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Marburg Hoffmann erzählt einen Albtraum
Marburg Hoffmann erzählt einen Albtraum
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19:46 21.12.2009

Marburg. Ursprünglich war die bereits dritte Live-Übertragung aus der New Yorker Metropolitan Opera in einem kleineren Kino geplant, musste aber in den zweitgrößten Saal verlegt werden. Was war der Grund für diese große Nachfrage? Sicherlich die Mitwirkung der aktuellen Operndiva Nummer eins, Anna Netrebko. Aber vielleicht auch der Wunsch, Joseph Calleja in der Titelpartie von Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ zu erleben.

Denn der aus Malta stammende Tenor gastiert regelmäßig an der auch von zahlreichen Marburgern besuchten Oper Frankfurt, deren Intendant Bernd Loebe sein „Entdecker“ ist. Calleja hat auf Anhieb die Messlatte für jeden anderen Interpreten nahezu unerreichbar hoch gelegt. Sein dunkel grundierter, schlanker Tenor besitzt nicht nur einen großen Umfang, sondern auch das nötige Volumen, um Riesenräume wie den der Met zu füllen. Dort hat Bartlett Sher die Rahmenhandlung in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angesiedelt. Hoffmann sei, wie der Regisseur in den Pausengesprächen mit der Met-Primadonna Deborah Voigt sagte, ein kafkaesker Charakter.

Und seine Erzählungen erlebt er als Albtraum, der gleichzeitig in Michael Yeargans Bühnenbildern und Catherine Zubers Kostümen einer fantastischen Reise durch die Zeiten und Stile gleicht, in der Filmregisseure wie Fellini und Kubrick zitiert werden. Neben Calleja sind in der von Met-Chef James Levine feurig dirigierten Aufführung auch die übrigen Hauptrollen glänzend besetzt, wobei es gerade nicht Anna Netrebko als Antonia ist, die den stärksten Eindruck hinterlässt. Es ist vielmehr die Mezzosopranistin Kate Lindsey als Hoffmanns Muse, die ihn als sein Freund Nicklausse beschützend begleitet, dabei gemeinsame Sache mit dessen finsterem Gegenspieler Lindorf macht, dem Alan Held seinen machtvollen Bassbariton leiht.

von Michael Arndt

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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