheit gewährte Chagall Trost in allen Krisensituationen seines Lebens.

„Nach dem Grauen des Dritten Reiches setzte Chagall sich zum Ziel, die Bibel zu malen. Er wollte Menschen unserer Zeit, denen es schwer fällt, eine Beziehung zur Bibel zu finden, Hilfen geben, die Bibel vom Bild her zu entdecken“, teilte die Christengemeinschaft mit. Jahrelang gestaltete er unzählige Bilder mit biblischer Thematik: Gemälde, Radierungen, Glasfenster und Lithographien. „Wie Christus bin ich gekreuzigt, mit Nägeln an die Staffelei geheftet“, sagte der Maler einmal. „Ich arbeite für den Himmel.“

Chagall verstand seine Arbeit als Gebet, sich selbst bezeichnete er als Mystiker.

Die Ausstellung in den Räumen der Christengemeinschaft zeigt die beiden Lithographie-Zyklen „La Bible“ aus dem Jahr 1956 und „Dessins pour la Bible“ aus dem Jahr 1960 komplett. Die Bilder thematisieren neben der Schöpfungsgeschichte die großen Gestalten des Alten Testaments: Erzväter, Könige, Engel, Propheten und vor allem auch die Frauengestalten.

„Soweit es sich um die Kunst handelt, habe ich oft von der Farbe gesagt, dass sie Liebe ist“, meinte der Künstler.

Das Rahmenprogramm:

Die Ausstellung ist geöffnet: samstags, sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr, montags bis freitags 16 bis 20 Uhr. Für Schülergruppen nach Anmeldung (06421/25613) werktags ab 10.30 Uhr. Führungen nach Vereinbarung

27. Mai, 11.15 Uhr: Vortrag von Amnon Orbach von der Jüdischen Gemeinde Marburg: „Chagall als Jude“.

28. Mai,11.15 Uhr: Vortrag Peter Hatscher, Kunsterzieher Marburg: „Chagall als Künstler“;

29. Mai, 11.15 Uhr: Vortrag Jochen Butenholz, Pfarrer der Christengemeinschaft Marburg: „Chagall als Zeitgenosse des 20. Jahrhunderts“.

2. Juni: Langer Chagallabend von 18 bis 22 Uhr mit Klezmermusik und Lesungen.

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