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Marburg Höhlenkino und Kuhglocken-Beats
Marburg Höhlenkino und Kuhglocken-Beats
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16:11 25.05.2012
Blick auf eine Großskulptur des argentinischen documenta-Künstlers Adrián Villar Rojas: Auf einem rund acht Meter langen Knochen sitzt eine junge Frau mit Irokesenschnitt und säugt ein Ferkel. Das Kunstwerk ist Teil einer viel größeren Installation, die d Quelle: Uwe Zucchi
Kassel

Zwei Wochen vor der Eröffnung ist klar: Die documenta wird mal wieder ganz schön schräg. Nachdem zuletzt schon einiges über Teilnehmer und Werke bekannt geworden war, lüftet das Kunstmagazin „art“ den Schleier noch ein wenig weiter. 20 Kunstwerke der documenta (13) wurden gestern online vorgestellt.

Was zum Vorschein kommt, bestätigt zwei Ankündigungen von documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev: Es geht viel um Kapitalismus-Kritik. Und der Kunstbegriff ist wirklich sehr weit gefasst. Außerdem lassen sich überraschend viele Künstler vom angeblich so öden Kassel inspirieren.

Eine documenta-Sprecherin sagte dazu, die Namen würden von der documenta nicht bestätigt. Offiziell sollen die Teilnehmer der weltweit wichtigsten Kunstausstellung am 6. Juni vorgestellt werden. Die documenta (13) wird am 9. Juni eröffnet.

Laut „art“ demontierte der amerikanische Videokünstler und Bildhauer Theaster Gates mit 50 Arbeitslosen in Chicago ein Haus, um mit den so gewonnenen Baumaterialien das Hugenottenhaus in Kassel zu restaurieren.

Das Künstlerduo Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg wollte sogar einen ganzen Meteoriten aus Argentinien anschleppen - 37 Tonnen schwer! Das klappte dann aber doch nicht - unter anderem waren die Ureinwohner dagegen. Nur gut, dass in der Konzeptkunst der Leitsatz gilt: Es kommt mehr auf die Idee an als auf die Ausführung - der gute Wille zählt! So entschieden sich die beiden dafür, ihren - letztlich gescheiterten - Prozess des Meteoriten-Anschleppens mit Fotos, Dokumenten und Landkarten zu dokumentieren.

Geld regiert die Welt - ganz besonders die Kunstwelt. Doch das mexikanisch-russische Künstlerduo Julieta Aranda & Anton Vidokle präsentiere bei der documenta einen Gegenentwurf, berichtet „art“: eine Plattform zum Tausch von Waren und Dienstleistungen ganz ohne Geld. Die Währungen in ihrer Mikroökonomie für den Kulturbereich heißen: Zeit und Können. Geradezu interaktiv geht es bei Masood Kamandy zu, einem US-amerikanischen Videokünstler afghanischer Abstammung: Besucher der documenta-Webseite können dort - so „art“ - Fragen hinterlassen, Kamandy beantwortet sie dann mit einem Film oder Foto.

Der Nordire Willie Doherty untersuche derweil die Geschichte von Kassel: Er filmte in der Stadt und im Umland, um persönliche Geschichten, Erfahrungen und Atmosphäre zu verarbeiten.

Der Installationskünstler Javier Téllez will eine ehemalige Lagerhalle am Kunstbahnhof Kassel in eine künstlerische Grotte umwandeln und die Zuschauer eines Films zu „aktiven, teils verstörten“ Mitspielern machen.

Die Installationskünstlerin Mariam Ghani wiederum glaubt Parallelen zwischen dem Kasseler Fridericianum und der Ruine eines in den 20er Jahren errichteten Palastes in der Nähe von Kabul in Afghanistan entdeckt zu haben.

Beide Häuser teilen demnach nicht nur einen ähnlichem Grundriss und eine ereignisreiche Geschichte, sondern dienten auch vorübergehend als Parlamentsgebäude.

Als musizierender Maler versteht sich der 77 Jahre alte Amerikaner Llyn Foulkes. Um sich den Traum von einer Ein-Mann-Band zu erfüllen, erfand er in den 70er Jahren eine von ihm allein bespielte Musikmaschine. Mit ihr will er nach Angaben des Kunstmagazins in Kassel 30 Tage lang Konzerte geben. Dabei bedient er mit Füßen die Bassseite, imitiert mit Hupen Bläsersätze und gibt den Rhythmus mit Kuhglocken vor.

Die documenta - auch ein musikalisches Erlebnis?(dpa)

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