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Marburg Himmelsmechanik trifft Menschenbilder
Marburg Himmelsmechanik trifft Menschenbilder
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20:13 19.01.2012
Der Marburger Bildhauer Hans Schohl präsentiert im Kunstverein seine Himmelsmechanik und Häöllenmaschinen – es sind filigrane kinetische Objekte.

Marburg. Im Kunstverein gilt es 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu bespielen. Das schafft nicht jeder Künstler. Insofern ist eine Ausstellungsabsage ein ernstes Problem. Erst im Dezember hat der Kunstvereinsvorsitzende Dr. Gerhard Pätzold bei Ulrike Bolenz und Hans Schohl angefragt. Beide sagten spontan zu, für beide ist die  Größe der Ausstellungsräume kein Problem.

Die Ausstellung ist ein Glücksfall für die heimischen Kunstfreunde. Mit Ulrike Bolenz kehrt eine alte Bekannte nach Marburg zurück. Sie wurde 1958 in Castrop-Rauxel geboren und wuchs in Marburg auf. Nach dem Kunststudium in Kassel ging sie nach Berlin. Seit 17 Jahren lebt und arbeitet sie in Brüssel und stellt inzwischen international aus. In Marburg waren ihre „mindestens lebensgroßen“, faszinierenden Menschenbilder zuletzt vor sieben Jahren im Schloss und im Unimuseum zu sehen.

„Group noire et blanc“ nennt sie ihren Ausstellungsteil im Obergeschoss. In ihrer Kunst verbindet sie Malerei mit Fotografie. Die Menschen, die sie zeigt, sind fast immer nackt, ohne jedes Attribut. Manchmal wirken sie verletzlich wie die engelhaften Frauen, die  auf durchscheinendem Polycarbonat frei im Raum schweben, beschützt durch zerbrechlich aussehene Libellenflügel. Manchmal wirken sie unnahbar, schemenhaft, verdeckt von Acryl und Kohlestift. Und manchmal dynamisch, wie in der Ikarus-Serie. Ulrike Bolenz hat in den vergangenen 20 Jahren eine sehr spezielle Technik entwickelt, Fotografien auf Plexiglas oder weicherem Polycarbonat zu bannen.  Das verleiht ihren Bildern, die wie Skulpturen im Raum aufgestellt werden können, zusätzlich Tiefe.

Licht und Schatten, Hell und Dunkel spielt auch eine zentrale Rolle im Werk des in Anzefahr lebenden Bildhauers Hans Schohl, der seine kinetischen Objekte ebenfalls in zahlreichen überregionalen Ausstellungen – zuletzt etwa in Japan – zeigte. Schohl, Mitglied der Kunstwerkstatt Radenhausen, zeigt im Erdgeschoss „Himmelsmechanik und Höllenmaschine“. Zu sehen sind filigrane Gebilde aus oft rostigem Metall, aus Drähten und kleinen Lampen, die stets in Bewegung sind. Sterne und Monde kreisen an den Wänden, Federn formen sich zu Fächern und aus kleinen Vulkanen wachsen an dünnen Stäben pilzartige Gebilde empor – angetrieben von winzigen Motoren. „Fujisan“ hat er seine witzige Verbeugung an den berühmten japanischen Vulkanberg Fujiyama genannt – der schön und bedrohlich zugleich ist. Beklemmung verbreiten seine beweglichen Gebilde aber nur im Dunkel. Die kinetischen Objekte brauchen Dunkelheit und Licht, damit ihre Schatten die Wände emporwachsen können.

Die Ausstellung wird am Freitag um 18 Uhr im Kunstverein eröffnet.

von Uwe Badouin