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Marburg ICE-Halt löst bei Studenten Ticket-Sorgen aus
Marburg ICE-Halt löst bei Studenten Ticket-Sorgen aus
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00:20 27.09.2018
Der Marburger Hauptbahnhof wird ab Jahresende zur ICE-Haltestelle. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) verhandelt aktuell mit der Deutschen Bahn über die Ausgestaltung, über Kosten und Geltungsbereich eines Semestertickets, das auch die ICE-Nutzung umfasst. Denn bisher gilt das Ticket für Regionalbahn, Regionalexpress und Intercity – aber eben nicht für den ICE, der künftig in Marburg abfahren soll (wir berichteten).

Fakt ist: Für die Nutzung der Züge wäre pro Semester ein erhöhter Zuschlag fällig – pauschal von allen Studenten zu zahlen, egal ob sie das Angebot nutzen wollen oder nicht. Nach OP-Informationen soll es sich um einen zweistelligen Euro-Betrag handeln, der pro Semester zusätzlich zu zahlen wäre.

„Für Studenten definitiv keine Verbesserung, im Gegenteil“

Die vom Studentenparlament beauftragten Vertragsgespräche­ seien „weit fortgeschritten“, sagt Lukas Ramsaier, Asta-Verkehrsreferent auf OP-Anfrage. Froh sei man über die Umstellung nicht, es werde „teurer bei weniger Leistung“. So drohe für Marburger Studenten die Verbindung nach Kassel und Göttingen aus dem Geltungsbereich herauszufallen, die Fahrradmitnahme würde auf ein Minimum beschränkt sein, auch die Sitzplatzanzahl würde verringert.

„Für Studenten stellt das definitiv keine Verbesserung dar, im Gegenteil“, sagt Ramsaier. Grundsätzlich wolle der ­Asta im bevorstehenden Semester zum Thema ICE-Aufschlag im Semesterticket eine Meinungsumfrage an der Universität starten. „Unser Ziel ist erst mal, den grundsätzlichen Erhalt dieses gewachsenen Semestertickets abzusichern“, sagt Ramsaier.

Berufspendler erhalten 
keine RMV-Aufschlagskarten

Der geplante ICE-Halt beschäftigt auch die Kommunalpolitik. „Die ICE-Anbindung bedeutet für die allermeisten Nahverkehrsnutzer eine Verschlechterung“, sagt Henning Köster, Linken-Stadtverordneter. Preiserhöhungen speziell für Studenten „darf es nicht geben“. Thorsten Büchner (SPD) sagt mit dem Verweis auf den Magistrat, der mit der Deutschen Bahn in Verhandlungen treten soll: „Es gilt, die Chancen der Neuerung zu nutzen und die Verschlechterungen abzufedern.“

Es sollte „keine Mehrkosten für Studenten geben.“ Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sieht das anders: Ein ICE statt eines IC sei „alleine wegen der Zug-Infrastruktur, den modernen Waggons keine Verschlechterung“, es gebe etwa kostenloses W-LAN, Klimaanlage, Bordrestaurant – und es sei grundsätzlich Teil eines lange gehegten Wunschs, dass nicht alle ICEs über Fulda fahren, sondern auch über Gießen und Marburg.

Doch nicht nur Studenten, auch Berufspendler in Richtung Frankfurt sind von der Umstellung betroffen: Sie werden nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbunds keine Aufpreiskarten mehr bekommen. Der Magistrat ist sich aber nicht zuletzt wegen wirtschaftlicher Aspekte auf Seiten des RMV sicher, dass „Verkehrsverbund und Bahn eine Einigung im Sinne der Kunden erzielen werden“.

von Björn Wisker