Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Hysterie, Hass und Hexenjagd

Theaterpremiere Hysterie, Hass und Hexenjagd

Die Theatergruppe betreff:theater hat mit „Verbrannte Erde“ ein beklemmendes Drama über die Hexenverfolgung auf die Bühne gebracht. Am Donnerstag zeigte es das Stück vor rund 100 Zuschauern zum ersten Mal.

Voriger Artikel
Neuer Blick auf Gottesbilder und biblische Texte
Nächster Artikel
Vom Zirkelstrich zur Freiheit der Natur

Ist das Mädchen vom Teufel besessen? Die Gruppe betreff:theater zeigt ein eindringliches Stück zur Hexenverfolgung in der Waggonhalle.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Marburg. Salem 1692: Seltsame Dinge gehen vor sich in einem kleinen Dorf in Neuengland. Ein Mädchen liegt wie tot da, springt plötzlich auf, schreit, breitet die Arme aus und will aus dem Fenster fliegen. Die Dorfbewohner sind besorgt: Ist der Teufel in sie gefahren? Ist sie von bösen Geistern besessen, ist gar Hexerei im Spiel?

Hysterie macht sich breit im Dorf. Immer mehr Mädchen benehmen sich auffällig, schließlich landen die ersten jungen Frauen im Gefängnis. Ein Sondergericht wird eingerichtet, und bald verdächtigt jeder jeden. So trifft es auch die völlig unschuldige Bäuerin Elizabeth Proctor, die von der Geliebten ihres Mannes angeschwärzt wird. Nicht lange, dann wird klar: Hier macht sich nicht der Teufel breit, sondern Neid, Eifersucht und Missgunst. Der Ehemann von Elizabeth bringt es auf den Punkt: „Niedere Rache wird zum Gesetz“ und „die Welt ist wahnsinnig geworden“.

Die Geschichte von „Verbrannte Erde“ lehnt sich an historische Fakten aus der amerikanischen Geschichte an: In einem kleinen Ort in Neuengland fanden 1692 die „Hexenprozesse von Salem“ statt. Zunächst benahmen sich nur zwei Farmerstöchter seltsam, bald aber wurde eine mörderische Spirale der Gewalt in Gang gesetzt. Immer mehr Frauen gerieten in Verdacht, Hexen zu sein, unter ihnen etliche gesellschaftliche Außenseiterinnen.

Intensives und leidenschaftliches Spiel

Am Ende wurden zahlreiche unschuldige Menschen nach schrecklichen Folterungen hingerichtet. Erst König Wilhelm III. gebot dem grausamen Treiben Einhalt.

Die Theatergruppe betreff:theater hat aus dem historischen Stoff ein eindringliches Stück gemacht, das unter die Haut geht. Bei der Premiere am Donnerstag zeigten die jungen Darsteller durchweg beachtliche schauspielerische Leistungen und beeindruckten mit ihrem intensiven und leidenschaftlichen Spiel, das dem ernsten Inhalt durchaus gerecht wurde.

Zum stimmigen Gesamtbild trug die zurückhaltend gestaltete Bühne bei, die dem Stück breiten Raum ließ. Ein paar braune Kartons zu Mauern gestapelt, ein Tisch, ein Stuhl waren die einzigen Requisiten. Ebenso zurückhaltend die Kostüme: schliche schwarze Kleidung, darüber weiße Jacken, die beschmutzt aussahen. Vielleicht ein versteckter Hinweis auf die sprichwörtlichen weißen Westen, die hier gar nicht mehr so weiß waren? Das betreff:theater ist eine freie Marburger Theatergruppe. Sie besteht aus Studierenden, die Spaß am Theaterspielen haben und regelmäßig mit Erfolg in der Waggonhalle auftreten. Zuletzt waren die Inszenierungen „Wer hat, dem wird gegeben“ und „Großraumseelen“ zu sehen.

Das neue Stück „Verbrannte Erde“ wird an folgenden weiteren Terminen in der Waggonhalle aufgeführt: Sonntag, 8. Juli, Mittwoch, 11. Juli und Donnerstag, 12. Juli jeweils ab 20 Uhr.

Von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg