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Existenzielle Fragen auf der Bühne

„Die Gerechten“ Existenzielle Fragen auf der Bühne

Albert Camus gilt neben Jean-Paul Sartre als der wohl bedeutendste Vertreter des französischen Existenzialismus. Camus stellt in „Die Gerechten“ die Frage: Wie weit dürfen Revolutionäre gehen?

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Victoria Schmidt (von links), Thomas Huth und Maximilian Heckmann in einer Szene aus „Die Gerechten“.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. „Zartfühlende Mörder“ nannte Albert Camus einmal die Revolutionäre aus seinem 1949 in Paris uraufgeführten Stück „Die Gerechten“. Das Drama spielt im Jahr 1905 in Moskau: Mitglieder der Partei der Sozialrevolutionäre planen ein Bombenattentat auf den Großfürsten Sergej. Sie wollen das Volk von der Tyrannei des Zarenregimes befreien. ­Monatelang wird das Attentat vorbereitet.

Als Attentäter vorgesehen ist der Dichter und Idealist Janek Kaljajew. Ihm Gegenüber steht Stepan, ein Mann, der im Gefängnis ausgepeitscht wurde und seither nur noch blanken Hass kennt. Während Kaljajew und seine Freundin Dora, die ihn liebt, darunter leiden, dem Leben der Unterdrückten zuliebe töten zu müssen, glaubt Stepan für das Attentat keinerlei Rechtfertigung zu bedürfen. Für ihn heiligt der Zweck alle­ Mittel.

Als Kaljajew unmittelbar vor dem Attentat sieht, dass nicht nur der Großfürst, sondern auch dessen Neffe und Nichte­ in der Kutsche sitzen, bricht er den Anschlag ab, weil er keine­ Kinder töten will. Es kommt zum Streit zwischen Stepan und Kaljajew. Letzterer startet einen zweiten Versuch und nimmt ­
dabei seinen Tod in Kauf.

Was ist Gerechtigkeit, was ist Freiheit?

Inszeniert wird das Stück von Marc Becker, der am Hessischen Landestheater unter anderem Molières Komödie „Der eingebildete Kranke“ und das Open-Air-Spektakel „Luther“ auf die Bühne brachte. Becker geht der Frage nach, wie radikal der Weg zur Revolution sein darf: Darf die Bombe auch geworfen werden, wenn Kinder mit im Wagen des Großfürsten sitzen? Kann es jemals eine Rechtfertigung für den Mord an einem Menschen geben? Was ist Gerechtigkeit, was ist Freiheit? Und überhaupt: Für wen wird die Revolution gemacht?

Für die Ausstattung zeichnet Harm Naaijer verantwortlich, Dramaturgin ist Nadine Wiedemann. Es spielen Lene Dax, ­Lisa-Marie Gerl, Julia Glasewald, Maximilian Heckmann, Thomas Huth, Jürgen Helmut Keuchel, Camil Morariu und Victoria Schmidt.

Die Premiere ist am Samstag um 19.30 Uhr auf der Bühne im Theater am Schwanhof. Weitere Vorstellungen sind am 1., 4. und 28. Februar

von Uwe Badouin

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